Der Blick auf die nächste Gehaltsabrechnung verspricht Freude: Höhere Steuergrenzen lassen unterm Strich mehr „Netto“ stehen. Für viele Unnaer stehen zudem auf der Ausgabenseite gute Nachrichten.

Unna

, 05.01.2020, 14:29 Uhr / Lesedauer: 5 min

Mehr Geld auf dem Konto auch ohne Gehaltserhöhung, das ist für die Beschäftigten in Deutschland Gesetz: Weil die Anfangsgrenzen aller Steuerstufen mit dem Jahreswechsel heraufgesetzt worden sind, bleibt unterm Strich ein höherer Betrag, der zur Auszahlung kommt. Das an sich ist eine gute Nachricht – die sich bei näherem Hinsehen als noch besser entpuppt.

Eigentlich sollen Tarifanhebungen und das Nachziehen der Steuergrenzen verhindern, dass die Geldentwertung durch Inflation den Menschen Kaufkraft nimmt. Doch so schlimm sieht es mit der Inflation gar nicht aus. Natürlich hat es jeder Mensch auch selbst in der Hand, wie er mit seinem Geld umgeht. Aber bei den „unvermeidbaren“ Ausgaben gibt es zumindest in Unna vorwiegend gute Nachrichten, wie eine Übersicht der wichtigsten Kostenpunkte für die Lebenshaltung zeigt. Die folgende Bestandsaufnahme fasst die wichtigsten Posten von A bis W zusammen.

Einkaufen, Gebühren, Energie: So viel kostet das Leben in Unna

Die Altpapiersammlung in der blauen Tonne leistet ebenfalls einen Beitrag zur Stabilisierung der Müllgebühren. Allerdings waren die Erlöse daraus zwischenzeitlich gesunken. © Hennes

Abfallgebühren

Die Kosten für die graue Mülltonne steigen in Unna – um sagenhafte 0,01 Prozent im Jahr 2020. Wie viel das im Einzelfall ist, hängt natürlich vom Aufkommen ab. Für Privathaushalte bieten die Stadtbetriebe Mülltonnen in drei Größen von 89, 120 und 240 Litern an, die wahlweise alle zwei oder alle vier Wochen geleert werden. Die Jahresgebühren reichen dabei von 75,75 bis 454,52 Euro. Die billigste Variante (80 Liter, Leerung alle vier Wochen) ist übrigens kein Alibi-Modell, sondern Unnas meist gewählte Kombination. 46 Prozent der Haushalte kommen mit diesem Restmüllvolumen aus.

Die grüne Tonne für den Biomüll wird 2020 deutlich billiger, im Durchschnitt 1,86 Prozent. Ihre Kosten berechnen sich etwas einfacher: Geleert werden diese Behälter alle 14 Tage, damit es im Sommer nicht anfängt zu riechen. Gefäßgrößen von 80, 120 und 240 Litern werden mit 71,32, 106,97 und 213,95 Euro jährlich berechnet. Und auch hier ist die kleinste Tonne die meistgenutzte: 52,22 Prozent der Haushalte in Unna kommen damit aus.

Und was ist mit blauer und gelber Tonne? Sie kosten den Verbraucher weiterhin gar nichts, weil Altpapier und Verpackungen Wertstoffe sind, deren Verwertung sogar die Gebührenkalkulation entlastet.

Einkaufen

Die Preise im Laden bestimmt zunächst der Besitzer, und der sitzt längst nicht immer in Unna. Aber auch er muss sich den Regeln des Marktes fügen, und der Wettbewerb in Unna ist in den meisten Branchen gut entwickelt. Gerade im Lebensmitteleinzelhandel nimmt das Angebot zu: Die Überplanung der Mühle Bremme wird Unna einen gänzlich neuen Edeka-Markt bringen. Für Massen gibt es weiterhin Überlegungen, einen neuen Aldi-Markt zu gründen. Darüber hinaus gibt es zurzeit Erweiterungspläne für fünf bestehende Supermärkte. Gerade die immer größeren Sortimente der Discounter sind ein Angriff auf die Marktanteile der Vollsortimenter. Gewinner ist auch der Kunde.

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Gas

Die Stadtwerke Unna haben den Gaspreis zum Jahreswechsel stabil gehalten und wollen auch während der Heizperiode des Winters 2019/20 nichts daran ändern. Allerdings sind sie auch damit noch deutlich teurer als viele Wettbewerber. Das Vergleichsportal Verivox zeigt für einen Verbrauch von 12.000 Kilowattstunden Gas (entspricht etwa 100 Quadratmetern Wohnfläche) einen Spitzenanbieter namens „Susi Gas“ an, der für diese Energielieferung 681,01 Euro berechnen würde. Die Stadtwerke verlangen auch in ihrem günstigsten Tarif noch 134,99 Euro mehr.

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Die Rechnung der Stadt kommt gegen Ende Januar mit den persönlichen Werten für alle Grundeigentümer. © Roman Grzelak

Grundsteuer

Die Grundsteuer ist faktisch eine kommunale Einwohnersteuer. Erhoben wird sie bei den Eigentümern von Wohngrundstücken. Wer seine Scholle nicht selbst bewohnt, darf diese Ausgaben auch auf seine Vermieter umlegen. Also trifft sie alle Menschen mit Wohnsitz in Unna – und zwar recht heftig. Der Hebesatz von 878 Prozent liegt heute fast doppelt so hoch wie zur Jahrtausendwende und auch im Vergleich mit anderen Kommunen an der Spitze. Insgesamt sammelt die Stadt bei ihren gut 57.000 Einwohnern 19,3 Millionen Euro jährlich ein. Für 2020 ist zumindest keine weitere Anhebung geplant: Den Haushaltplan will der Kämmerer mit Mobilisierung der letzten Reserven halten, bevor ab 2021 wieder ein großes Loch zu stopfen ist. Das ist dann aber ein Thema, mit dem sich der Stadtrat erst nach der Kommunalwahl befassen muss. Es ist ja keines, mit dem man sich beliebt machen kann.

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Vorteil der Hundesteuer: Die Tiere sind auch identifizierbar, wenn sie wie Lothar Silwesters „Jacky“ vor gut einem Jahr eine längere Runde im Freigang praktizieren. © Udo Hennes

Hundesteuer

Um es kurz zu machen: Es ändert sich nichts. Ein einzelner Hund wird von der Stadt Unna mit 108 Euro jährlich besteuert. Wer mehr Tiere hält, wird mit einem negativen Mengenrabatt belegt: Zwei Hunde kosten jeweils 120 Euro, drei und mehr Tiere pro Stück 132 Euro.

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Die Kosten der Kehrmaschine steigen leicht, machen aber für die meisten Unnaer keine große Kostenposition aus. © Marcel Drawe

Straßenreinigung

Hier gibt tatsächlich Gebührenanhebungen, die je nach Reinigungsklasse bis zu 0,96 Prozent betragen können. Der individuelle Satz hängt bei jedem Verbraucher von der Frontbreite seines Grundstücks ab und davon, wie oft die Kehrmaschine kommt. In der Fußgängerzone verlangen die Stadtbetriebe pro Frontmeter 53,79 Euro. Bei den meisten Unnaern ist die Straßenreinigung ein eher kleiner Posten unter den Kosten: In einem stillen Wohngebiet mit Reinigung alle zwei Wochen wird der Meter nur mit 1,43 Euro berechnet. Bei den meisten Unnaern wird der Rinnstein wöchentlich ausgebürstet. Dort kostet der Frontmeter 2,87 Euro pro Jahr.

Strom

Die Ausgaben für Strom sind höchst individuell, hängen vom jeweiligen Verbrauch, vom Anbieter und vom gewählten Tarif ab. Wer den Stadtwerken die Treue hält, sieht sich zumindest in einem Punkt bestätigt: Sie gehören zu den Versorgern, bei denen es zum Jahreswechsel 2019/20 keinen Preisaufschlag gegeben hat. Allerdings deuteten sie an, dass das Thema im Jahresverlauf auch bei ihnen aktuell werden könne.

Für einen Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch spuckt das Vergleichsportal Verivox zum Jahresbeginn einen Spitzenreiter namens „WattsEnergy“ aus, der dafür 1032,67 Euro in Rechnung stellt. Die Stadtwerke liegen mit ihrem günstigsten Tarif „Online-Watt plus“ aber schon auf Rang 3, gerade einmal 10,78 Euro teurer. Die 3500 Kilowattstunden Verbrauch entsprechen heute einem typischen Drei-Personen-Haushalt. Kleinere Haushalte und überzeugte Energiesparer zahlen entsprechend weniger.

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Verkehr

Mobilität kostet an verschiedenen Stellen. In der Kfz-Versicherung profitieren Unnaer von relativ geringen Regionalklassen. Bei Teil- und Vollkaskoversicherung werden im Kreis Unna deutlich seltener in Anspruch genommen als im deutschen Durchschnitt. In der Haftpflicht nähern sich die Autofahrer der Region diesem Mittelwert an: Dort sinkt die Regionalklasse nun von 8 auf 7, der deutsche Durchschnitt liegt bei 6. Wichtiger für die tatsächlichen Kosten sind allerdings die persönliche Schadenfreiheitsklasse, die Typenklasse und vermutlich auch der Versicherer.

Beim Parken in der Innenstadt zeigt sich ein Phänomen der Marktwirtschaft: Die Preisanhebung auf den Flächen der Stadt hat 2019 längst nicht so viel Geld eingespielt wie erhofft, weil Autofahrer günstigere Alternativen in Unna finden.

Nutzer von Bus und Bahn hoffen derweil darauf, dass die Mehrwehrsteuersenkung für Bahntickets tatsächlich zu einer Preissenkung führen. Rechnerisch sollten zehn Prozent Abschlag möglich sein.

Einkaufen, Gebühren, Energie: So viel kostet das Leben in Unna

Versorger Gelsenwasser verliert in Unna sein Quasi-Monopol. Stattdessen will die Stadt eine gemeinsame Gesellschaft mit ihm gründen und damit auch in die Wasserversorgung einsteigen. Was dies für die Preisentwicklung bedeutet, ist noch unklar. © Udo Hennes

Wasserwirtschaft

Das frische Wasser aus dem Hahn ist in Unna auch im überregionalen Vergleich eher günstig. Seit 2014 hat Versorger Gelsenwasser die Preise nicht erhöht. Noch offen ist, ob der Einstieg der Stadt in die Wasserversorgung im Laufe dieses Jahres die Preisstabilität infragestellt. Derzeit kostet ein Kubikmeter Frischwasser in Unna ganz präzise 1,8083 Euro. Dazu kommt dann noch die Zählergebühr von 13,64 Euro pro Jahr.

Damit allerdings ist die Wassernutzung noch nicht zu Ende: Was oben aus dem Hahn kommt, geht unten in den Abfluss. Die Stadtbetriebe verlangen daher für jeden Kubikmeter Frischwasser („Wasser gleich Abwasser“) auch einen entsprechenden Entsorgungsbeitrag für das Abwasser. Er liegt nun bei 2,69 Euro pro Kubikmeter – immerhin 1,47 Prozent niedriger als im Vorjahr. Wer sich seine Belastung ausrechnen will, nimmt am besten die tatsächlichen Werte aus seiner Wasserrechnung. Als Näherung gilt: Im Durchschnitt verbraucht ein Haushalt jährlich 45 Kubikmeter pro Bewohner.

Ein komplizierteres Thema in Unna ist die Berechnung der Gebühren für Niederschlagswasser, das von Dächern und versiegelten Flächen in die Kanalisation fließt. Im vergangenen Jahr hatten die Stadtbetriebe mit einer Luftbildauswertung ihre Datensätze aktualisiert und dabei festgestellt, dass Unna um 22 Prozent stärker zugepflastert ist als zuvor angenommen. Weil die Gesamtkosten nun auf eine größere Fläche umgelegt werden, sinkt die Gebühr pro Quadratmeter sehr deutlich um 16,8 Prozent. Gute Nachricht? Nur für die Grundbesitzer, deren Flächenangaben bislang einigermaßen korrekt waren. Wer es für sich ausrechnen will: 1,24 Euro berechnen die Stadtbetriebe jetzt pro Quadratmeter Dach- und Bodenfläche mit Kanaleinlauf.

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Wohnen

Unnas Wohnungsmarkt ist angespannt, die Leerstandsquote minimal. Die Mieten werden daher tendenziell steigen. Tatsächlich aber nehmen sie in Unna eine große Spanne ein. Und im Vergleich zu den angesagtesten Großstädten und Ballungsräumen in Deutschland sind die Mieten in Unna doch noch niedrig.

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