Rund 30 Mädchen und Jungen haben in den Herbstferien Spaß im Wasser. Sie nehmen an zwei kostenlosen Schwimmkursen in der Schwimmsporthalle Bergenkamp teil. Möglich machen das gleich mehrere Kooperationspartner.

Unna

, 16.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer einen Schwimmkurs anbietet, kann sich einer Sache sicher sein: Der Kurs ist nach wenigen Tagen ausgebucht. Zu groß ist der Bedarf, zu viele Mädchen und Jungen trauen sich kaum ins Wasser. Das ist in Unna nicht anders als in anderen Städten auch.

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Am Montag startete ein ganz besonderes Angebot in der Schwimmsporthalle Bergenkamp. Dort lernen etwa 30 Grundschulkinder, wie sie sich im Wasser verhalten müssen – und das, ohne dass für ihre Eltern Kosten entstehen. Möglich macht das eine Kooperation von Sportförderkreis, Stadt Unna, DLRG und den Wirtschaftsbetrieben Unna (WBU). Sie alle sitzen schon zum zweiten Mal in einem Boot, wenn es um Schwimmkurse geht. „Im vergangenen Jahr haben wir dieses Angebot erstmals gemacht, damals für eine Woche. Jetzt weiten wir es auf zwei Wochen aus“, erklärt Bodo Micheel vom Sportförderkreis.

Kostenlose Kurse machen Kindern aus Unna Lust aufs Schwimmen

Die Teilnehmer und Organisatoren des kostenlosen Schwimmkurses trafen sich vor der Schwimmsporthalle Bergenkamp. © UDO HENNES

Richtig schwimmen können die Kinder auch nach den zwei Wochen nicht. „Vielleicht macht der eine oder andere das Seepferdchen, aber es geht vor allem darum, die Kinder an das Wasser zu gewöhnen, sagt Dieter Schwarzer, Ehrenvorsitzender der DLRG Unna. Er betont dabei, dass das Seepferdchen die Mädchen und Jungen nicht zu Schwimmern erklärt. „Schwimmer ist, wer das Jugendschwimmabzeichen in Bronze gemacht hat“, sagt er.

Abzeichen für Kinder

Schwimmer erst mit Bronze

Das Seepferdchen ist ein Frühschwimmer-Abzeichen. Um es zu erringen, müssen Kinder vom Beckenrand ins Wasser springen und 25 Meter schwimmen. Zudem müssen sie einen Gegenstand mit den Händen aus schultertiefem Wasser heraufholen. Schwimmer ist, wer das Deutsche Jugendschwimmabzeichen in Bronze erringt. Dafür muss der Absolvent vom Beckenrand ins Wasser springen und mindestens 200 Meter in höchstens 15 Minuten schwimmen. Aus zwei Meter tiefem Wasser muss ein Gegenstand heraufgeholt werden. Zudem ist ein Sprung aus einem Meter Höhe erforderlich, und die Kenntnis der Baderegeln ist nachzuweisen. Wer das Jugendschwimmabzeichen in Silber erringen möchte, muss nach einem Startsprung mindestens 400 Meter in höchstens 25 Minuten schwimmen, davon 300 Meter in Bauch- und 100 Meter in Rückenlage. Zweimal muss ein Gegenstand aus zwei Meter tiefem Wasser geholt werden. Außerdem erforderlich sind ein Sprung aus drei Metern Höhe, 10 Meter Streckentauchen und die Kenntnis von Baderegeln und Selbstrettung. Wenn Kinder neun Jahre alt sind, können sie das Jugendschwimmabzeichen in Gold ablegen. Erforderliche Leistungen: 600 Meter Schwimmen in höchstens 24 Minuten, 50 Meter Brustschwimmen in höchstens 1:10 Minuten, 25 Meter Kraulschwimmen, 50 Meter Rückenschwimmen mit Grätschschwung ohne Armtätigkeit oder 50 Meter Rückenkraulschwimmen, 15 Meter Streckentauchen, Tieftauchen von der Wasseroberfläche mit Heraufholen von drei kleinen Tauchringen aus einer Wassertiefe von etwa zwei Metern innerhalb von 3 Minuten in höchstens drei Tauchversuchen, Sprung aus drei Metern Höhe, 50 Meter Transportschwimmen (Schieben oder Ziehen), Nachweis der Kenntnisse von Baderegeln und Hilfe bei Bade-, Boots- und Eisunfällen (Selbstrettung und einfache Fremdrettung).

Ohne die DLRG wäre das Angebot am Bergenkamp nicht möglich. Rund zehn junge Übungsleiter zeigen den Kindern ehrenamtlich, wie sie sich im Wasser verhalten sollten. Sie zeigen ihnen, wie sie gleiten können, nehmen ihnen die Angst vor dem Wasser. „Eingewöhnung“ nennen das die Experten. Und die ist gefragt. „35 Prozent aller Dritt- und Viertklässler können nicht schwimmen“, weiß Dieter Schwarzer. Das sei eine alarmierende Zahl. „Anhand der Anmeldezahlen sieht man auch die Notwendigkeit dieser Schwimmkurse“, ergänzt Kerstin Heidler, Beigeordnete der Stadt Unna. Sie spricht von einem „tollen Gemeinschaftprojekt“, das die vier Partner auf die Beine gestellt haben und das sie gerne fest etablieren wollen. Kaum nachvollziehbar scheint, warum einige der angemeldeten Kinder am Montag nicht zu den Kursen erschienen. Des einen Leid ist des anderen Freud: Bodo Micheel konnte Familien mit einer nachträglichen Zusage erfreuen, die zunächst auf der Warteliste gestanden hatten.

„Es ist wichtig, dass wir verschiedene Ebenen bespielen: den Schulschwimmsport, den Vereinsschwimmsport, aber eben auch solche Ferienangebote.“
Unnas Beigeordnete Kerstin Heidler

Solche Wartelisten gibt es auch bei der DLRG. Wer einen Schwimmkurs belegen möchte, muss oft ein Jahr lang darauf warten. Die Beigeordnete Kerstin Heidler sieht Unna in Sachen Wasserflächen besser aufgestellt als etwa den großen Nachbarn Dortmund. „Neben der Schwimmsporthalle haben wir auch noch Lehrschwimmbecken in Lünern und Massen, die durch Vereine betrieben werden, erklärt sie. Diese Bäder werden auch von den Grundschulen genutzt. Hinzu kommen Vereine, in der Schwimmsporthalle gibt es zudem einen Vertrag mit der Bundeswehr. Badzeiten sind also ein begehrtes Gut. Jetzt, in den Ferien, besteht die seltene Gelegenheit, ein Zusatzangebot wie die neuen Schwimmkurse zu ermöglichen. „Jetzt haben wir freie Zeiten“, berichtet Dirk Brämer, Technischer Prokurist der Wirtschaftsbetriebe Unna, die das Bad dafür kostenfrei zur Verfügung stellen.

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Einfluss auf das Angebot an Schwimmkursen hat nicht zuletzt die Zahl der Übungsleiter. „Für uns wird es immer schwieriger, neue Menschen für diese Aufgabe zu gewinnen“, berichtet Dieter Schwarzer. Die DLRG spüre den Ganztagsunterricht an den Schulen. Und viele der jungen Leute, die sich zu Übungsleitern ausbilden ließen, würden etwa wegen des Studiums wieder ausscheiden. Dennoch bietet die DLRG viele Schwimmkurse, aber auch Kurse für Rettungsschwimmer an. In den Sommerferien gibt es zudem einen Seepferdchenkurs im Bornekampbad – und auch der ist stets ausgebucht.

Kostenlose Kurse machen Kindern aus Unna Lust aufs Schwimmen

Im Bornekampbad bietet die DLRG gemeinsam mit dem Badverein während der Sommerferien regelmäßig Seepferdchenkurse an. © Marcel Drawe

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