Das Ordnungsamt hat zwar einen Rollerfahrer erwischt, der wie hier auf diesem gestellten Symbolbild regelwidrig durch den Bornekamp gefahren ist, aber alles in allem sei es am Wochenende doch ruhig zugegangen im Naherholungsgebiet. © Udo Hennes
Coronavirus

Kontrollen im Bornekamp, aber ein Anlieger zweifelt am Ordnungsamt

Etwaigen Partytreffs im Bornekamp hat das Ordnungsamt am Wochenende mit Kontrollen nachgespürt. Die rasche Reaktion auf einen Hinweis aus der Nachbarschaft stellt den Tippgeber nur bedingt zufrieden.

Volker Viebahn lebt nur einen Steinwurf entfernt vom ersten Teich im Bornekamp. Worum ihn viele Unnaer beneiden dürften, das hat auch einige Nachteile: Ordnungsprobleme, wie sie in dem beliebten Naherholungsgebiet immer wieder vorkommen, geschehen praktisch direkt vor seiner Haustür.

Und so ist Viebahn, der sich als sachkundiger Bürger bei der Freien Liste Unna engagiert, nicht nur ein aufmerksamer Beobachter der Zustände im Bornekamp, sondern auch ein kritischer Beobachter städtischer Institutionen, vor allem der Stadtbetriebe und des Ordnungsamtes.

Viebahns Zuschriften finden dort durchaus Beachtung: Mag der Mann auch unbequem sein, so ist es für die Stadtverwaltung und deren Töchter durchaus von Wert, wenn Bürger ihre Augen und Ohren in deren Dienste stellen. Auf Viebahns Hinweis, dass es bei schönem Wetter wieder vermehrt zu „Nachtleben“ und dabei auch zu Verstößen gegen die Corona-Verordnung komme, reagierte die Stadt daher prompt: Verstärkt fuhr der Ordnungsdienst der Stadt im Bornekamp Streife.

Das Ergebnis war angenehm beruhigend, was die Sorgen vor etwaigen Coronapartys angeht: Insgesamt habe es kaum etwas zu beanstanden gegeben, heißt es aus dem Ordnungsamt. Volker Viebahn sieht das anders.

Es gab Feiergäste – aber weniger als zuvor

Zwar schätzt auch der Anlieger die Frequenz der Feiergäste am zurückliegenden Wochenende als eher niedrig ein, was nach dem Temperaturrückgang vielleicht auch erklärbar ist. Doch abgesehen davon deutet er Zweifel an der Ernsthaftigkeit an, mit der das Ordnungsamt den Kontrollen nachgegangen ist.

So protokollierte Viebahn, dass das Außendienstfahrzeug des Ordnungsamtes am Samstag dreimal bis an die Baustelle des ersten Teiches herangefahren sei. Um 18.30 Uhr, um 20.30 Uhr und noch einmal gegen 21.45 Uhr sei die Streife mit dem Auto in die Sackgasse der Bornekampstraße eingefahren, um die hellen Zusatzscheinwerfer auf dem Dach zu zeigen und wieder abzudrehen.

Nicht einmal habe man den Poller geöffnet, um die Bereiche dahinter anzufahren. „Ich weiß nicht, wie Ihre Arbeitsbesprechungen ablaufen“, schreibt Viebahn nun in einer E-Mail an die Stadt. „Das ist natürlich auch Präsenz, aber beim Bund haben wir dazu immer gesagt, wir bewegen unsere Fahrzeuge.“

Stadt: Wir kontrollieren den gesamten Bornekamp

Die Stadt weist diese Vorhaltung zurück. „Diesem Vorwurf widersprechen wir deutlich“, betont Stadtsprecher Christoph Ueberfeld. „Bisweilen nehmen wir tatsächlich auch den Poller heraus, um am ersten Teich weiterfahren zu können. Oft fahren wir aber auch einfach über den Wellingloh ein, so wie diesmal.“

Als Beleg dafür führt Ueberfeld an, dass es durchaus einige Beobachtung gegeben hat, die das Ordnungsamt in seiner Wochenendbilanz vorweisen kann. Zum Beispiel habe man einen Motorroller angehalten, der den Bereich regelwidrig befahren hat. Allerdings ändere dies nichts daran, dass die Lage im Bornekamp auch aus Sicht der Stadt eher ruhig war – was Rathaus und Anlieger damit durchaus ähnlich bewerten.

Damit will allerdings auch die Stadt keineswegs anzweifeln, dass es im Bornekamp zu Menschenansammlungen kommen kann, die in Corona-Zeiten nicht zulässig sind. Das Feiern im Freien ist ein Saisonphänomen und wetterabhängig. So wie es mit dem plötzlichen Frühlingsausbruch im Februar aufgetreten ist, so sehr hat es sich vermutlich wieder zur Ruhe gelegt mit dem Temperatursturz am Wochenende.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka
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