Die Fraktion „Die Linke“ beantragt alle Schulen und kommunale Bildungseinrichtungen mit nachhaltigen Menstruationsartikeln auszustatten und kostenfrei den Schülerinnen zur Verfügung zu stellen. © Unsplash

Kostenlose Binden und Tampons: Ein natürliches Thema endlich anerkennen

Binden und Tampons auf öffentlichen Toiletten – und zwar kostenlos: Das fordert die SPD-Kreistagsfraktion in einem Antrag. Dazu ein Meinungsbeitrag unserer Autorin Vivien Nogaj.

Die Frage, ob es kostenfreie Binden und Tampons auf öffentlichen Toiletten geben sollte, wird gerne und viel diskutiert. Immer mit einer Meinung dabei: Jene Hälfte der Menschheit, die gar nicht nachvollziehen kann, was es bedeutet, einmal im Monat zu bluten.

Hamm hat Pilotprojekt bereits auf den Weg gebracht

Schottland machte als erstes Land der Welt flächendeckend vor, weitere Länder und auch Städte in Deutschland – darunter zuletzt Unnas Nachbarstadt Hamm – zogen nach: Sie ermöglichten den kostenfreien Zugriff auf Binden und Tampons in allen öffentlichen Damentoiletten. Auch für den Kreis Unna liegt nun ein entsprechender Antrag vor.

Die Frage, die sich dahingehend bei vielen Menschen – darunter meist Männern – stellt: Tut das der Sache wirklich Not? Schließlich, so der allgemeine Tenor, werde auch kein kostenfreier Rasierschaum samt Rasierer auf Männertoiletten bereitgestellt – und überhaupt sei es ja wohl nicht zu viel verlangt, für einen absehbaren Zeitraum Tampons mit sich zu führen.

Jenen Menschen sei gesagt: Nicht nur, dass Frauen nicht bei absolut jeder Gelegenheit einen Tampon mit sich führen, auch wird der Bartwuchs von Männern wohl kaum in der selben Intensität und mitunter so urplötzlich eintreten, als dass sie noch in der selben Minute mit dem Rasierapparat Abhilfe schaffen müssten.

Ist es nicht normal, dass es auf öffentlichen Einrichtungen Toilettenpapier gibt?

Vivien Nogaj, Redakteurin

Zumindest was das erste Argument angeht, kann man beipflichten, dass es durchaus zumutbar ist, stets einen Tampon oder eine Binde mit sich zu tragen. Genau so zumutbar wäre es jedoch, immer ein paar Blätter Toilettenpapier dabei zu haben, sobald man das Haus verlässt – schließlich ist das ebenfalls kein großer Aufwand für einen hygienisch angenehmen Toilettengang. Aber ist es nicht normal, dass es auf öffentlichen Einrichtungen Toilettenpapier gibt?

Nicht mehr verlangen jene Frauen und politische Stimmen, die fordern, dass Damenhygieneartikel-Spender auf öffentlichen Toiletten eingerichtet werden: Nur, dass es normal ist, dort wo nötig, Zugriff auf Binden und Tampons zu haben. Eben weil die Periode doch mal überraschend kommen kann; stärker als erwartet, oder man eben gerade keinen Tampon mit sich führt.

Die Kostenfrage darf kein Gegenargument sein

Nicht zuletzt ist es die Hälfte der Menschheit, die monatlich blutet, und zwar für einen enorm langen Zeitraum in ihrem Leben. Für diese Hälfte gibt es beachtliche finanzielle Nachteile, angefangen bei monatlichen Besorgung von Tampons und Binden, aufgehört bei dem Kauf von kostenpflichtigen Schmerzmitteln. Nicht außer Acht zu lassen ist an dieser Stelle auch, dass noch bis Anfang 2020 Tampons und Binden mit 19 statt mit 7 Prozent versteuert wurden – diese vom Gesetzgeber also als Luxusartikel statt als Grundbedarf gewertet wurden.

Um nichts anderes geht es letztlich bei der Debatte, ob es kostenfreien Zugang zu Damenhygieneartikel auf öffentlichen Toiletten geben sollte: Um die Anerkennung eines natürlichen biologischen Prozesses, für den Frauen weder Scham und Einschränkung, noch finanzielle Benachteiligung erfahren sollten.

Über die Autorin
Geboren 1992 mitten im Ruhrgebiet (Bottrop) und aufgewachsen am Rande des Münsterlandes (Dorsten), hat es sie zum Studieren nach Bielefeld verschlagen (die Stadt gibt es wirklich ;-)). Nach beruflichen Zwischenstationen in Braunschweig, Berlin und Aachen ist sie froh, wieder zurück im Pott zu sein und Geschichten für Unna zu schreiben. Wenn sie nicht journalistisch unterwegs ist, hört sie gerne Musik, wandert im Grünen oder faulenzt mit einem guten Buch im Café.
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Vivien Nogaj

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