Die Königsbornerin Nicole Hartmann am Café Bistro im Park: Über Jahre hat sie die Gaststätte geleitet. Dass man im Kurpark nun nirgends mehr einkehren kann, bedauert sie sehr. © Marcel Drawe
Stadtteilcheck

Königsborn: Ein Nahversorgungsparadies, dem die Gastronomie fehlt

In Unnas nördlichem Stadtteil fühlt Nicole Hartmann sich einfach wohl. Sie schätzt die zentrale Lage, die gute Nahversorgung und ihre tägliche Auszeit im Kurpark. Nur das gastronomische Angebot fehlt.

Nicole Hartmann lebt gerne in Königsborn. Sie ist hier geboren, aufgewachsen und seit jeher fest verwurzelt. Das liegt nicht nur daran, dass sie über Jahre das Café Bistro im Kurpark geführt hat, sondern auch an den offenen Menschen, denen sie hier tagtäglich begegnet: „Egal wo man in Königsborn wohnt, die Menschen sind herzlich, zugewandt und interessiert. Man kennt sich – oder man lernt sich eben kennen. Auch nach vielen Jahren noch.“

Besonders wohl fühlt sich Hartmann im Kurpark. Alleine wegen Hund „Honey“ ist die Königsbornerin hier mehrfach am Tag zugegen, aber auch für sich selbst nutzt sie die grüne Oase als Ort der Erholung: „Zwei Stunden am Abend bin ich mindestens hier. Mich gibt’s nicht ohne den Kurpark“, sagt sie. „Das weiß auch mein Mann.“

Täglich ist die Königsbornerin Nicole Hartmann mit Hund Honey im Kurpark unterwegs. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Aber nicht nur wegen der ausgezeichneten Grünfläche biete Königsborn eine hohe Lebensqualität, auch die kurzen Wege und eine optimale Nahversorgung tragen laut Hartmann dazu bei: „In die Innenstadt laufe ich nur etwa zwei Mal im Jahr, sonst bin ich gar nicht darauf angewiesen.“ Einkaufsmöglichkeiten gebe es in Königsborn nämlich genug; Anbieter von Dienstleistungen des täglichen Bedarfs wie Friseur, Post, Tankstellen und Apotheken seien ebenfalls ausreichend vorhanden.

Die Wertschätzung der guten Nahversorgung in Königsborn zeigt sich auch in der allgemeinen Auswertung unseres Stadtteilchecks: Der nördliche Stadtteil von Unna liegt in dieser Kategorie mit 8,3 von 10 möglichen Punkten über dem stadtweiten Durchschnitt von 7,9 Punkten. Zwar ist unsere Befragung nicht repräsentativ, dennoch kann sie einen Eindruck davon vermitteln, was die Bewohner eines jeweiligen Stadtteils wertschätzen, vermissen oder kritisieren. (Bei der Auswertung haben wir Königsborn und Afferde zusammengefasst.)

Das wurde noch positiv bewertet

Ebenso besser als der stadtweite Durschnitt hat Königsborn in puncto Wohnen abgeschnitten: Hier liegt Königsborn auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) immerhin bei 6,1 Punkten. Nicht zuletzt dürften neue Projekte wie das Parkquartier Königsborn, bei dem barrierefreie Wohn- und Pflegeangebote für unterschiedliche Zielgruppen öffentlich gefördert werden, dazu beigetragen haben, dass sich die Wohnsituation im Stadtteil verbessert hat. Positiv bewertet von den Königsbornen wurden zudem die Punkte Verkehrsanbindung und Seelsorge.

Das wurde negativ bewertet

Weit zurück im stadtweiten Durchschnitt liegt Königsborn hingegen in puncto Sauberkeit. Lediglich 4,9 von 10 möglichen Punkten weist der Stadtteil auf. Der Rest der Stadtteile liegt bei durchschnittlich 6,8 Punkten. Nicole Hartmann möchte das aber nicht pauschalisieren: „Natürlich gibt es hier - wie überall - Ecken, die sauberer und weniger sauber sind. Allerdings ist es im Kurpark mit der Tätigkeit von Michael Witthüser als Kurparkkümmerer deutlich besser geworden.“ Dennoch ärgert sich Nicole Hartmann ebenfalls über zertretene Zigarettenstummel auf dem Boden oder Hundekot am Wegesrand - und das, obwohl sie selbst Raucherin und Hundebesitzerin ist: „Man muss die Hinterlassenschaften einfach hinter sich wegräumen, das ist ja nicht so schwer“, sagt sie.

Im Bereich der Gastronomie liegt Königsborn ebenfalls hinter dem stadtweiten Durchschnitt. Ein Punkt, dem Hartmann direkt beipflichten kann. Sie selbst hat das gastronomische Angebot in Königsborn mit einem Punkt als „sehr schlecht“ bewertet. Dazu sagt sie: „Es fehlt hier eindeutig an Cafés, Restaurants und Kneipen. Ich würde hier gerne mal ein Bier trinken gehen, aber das ist kaum noch möglich.“ Besonders seitdem sie das Café Bistro im Park nicht mehr betreibt, fehle etwas: „Es schmerzt mich, zu sehen, dass diese Gaststätte nach unserem Abschied so verfällt“, sagt sie. Im Kurpark kann man nun nirgends mehr einkehren.“ Und auch mit dem Café zur alten Post fehle am Königsborner Marktplatz ein nettes Lokal zum Verweilen. „Nur noch der Spiegel ist jetzt dort“, sagt sie. „Sonst ist alles zu.“

Sicherheitsprobleme in Königsborn

In puncto Sicherheit liegt Königborn mit 5,5 Punkten ebenfalls einen Punkt hinter dem stadtweiten Durchschnitt: Die Brandstiftung an der Tennishalle im Kurpark, der Raubüberfall an der Platanenallee, die Automatensprengung am Königsborner Bahnhof - die jüngsten Ereignisse hätten dazu beigetragen, dass auch Hartmann sich in den Nachtzeiten nicht mehr alleine raustraut. Sie hat nur 3 Punkte für die Rubrik Sicherheit in Königsborn vergeben. „Aber man muss nachts ja auch nicht auf die Straße gehen“, sagt sie. „Tagsüber und abends fühle ich mich sicher.“

Da der Kurpark-Überweg an der Luisenstraße häufig von schwächeren Verkehrsteilnehmern genutzt wird, würde sich Nicole Hartmann wünschen, dass die Luisenstraße eine Fahrradstraße wird. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

In der Rubrik Verkehrsbelastung gibt es im Durchschnitt ebenfalls nur 5,5 Punkte für Königsborn: „Wenn man an den Hauptstraßen wie der Friedrich-Ebertstraße oder der Hammer Straße wohnt, dann ist die Verkehrsbelastung natürlich schon hoch“, sagt Hartmann. „Viele Menschen nutzen die Hauptstraßen, um von A nach B zu kommen. Dafür bräuchten wir eine Umgehungsstraße“, sagt sie. Zwar sei es über den Afferder Weg möglich, an Königsborn vorbeizufahren, jedoch werde diese Möglichkeit von den wenigsten Menschen genutzt: „Die Hauptstraßen sind eher das Mittel der Wahl“, so Hartmann. „Aber dafür sind sie ja auch da.“ Immerhin sei mit der Platanenallee eine Fahrradstraße in Königsborn vorhanden; selbiges würde sich Hartmann nun auch für die Luisenstraße wünschen, die die beiden Teile des Kurparks miteinander verbindet: „Hier flitzen auch mal kleine Kinder über den Überweg, da sollten die Fahrradfahrer schon Vorrang haben“, findet sie.

Trotz einiger Verbesserungsvorschläge und einer Lebensqualität, die im allgemeinen Vergleich hinter den anderen Stadtteilen Unnas liegt, würde Nicole Hartmann niemals aus Königsborn wegziehen wollen: „Hier fühle ich mich einfach wohl“, sagt sie. „Und das schon ein Leben lang.“

Über die Autorin
Geboren 1992 mitten im Ruhrgebiet (Bottrop) und aufgewachsen am Rande des Münsterlandes (Dorsten), hat es sie zum Studieren nach Bielefeld verschlagen (die Stadt gibt es wirklich ;-)). Nach beruflichen Zwischenstationen in Braunschweig, Berlin und Aachen ist sie froh, wieder zurück im Pott zu sein und Geschichten für Unna zu schreiben. Wenn sie nicht journalistisch unterwegs ist, hört sie gerne Musik, wandert im Grünen oder faulenzt mit einem guten Buch im Café.
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Vivien Nogaj

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