Darum macht das Schicksal des Herz-Jesu-Turms viele Menschen in Königsborn so traurig

dzKirchturm in Königsborn

Die Kirche bleibt, und auch die Glocken von Herz Jesu sollen irgendwann wieder läuten. Und doch: Wenn der Kirchturm wirklich einmal abgerissen wird, verschwindet ein Stück Königsborn.

Königsborn

, 15.08.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Aus Opfern der ganzen Gemeinde errichtet“, so titelte der Hellweger Anzeiger am 9. September 1963 auf seiner ersten Lokalseite. In der damals für heutige Verhältnisse etwas blumigen Sprache berichtete die Redaktion über einen „festlich-feierlichen Tag für die ganze Gemeinde der Herz-Jesu-Kirche in Königsborn“. Anlass war die Grundsteinweihe für den neuen Glockenturm, der nach Jahren der Vorplanung 1963 errichtet wurde.

Darum macht das Schicksal des Herz-Jesu-Turms viele Menschen in Königsborn so traurig

Alte Zeitungsartikel zeugen davon, welchen Stellenwert der Kirchturm der Herz-Jesu-Kirche damals für die Menschen hatte. © Archiv HA

Gegossen in einem Arbeitsgang, Tag und Nacht

Heute ist die Fassade des Turms so marode, dass das Läuten der Glocken weitere Schäden verursachen würde. Deswegen ist das Geläut wie berichtet inzwischen stumm. Der Turm muss aufwendig saniert oder abgerissen werden. Dass es einmal so weit kommen würde, damit hätten die damaligen Verantwortlichen der Herz-Jesu-Gemeinde wohl nicht gerechnet. Vermutlich waren sie eher davon ausgegangen, etwas „für die Ewigkeit“ zu schaffen.

In Berichten über den Turmbau war von einer „in Unna noch nicht durchgeführten Bauweise“ die Rede, wie im Juli in der Unnaer Zeitung zu lesen war: Hochwertiger Beton musste in einem einzigen Arbeitsgang verarbeitet werden. Tag und Nacht waren die Bauarbeiter neben der Herz-Jesu-Kirche am Werk, um den Turm sozusagen in einem Guss innerhalb von nur acht Tagen hochzuziehen.

Danach wurde der Glockenturm mit Ziegelsteinen verklinkert - „genau wie die Herz-Jesu-Kirche“. Der Turm entstand unabhängig von der Kirche, die 60 Jahre zuvor erbaut worden war. Turm und Gotteshaus aber bildeten „eine architektonische Einheit“, wie es damals hieß. Heute werden die beiden Gebäude getrennt voneinander betrachtet und bewertet. Die Überlegungen, den Turm zu sanieren oder - noch wahrscheinlicher - abzureißen, beziehen sich nur auf den Turm.

Königsborner gaben ihre Ersparnisse für den Turm

Immer wieder gibt es Erwähnungen der Opfer, die die Königsborner Gemeinde für den Turm erbracht hatte. Die ganze Gemeinde habe „mit Eifer gespart und gespendet“. Und später noch einmal: „Mit Stolz schauen die Königsborner beim Bau ihres so lange ersehnten und eifrig zusammengesparten Kirchturms zu.“

Viele Bürger hätten sogar ihre Bausparverträge aufgelöst, um das Projekt zu unterstützen, so Josef Lunghard. Er ist seit 60 Jahren Pfarrmitglied und nicht nur Zeitzeuge des Kirchturmbaus. Er war auch lange engagiert in der Gemeinde, unter anderem im Kirchenvorstand. In Schreiben an die heutige Pfarreileitung und das Erzbistum Paderborn erinnert er daran, dass der Kirchturm ein Werk der Königsborner war.

Menschen aller Art, ob reich oder arm, hätten dazu beigetragen, dass der Turm gebaut werden konnte. Vieles sei in Eigenhilfe der Katholiken in Königsborn geschehen. Lunghard berichtet, dass Pfarrer Beverungen, der den Turm 1963 einweihte, aus seinem Privatvermögen 50.000 D-Mark für den Bau zur Verfügung gestellt hatte. Das habe sich nach dessen Tod herausgestellt.

Darum macht das Schicksal des Herz-Jesu-Turms viele Menschen in Königsborn so traurig

Dieses Bild erschien am 9. September 1963. Es zeigt Pfarrer Beverungen (r.) und Vikar Siever bei der Grundsteinweihe im Rahmen einer Feier mit der Gemeinde. © Archiv HA

Pfarrmitglied: Viele sind enttäuscht

Der Kirchturm wurde von der damaligen Pfarrgemeinde Herz Jesu errichtet. Über seine Zukunft aber entscheiden nun die Leitungsgremien der Pfarrei St. Katharina, zu der Herz Jesu inzwischen gehört. In Abstimmungen wirken Königsborner Katholiken mit, aber eben nicht nur. „Viele Katholiken der ehemaligen selbstständigen Herz-Jesu-Gemeinde sind über das Verhalten mancher Mitglieder des Kirchenvorstands und der Bistumsverwaltung sehr enttäuscht“, so Lunghard. In einer Trendabstimmung von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat hatte es ein knappes Votum für den Abriss gegeben - mit 13 zu zwölf Stimmen. Für das Glockenläuten sollen „Alternativlösungen“ gesucht werden. Vermutlich wird erwogen, die Glocken zu erhalten und in ein einfacheres Bauwerk einzusetzen. In anderen Gemeinden wurde schon so verfahren.

Lunghard hat vorgeschlagen, den Turm mit einer günstigeren Variante zu sanieren, statt ihn abzureißen. Das Bistum aber hat erklärt, dass eine Teilsanierung nicht infrage komme. Letztlich geht es um die Abwägung zwischen dem Nutzen des Gebäudes und dem finanziellen Aufwand. Für die Sanierung müsste die Pfarrei rund 300.000 Euro bezahlen. Den günstigeren Abriss würde das Erzbistum komplett bezahlen.

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