Das Gerüst an der Stadtkirche nimmt Formen an: Zwölf Stockwerke misst die Konstruktion bereits. Am Dienstag gab es eine Schrecksekunde, als ein Eisenträger auf den Bauzaun stürzte.

Unna

, 07.11.2018, 11:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einige Meter lang und mehrere 100 Kilogramm schwer sind die Streben, die in einer Höhe von gut 40 Metern die Basis für eine Art „Zwischenboden“ des Gerüsts bilden, das derzeit an der Fassade der Stadtkirche aufgebaut wird. Eine der kleineren Streben mit einer Länge von zwei Metern ist am Dienstag aus dieser Höhe auf den Bauzaun vor dem Eine-Welt-Laden gestürzt.

„Die Strebe wurde gerade mit dem Kran hochgezogen und ist dabei gegen eine andere Strebe gestoßen, die bereits auf dem Gerüst lag“, erklärt Kirchenkreis-Sprecher Dietrich Schneider auf Anfrage unserer Redaktion. Dadurch kam es zum Sturz der Strebe auf den Kirchplatz.

Unnas Kirchturm verschwindet hinter einem Baugerüst

Der Eisenträger beschädigte eine der Lampen auf dem Kirchplatz und Teile des Pflasters. © Anna Gemünd

Dabei wurden eine Laterne und Teile des Pflasters zerstört sowie der Bauzaun eingedrückt. Glücklicherweise befanden sich zum Zeitpunkt des Absturzes keine Menschen in der Nähe des Bauzaunes. „Wir haben den Sicherheitszaun daraufhin ausgeweitet, sodass der Durchgang vom Martin-Luther-Haus und dem Eine-Welt-Laden zur Bahnhofstraße nicht möglich war“, sagt Schneider.

Zwei Spendenkonten

Unterstützung für die Sanierung

Der Evangelische Kirchenkreis Unna hat zwei Spendenkonten eingerichtet, auf das mit dem Verwendungszweck „Stadtkirche“ Spenden eingezahlt werden können. Spendenquittungen werden auf Wunsch gerne ausgestellt:
  • Sparkasse Unna: IBAN DE27 4435 0060 1000 4233 82
  • Volksbank Unna: IBAN DE73 4416 0014 6459 8902 01

Diese Regelung werde nun während der andauernden Kranarbeiten gelten. „Solange noch Streben nach oben transportiert werden müssen, werden wir den Kirchplatz großräumiger absperren, um jegliche Gefahr auszuschließen“, so Schneider. „Aber die Kranarbeiten sollen im Laufe des Mittwochs abgeschlossen sein.“

Derzeit werden die Eisenträger für den Zwischenboden des Gerüsts auf der nordöstlichen Seite der Kirche mit dem Kran nach oben befördert. Sobald auch diese Streben gesetzt sind, wird der Kran nicht mehr benötigt. „Die Materialien für das normale Gerüst können dann wieder mit dem Lastenaufzug nach oben transportiert werden“, erklärt Schneider.

Der Bau des Gerüsts an der maroden Fassade der Stadtkirche ist eine Herausforderung: Bis zu 45 Meter hoch wird das Gerüst reichen, wenn es seine Endhöhe im Bereich der Balustradenbrüstung erreicht hat. „Das entspricht dann etwa einem 20-stöckigem Haus“, sagt Dietrich Schneider.

Unnas Kirchturm verschwindet hinter einem Baugerüst

Der Bau des Gerüsts ist eine Herausforderung für die Bauarbeiter. Bis zu 45 Meter hoch reicht das Gerüst in seiner Endhöhe. © UDO HENNES

Schon jetzt sind die Ausmaße des Gerüsts gut erkennbar: Über die gesamte Fassade ziehen sich die Balken, Netze und Holzbohlen. In Höhe des Glockenraumes wurden Anfang der Woche Zwischenböden angelegt, die das Gewicht auf dem Gerüst besser verteilen sollen. Verankert ist das Gerüst sowohl im Boden als auch in der Wand der Stadtkirche selbst. „Das ist kein Problem, weil die Steine in der Tiefe ja in Ordnung sind und nur außen bröckelig“, erklärt der Kirchenkreissprecher. Die Löcher würden anschließend wieder verfüllt.

In zwei bis drei Wochen soll das Gerüst in Gänze fertig gebaut sein. Dann wird der Anblick der Stadtkirche durchaus an ein Kunstwerk des Verhüllungskünstlers Christo erinnern: „Das Gerüst erhält rundherum Planen, Folie und Netze, damit nichts herunterfallen kann“, erklärt Schneider. Und auch die restlichen drei Fialen sowie die Wasserspeier am Turmbalkon bekommen besonderen Schutz: Sie werden mit eine Art kleinem Häuschen überbaut, um für den Winter gerüstet zu sein.

Unnas Kirchturm verschwindet hinter einem Baugerüst

Verankert ist das Gerüst nicht nur im Boden, sondern auch in der Fassade der Stadtkirche. © UDO HENNES

Die verhüllte Stadtkirche wird dann ein Bild sein, an das sich die Unnaer auf längere Zeit werden gewöhnen müssen. „Das wird nicht im Frühjahr wieder abgebaut werden“, deutet Schneider an, dass die Arbeiten an der Fassade viel Zeit in Anspruch nehmen werden. In einem ersten Schritt werden die Fachleute damit beginnen, die losen Teile der Fassade abzutragen.

Bis die beim Sturm im Januar abgebrochene vierte Fiale durch einen Nachbau ersetzt wird, könnte es auch länger als erwartet dauern. „Die beauftragten Steinmetze suchen schon sehr lange nach einem Steinbruch, der ihnen ein Stein in der benötigten Größe liefern kann“, erklärt Dietrich Schneider.

Denn Sandstein in der Größe zu bekommen, den die Fiale erfordert, ist heute nicht mehr so leicht. Sechs Meter Sandstein am Stück werden für die Fiale benötigt - solche großen Blöcke werden heute kaum mehr geschnitten.

Dass im Zuge des höher wachsenden Gerüsts auch die Beleuchtung der Stadtkirche ausgeschaltet werden musste, ist nicht zu übersehen. Aber auch akustisch sind die Veränderungen an der Stadtkirche spürbar: „Die große Glocke schlägt nicht mehr, weil die Erschütterungen auf dem Gerüst spürbar wären“, sagt Schneider. Erst im Juli war die Glocke zum ersten Mal nach dem Sturm wieder erklungen.

Unnas Kirchturm verschwindet hinter einem Baugerüst

Wieder im gewohnten Anblick: Die Arbeiten in der Stadtkirche sind bis auf letzte Reste abgeschlossen, es sieht wieder aus wie vor dem Sturmschaden. © Dietrich Schneider/Ev. Kirchenkreis

Im Innern der Kirche sind die letzten Arbeiten nach der Wiederherstellung des zerstörten Gewölbes dagegen nahezu abgeschlossen. Auch die Orgel wird wieder ausgepackt. Sie muss jedoch noch auf ihren ersten Einsatz bis Ende Februar warten. Die achtwöchigen Reinigungsarbeit beginnen nach der Weihnachtszeit, in der eine elektronische Orgel die Gottesdienste begleiten wird.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Gerüstbau an der Stadtkirche Unna

Um die Fassade genauer untersuchen zu können und um zu verhindern, dass lose Steine unkontrolliert herabstürzen, wird der Turm der Stadtkirche Unna komplett eingerüstet.
07.11.2018
/
Das Gerüst wird rund um den Turm aufgebaut.© UDO HENNES
Die Stockwerke des Gerüsts sind auch in den Wandsteinen der Kirche befestigt.© UDO HENNES
Mit mehreren großen Eisenträgern wurden Zwischenböden angelegt, die das Gewicht besser verteilen sollen.© UDO HENNES
Die schweren Streben befinden sich unterhalb des Glockenraumes.© UDO HENNES
Das Gerüst wird später komplett mit einer Folie beziehungsweise einem Netz eingehüllt.© UDO HENNES
Ein Lastenaufzug bringt die Bauteile des Gerüsts nach oben.© UDO HENNES
Von dem Gerüst aus sollen die losen Teile der Fassade abgetragen werden.© UDO HENNES
Für die Montage der schweren Eisenträger war der Einsatz eines Spezialkrans notwendig.© UDO HENNES

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Vater-Kind-Tag
Väter und Kinder basteln Boote aus Luftpolsterfolie mit speziellem Luftballonantrieb
Hellweger Anzeiger Neujahrsempfang
Grüne Bürgermeisterkandidatin für Unna schärft ihr Profil abseits grüner Kernthemen
Hellweger Anzeiger Verkehr
Mit Karte: Warum das LKW-Durchfahrtverbot auf der B1 in Dortmund für Unna wichtig ist