Aus Sorge wird Gewissheit: Die mächtige Buche am Beethovenring wird am Abend des 27. Dezember nicht mehr da sein. Der Kreis Unna muss den Baum fällen lassen.

Unna

, 20.12.2018, 13:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Prüfung des Problembaums am Unnaer Verkehrsring ist nun doch schneller erfolgt als ursprünglich geplant, und das Ergebnis ist für Freunde des stattlichen Gewächses ein trauriges. Am 27. Dezember wird der Baum gefällt. Die Verantwortlichen versuchen dieses Mal, Verkehrschaos zu vermeiden.

Voraussichtlich im Januar sollte die Blutbuche an der Ringkreuzung gegenüber der Polizeiwache noch einmal eingehend untersucht werden, hatte Peter Driesch vom Kreis Unna am Dienstag angekündigt. Hintergrund war der dramatische Rückschnitt des Baums, der am Montag unerwartet nötig geworden war. Im Zuge der Sägearbeiten hatte sich ein Riss in einer Astgabel gebildet. Der betroffene Teil der Baumkrone musste unter großem Aufwand und verbunden mit erheblichem Verkehrschaos zurückgeschnitten werden.

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Nun habe man sich den Baum doch schon gemeinsam mit einer Fachfirma angeschaut, erklärte Driesch unserer Redaktion am Donnerstag. „Wir werden ihn fällen lassen müssen, und zwar relativ schnell“, so Driesch. Er bedauere das. „So ein Baum ist nicht zu ersetzen.“

Sperrung und Umleitung

Verkehrschaos dieses Mal vermeiden

Der Kreis Unna hat die Fällarbeiten bereits mit der Polizei und der Stadt Unna abgesprochen. Folgendes ist geplant für den 27. Dezember: Die zwei linken Fahrspuren des Verkehrsrings, die an der Kreuzungen vorbeiführen, sollen gesperrt werden. Der Ring wird also zu einem Flaschenhals. Die Verantwortlichen legen die Arbeiten aus gutem Grund in die Zeit „zwischen den Jahren“: Das Verkehrsaufkommen ist während der Ferien in der Regel geringer. Gesperrt wird auch ein Stück der Oberen Husemannstraße, von der Kreuzung in Richtung Innenstadt. Die Umleitung führt über die Mozartstraße, die für diese zeit in zwei Richtungen befahren werden kann. Die Fällarbeiten sollen voraussichtlich von 8 bis 16 Uhr andauern.

Wie er bereits befürchtet hatte, gibt es ein statisches Problem: Der Teil der ausladenden Krone, der zur Kreuzung ragte, ist fast vollständig verschwunden. Die andere Seite der Krone zieht den Baum nun mit ihrem Gewicht. Der Rest des angerissenen Asts müsste ohnehin noch abgesägt werden, und vermutlich würde dabei eine zu große Wunde zurückbleiben.

Baum wird etappenweise abgetragen

Die Entscheidung zur Fällung hängt vor allem damit zusammen, dass der Baum an einer stark befahrenen Kreuzung steht. Es soll von ihm keine Gefahr ausgehen. Seine Lage macht die Entfernung aber auch zu einem Problem. „Auf freiem Feld würde man die Säge ansetzen und ihn fallen lassen. Das geht hier nicht“, sagt Driesch. Etappenweise soll der Baum von oben nach unten abgetragen werden. Eine auf Baumfällungen spezialisierte Firma wird die Reste vor Ort zerkleinern. Mehrere Tonnen Buchenholz werden dann von der Kreuzung abtransportiert.

Säge kommt lange vor dem Ende der Lebenserwartung

Rund 300 Jahre sind eine realistische Lebenserwartung für eine Buche. Die Blutbuche an der ehemaligen Katharinenschule wird im Kataster des Kreises Unna mit einem Alter von 150 Jahren geführt. Eine andere Schätzung liegt bei 200 Jahren. Der Baum müsste das Ende seines Lebens also eigentlich noch nicht erreicht haben. Er habe aber an seinem Standort keine günstigen Bedingungen, sagt Peter Driesch, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Unna. „Die Wurzeln sind das Problem.“ Genauer gesagt haben die Wurzeln der Buche im Lauf der Jahrzehnte erhebliche Probleme bekommen. Der Großteil der Fläche um den Stamm ist versiegelt. Gerade Buchen, so Driesch, müssten viel Freiraum haben, also eine Oberfläche, die Versickerung ermöglicht. Durch Straßenbau an der Kreuzung wurde der Boden zudem verdichtet. Auch Wurzelschädigungen durch Tiefbauarbeiten sind wahrscheinlich. Wird eine Wurzel geschwächt, dann leidet darunter die Vitalität des Baums.

Umweltpolitiker kritisiert Umgang mit Bäumen

„Wir haben immer weniger solcher alten Bäume“, sagt Björn Merkord, Vorsitzender des städtischen Umweltausschusses. Er meldete sich zu Wort, als das Schicksal der Blutbuche noch nicht feststand, noch bevor der Kreis Unna die Fäll-Entscheidung bekannt gab. „Das Jahr begann mit Friederike und endet mit dem traurigen Ereignis am Ring“, sagt der Grünen-Politiker Merkord. Er erneuerte nun die Kritik der Bündnisgrünen an einem Ratsbeschluss, die Baumschutzsatzung zu kippen. Seitdem dürfen private Grundstückseigentümer Bäume fällen lassen, die die Satzung zuvor geschützt hatte. Merkord weist auf leer stehende Baumscheiben im Stadtgebiet hin, die noch nicht wieder neu bepflanzt wurden. In den kürzlich abgeschlossenen Haushaltsberatungen sei das Straßenbegleitgrün bedauerlicherweise kein Thema gewesen, kritisiert Merkord.

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