Ein Buntspecht, hier im Bild ein Männchen, wurde im Bornekamp in Unna mit einer Hacke erschlagen. Die Polizei ermittelt wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. © picture alliance
Polizei ermittelt

Klopfender Buntspecht in Unna mit einer Hacke erschlagen

Es ist eine grausame Vorstellung: Ein Buntspecht, der auf Totholz herumklopft, wird mit einer Hacke erschlagen. Genau das soll sich im Bornekamp ereignet haben. Die Polizei ermittelt.

Der Bornekamp ist nicht nur ein beliebter Erholungsraum für die Unnaer, sondern auch ein Rückzugsort für die Tierwelt. Zwitschernde Vögel bringen die Menschen zum Lächeln. Doch es gibt offenbar auch Menschen, die es nicht gut meinen mit der heimischen Tierwelt.

In einer E-Mail, die auch der Polizei und dem Ordnungsamt der Stadt Unna vorliegt, schildert Volker Viebahn einen grausamen Fall. An einem abgestorbenen Baumstamm südlich der B1-Brücke wurde ein Buntspecht mit einer Hacke erschlagen. Das Gartengerät steckt noch im Baum, ebenso ein Teil des Kadavers – etwa in 1,80 Meter Höhe.

„Einfach nur grausam und widerlich. Das muss man erst einmal verarbeiten.“

Volker Viebahn

„Wer das macht, muss ja auf der Lauer gelegen haben“, wundert sich Viebahn, dass der oder die Täter den Vogel überhaupt erwischt haben. „Ich liebe die Natur und die Tiere. Ich kann nicht verstehen, wie manche Menschen ticken“, sagt Viebahn. „Einfach nur grausam und widerlich. Das muss man erst einmal verarbeiten“, gehen ihm die Bilder nicht so leicht aus dem Kopf.

Tat liegt offenbar schon etwas länger zurück

Er selbst wurde am Freitag auf die Tat aufmerksam gemacht, die im Zuge von Baumschnittarbeiten auffiel. „Das muss schon etwas länger her sein, der Kadaver ist nicht mehr frisch“, weiß Viebahn.

Die Kreispolizeibehörde Unna bestätigte am Montag, dass ihr eine E-Mail vorliegt. „Der Fall wird an das zuständige Kommissariat weitergeleitet, das Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz aufnehmen wird“, sagt Polizeisprecher Christian Stein. Für weitere Aussagen sei es noch zu früh.

Ohnehin scheint es fast unmöglich, Täter ausfindig machen zu können. Zum einen lässt sich der Tatzeitraum kaum eingrenzen, zum anderen sind zumindest Volker Viebahn bislang keine Zeugen bekannt.

Der Buntspecht

Nicht akut bedroht

Der Buntspecht (Dendrocopos major) ist einer von neun heimischen Vertretern der Familie der Spechte. Als häufigste und am weitesten verbreitete Spechtart in Mitteleuropa ist er nicht akut bedroht, wie viele andere Spechtarten jedoch durch den Rückgang naturnaher Wälder langfristig gefährdet. Lebensräume wie der Bornekamp sind für ihn wertvoll, weil er insbesondere im Totholz viel Nahrung findet. 1997 war der Buntspecht „Vogel des Jahres“.

Vandalismus im Naherholungsgebiet

Der Anwohner des Bornekamps bittet Ordnungsamt und Polizei immer wieder um häufigere Kontrollen in dem Naherholungsgebiet. Vandalismus, wie er am Wochenende auch an der Martinstraße bekannt wurde, sei an der Tagesordnung. Dazu gehört auch, dass Absperrgitter der Baustelle am Bornekampteich umgeworfen werden.

Der tödliche Angriff auf den Specht aber ist ein neuer, trauriger Höhepunkt. „Spechte fühlen sich hier wohl, denn sie finden im Totholz ihre Nahrung und eigentlich auch genug Verstecke“, hofft Volker Viebahn, dass die Artgenossen des getöteten Tieres scheuer sind – selbst, wenn sie sich dann nicht mehr so gut beobachten lassen.

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