Für sein Mobilitätsmanagement ist der Katholische Hospitalverbund Hellweg jetzt mit der Klimaschutzflagge ausgezeichnet worden. Die Maßnahmen wirken weit darüber hinaus.

Unna

, 16.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Klimaschutzflagge weht jetzt vor dem Katharinen-Hospital in Unna. Sie ist das sichtbare Zeichen dafür, dass der Katholische Hospitalverbund Hellweg einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Das Mobilitätsmanagement, für das es die Auszeichnung der LAG Agenda 21 und des Kreises Unna gab, kann aber viel mehr.

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Als das Mobilitätsmanagement angestoßen wurde, ging es vorrangig (noch) nicht um den Klimaschutz. Befragungen in der Mitarbeiterschaft hatten ergeben, dass den Beschäftigten vor allem Parkplätze fehlten. In der Innenstadt gab es schon vor mehreren Jahren zu wenig Möglichkeiten, Autos über eine längere Zeit kostengünstig abzustellen.

Ein Reflex auf das Umfrageergebnis hätte sein können, über neue Parkplätze nachzudenken. Der Hospitalverbund ging einen anderen Weg. Alternativen zum Auto sollten für die Mitarbeiter attraktiver werden. Steigen viele Mitarbeiter auf andere Verkehrsmittel um, so die Intention, entspannt das auch die Parkplatzsituation.

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Den Klimaschutz hatte der Hospitalverbund dabei aber ebenso im Auge – und wohl auch, dass Mitarbeiter, die mit dem Fahrrad kommen und sich sportlich betätigen, auch gesünder leben. Aber würden auch viele Mitarbeiter den Umstieg wagen? Erste Auswertungen ergaben, dass das Potenzial da war: Etwa ein Drittel der Beschäftigten wohnt im Umkreis von zehn Kilometern zum Arbeitsort.

Der Hospitalverbund hat in der Folge eine ganze Reihe von Maßnahmen entwickelt, die bei den Mitarbeitern gut ankommen. Sie sind aber mehr als ein Angebot, macht Christian Larisch, Geschäftsführer des Katharinen-Hospitals, deutlich: „Gemeinsam mit der Mitarbeitervertretung wurde eine Dienstvereinbarung entwickelt.“

Gut fürs Image

Das Konzept ist nicht nur vielfältig, es trägt auch zu einem guten Image des Hospitalverbundes bei. Angesichts des Fachkräftemangels und des sich immer weiter verändernden Ausbildungsmarktes ist das durchaus von Bedeutung. Nicht erst seit Greta Thunberg hinterfragen junge Menschen, wie klimabewusst und nachhaltig ein Unternehmen ist.

Jobticket vor allem in Unna gefragt

Der Hospitalverbund setzt etwa auf den Öffentlichen Personennahverkehr. Das Jobticket bietet eine Möglichkeit, Busse und Bahnen attraktiver zu machen. Der Hospitalverbund, der seine sechs Einrichtungen in den Kreisen Unna und Soest hat, würde es begrüßen, wenn die Jobticket-Bedingungen in beiden Kreisen gleich wären und das Ticket problemlos auch über Kreisgrenzen hinweg zu nutzen wäre.

Dennoch: Auch jetzt wird das Ticket schon umfangreich genutzt, vor allem von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiten des Katharinen-Hospitals. Etwa 70 nutzen es im Hospitalverbund, etwa 60 davon arbeiten im Katharinen-Hospital.

Attraktives E-Bike-Leasing

Auf großes Interesse in der Belegschaft stößt das Thema E-Bike-Leasing: Etwa 150 Angestellte nutzen es schon, 100 davon arbeiten im Katharinen-Hospital, erklärt David Schilling, Leitung Talentmanagement/Fort- und Weiterbildung im Hospitalverbund. Er ist sozusagen der Projektmanager des Mobilitätsmanagements im Hospitalverbund.

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Die Strecken, die die Mitarbeiter dabei zurücklegen, sind durchaus beachtlich. Einer radelt etwa aus Balve nach Unna zum Dienst, andere kommen etwa aus Iserlohn. Und natürlich sind die geleasten Räder auch privat im Gebrauch. Kommt ein Mitarbeiter mit dem Rad zur arbeit, so kann er im Katharinen-Hospital auch duschen, falls er ins Schwitzen geraten ist.

In der Tiefgarage des Katharinen-Hospitals gibt es nicht nur 80 Stellplätze für Fahrräder, sondern auch eine Ladestation für E-Bikes.

In der Tiefgarage des Katharinen-Hospitals gibt es nicht nur 80 Stellplätze für Fahrräder, sondern auch eine Ladestation für E-Bikes. © Thomas Raulf

80 Fahrradplätze alleine in der Unnaer Tiefgarage

Damit das Radfahren attraktiv wird, brauchen Mitarbeiter aber auch Plätze, an denen sie ihre Drahtesel gut und sicher abstellen können. Allein in der Tiefgarage im Katharinen-Hospital stehen 80 Parkplätze für Fahrräder zur Verfügung. Dort sind auch Ladestationen für E-Bikes vorhanden. „Im Hospitalverbund schaffen wir ca. 200 Fahrradabstellplätze“, erklärt Schilling.

Privates Interesse an E-Flotte

Apropos E-Mobilität: Der Hospitalverbund plant auch, seine inzwischen sieben Elektroautos seinen Mitarbeitern privat zur Verfügung zu stellen. Nachfragen gebe es viele, sagt Schilling. Aber: „Die Privatfahrten haben wir noch nicht umgesetzt. Hintergrund der Verzögerung sind steuerliche Themen, die aktuell noch geklärt werden.“

Die E-Flotte trägt aber ohnehin zum Klimaschutz bei. Die Fahrzeuge werden etwa genutzt, wenn Fahrten zwischen den einzelnen Standorten des Hospitalverbundes durchgeführt werden müssen. Auch andere Dienstfahrten legen die Mitarbeiter mit den E-Autos zurück.

Tool für Fahrgemeinschaften

Eine andere Idee klingt gut, die Resonanz ist aber mau: In einem Pilotprojekt wurde ein Tool zur Bildung von Fahrgemeinschaften entwickelt. „Leider hat sich seit Einführung des Tools bei den Kolleginnen und Kollegen keine allzu große Bereitschaft gezeigt, an dem Portal teilzunehmen“, erklärt Schilling und sieht auch einen möglichen Grund dafür: „Vermutlich liegt dies unter anderem an den sehr unterschiedlichen Dienstzeiten der Kollegen.“ Das System ruhe derzeit. „Vielleicht greifen wir dies noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt auf“, sagt Schilling.

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