Python aus Versehen in Mülltonne geworfen – Unnaer rettet Tier vor der tödlichen Kälte

dzSchlange

In einer Mülltonne in Bönen wurde eine exotische Schlange gefunden. Der Königspython kam bei einem Reptilienexperten in Unna in Obhut. Inzwischen steht fest: Die „Entsorgung“ war ein Versehen.

Unna/Bönen

, 10.09.2019, 10:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Mann in Bönen warf am Montagabend seinen Hausmüll ordnungsgemäß in eine Mülltonne. Er öffnete die Tonne und fand darin eine zusammengekauerte Schlange. Der Mann verständigte die Polizei und machte ein Foto von dem Tier, um den später eintreffenden Einsatzkräften damit zu helfen. Ein hinzugezogener Schlangenexperte aus Unna identifizierte die Schlange als Königspython. Der Fachmann Daniel Hußmann bot an, das Tier einzufangen, lehnte aber aufgrund geltender Bestimmungen zunächst ab, die Schlange weiter zu versorgen und in Obhut zu nehmen. Da bei den kalten Temperaturen eine artgerechte Unterbringung nicht möglich war, ordnete das Ordnungsamt der Stadt Bönen aber an, dass der Unnaer das Tier an sich nehmen darf. „Die Alternative wäre gewesen, dass die Schlange in eine kalte Lagerhalle am Bauhof kommt“, erklärte Hußmann im Gespräch mit unserer Redaktion.

Python aus Versehen in Mülltonne geworfen – Unnaer rettet Tier vor der tödlichen Kälte

Ein Königspython wurde in Bönen in einer Mülltonne gefunden. Das Tier ist in Unna bei einem Fachmann in Obhut. © Privat

Eine Nacht in der Kälte wäre tödlich gewesen

Die ursprünglich aus Afrika stammenden Schlangen fühlten sich bei einer dauerhaften Umgebungstemperatur von 30 Grad richtig wohl. Auch nachts müsse es durchgehend ausreichend warm sein, damit es den wechselwarmen Tieren gut geht. Entsprechend unterkühlt war die Schlange, als sie am Montagabend in Bönen gefunden wurde, berichtet Hußmann. „Heute Morgen wäre sie schon tot gewesen.“ In seiner Obhut konnte sich der Python inzwischen gut erholen. „Das Tier ist fit und kriecht herum“, berichtet er. Auch gebe es keine Anzeichen, dass die Schlange zuvor vernachlässigt wurde. Der Python wirke gut genährt.

Entwischte Schlange verkroch sich im Müll

Der Unnaer hält seit über zehn Jahren Schlangen als Hobby, darunter auch Königspythons wie den nun gefundenen. Wer sich lange und intensiv mit solchen Tieren beschäftigt, eignet sich umfangreiches Fachwissen an.

Python aus Versehen in Mülltonne geworfen – Unnaer rettet Tier vor der tödlichen Kälte

© picture alliance/dpa


Königspython

Eine kleine, ungiftige Würgeschlange

  • Der Königspython gehört zu den Würgeschlangen. Diese töten ihre Beutetiere, indem sie sie mit ihrem muskulösen Körper ersticken. Sie sind daher ungiftig.
  • Königspythons gelten als ungefährlich für Menschen. Sie werden in der Regel höchstens 1,50 Meter lang bei einem Gewicht von zwei bis drei Kilogramm. Das Tier aus Bönen misst nur 30 bis 40 Zentimeter.

So war es nicht das erste Mal, dass die Polizei den Mann um Hilfe bat, wenn es um das Einfangen eines Reptils ging.

Er zeigte sich am Dienstagmittag erleichtert, als er schließlich erfuhr: Das Tier wurde nicht absichtlich in die Mülltonne geworfen, um es loszuwerden. Die Schlange sei seiner Besitzerin entwischt. Das Tier habe sich wohl aus seiner Behausung befreit. „Man findet die Tiere dann nicht, weil sie sich verkriechen“, sagt der Fachmann. Das Patentrezept sei: die Zimmertür schließen, und irgendwann taucht die Schlange wieder auf. „Dummerweise hatte sie sich im Mülleimer verkrochen.“ So habe die Halterin ihren Python aus Versehen mit dem Hausmüll in die Tonne geworfen. Die Bönenerin werde ihre Schlange wieder bei ihm abholen, sagt der Unnaer.

Doch kein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz

Die Polizei bestätigt das Versehen der 27-jährigen Bönenerin. Die Beamten hatten zwischenzeitlich den Verdacht gehegt, dass jemand die Schlange absichtlich in den Müll geworfen hatte. Das wäre ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, entsprechend stand zunächst eine Anzeige im Raum. Diese war letztlich hinfällig.

Es gibt Fälle, in denen Tiere weggeworfen werden, wenn ihre Halter sie nicht mehr haben wollen. So etwas kann Daniel Hußmann überhaupt nicht nachvollziehen. „Es macht mich traurig, wenn jemand ein Tier so behandelt“, sagt der Unnaer. „Das wirft auch ein schlechtes Licht auf unser Hobby.“ Er ist froh, dass die meisten Reptilienhalter verantwortungsvoll mit ihren Tieren umgehen. Deswegen bedaure er es, wenn durch aufsehenerregende Vorfälle wie den um eine Giftschlange in Herne sein Hobby in Verruf gerate.

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