Beten im Schlafanzug: Kirchengemeinde lädt zum „Sofa-Gottesdienst“

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Im Schlafanzug Gottesdienst feiern? Was unvorstellbar klingt, wird in Zeiten von Corona plötzlich möglich. Die Evangelische Gemeinde Königsborn lädt ab sofort zum „Sofa-Gottesdienst“.

Unna

, 21.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wer möchte, kann gut und gerne auch im Bademantel auf dem Sofa sitzen, wenn wir den Gottesdienst feiern.“ Pfarrerin Kristin Busch-Zimmermann muss selbst lachen, als sie das sagt. Doch sie meint es durchaus ernst: Der erste Sofa-Gottesdienst, zu dem sie am Sonntag, 22. März, einlädt, lässt tatsächlich alle Freiheiten - auch bei der Kleiderwahl.

Die Texte zum Sofa-Gottesdienst

Gebet, Bibeltext und Fürbitten

  • Folgendes Gebet wird am Sonntag im Sofa-Gottesdienst gesprochen: Gott, Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben. Wir feiern in Gottes Namen Gottesdienst. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Gott. Ich bin hier. Und Du bist hier. Ich bete zu Dir. Und weiß: ich bin verbunden. Mit Dir. Mit anderen, die zu Dir beten. Genau jetzt. Genau so. Ich bin hier. Und Du bist hier. Das genügt. Und ich bringe Dir alles, was ist. Höre auf unser Gebet. Amen.
  • Der Bibeltext stammt aus dem Johannes-Evangelium 12, 20-24 (Luther): 20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. 21 Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. 22 Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus. 23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. 24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.
  • Die Fürbitten: Gott. Wir sind verbunden. Als Menschen mit Menschen. Als Glaubende miteinander. Als Glaubende und Menschen mit Dir. Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen. Heute. Wir denken an alle, die wir lieben. Was tun sie gerade. Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind. Wir denken an alle Kranken. Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können. Wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander.

Das geltende Veranstaltungsverbot macht Gottesdienste in ihrer gewohnten Form unmöglich - ein Einschnitt für viele Gläubige. Sonntags um 10 Uhr in die Kirche - das geht jetzt auf lange Zeit nicht mehr. Doch um das Gemeinschaftsgefühl, das die Gottesdienste für viele Gläubige bedeuten, nicht zu verlieren, hat sich Pfarrerin Kristin Busch-Zimmermann nach Alternativen umgeschaut.

„Es gibt zur Zeit diverse Plattformen online, auf denen sich Pfarrer bundesweit untereinander austauschen, wie man jetzt Gottesdienste anbieten kann, die vielleicht eine etwas andere und ungewohnte Form haben, aber trotz des Veranstaltungsverbotes noch möglich sind“, erzählt Busch-Zimmermann. Ihr gefiel die Idee des Sofa-Gottesdienstes besonders gut.

Sonntagmorgen um 10 Uhr lädt die Gemeinde nun alle Gläubigen dazu ein, sich Zuhause auf ihren Sofas zu versammeln und „miteinander im Geist“ einen kurzen Gottesdienst feiern. „Dafür brauchen sie lediglich eine Kerze und zehn Minuten Zeit“, erklärt die Pfarrerin. Dass alle Gläubigen gemeinsam zur gleichen Zeit innehalten, findet sie besonders schön an dieser Form des alternativen Gottesdienstes.

„Das ist etwas anderes, als wenn ich nur eine Andacht herausgebe und jeder sie irgendwann vielleicht liest. Beim Sofa-Gottesdienst weiß ich: Da zünden jetzt auch andere Gemeindemitglieder eine Kerze an und beten das Gleiche.“ Der Ablauf des Gottesdienstes auf dem Sofa ist dabei kurz und klar strukturiert: Nach dem Anzünden der Kerze und einem Moment der Stille soll ein Gebet gesprochen werden. Anschließend liest einer der Familienangehörigen den Bibeltext vor. Ihn stellt die Gemeinde genauso wie die Fürbitten, die auf den Bibeltext folgen, auf ihrer Homepage zur Verfügung.

Mit dem Beten des Vater Unser und einem Schlusssegen endet der Gottesdienst - und natürlich muss die Kerze ausgepustet werden. „Wir werden versuchen, die Gebete und die Bibelstellen für jeden Sonntag ein bisschen abzuwandeln“, sagt Pfarrerin Kristin Busch-Zimmermann. Sie hofft, dass vor allem die älteren Gemeindemitglieder über Mund-zu-Mund-Propaganda und über die Zeitung von dem Angebot erfahren. „Denn viele von ihnen haben gar keinen Internetanschluss.“ Aus diesem Grund habe sie sich auch dagegen entschieden, einen solchen Gottesdienst als Live-Stream anzubieten. „Es geht in erster Linie darum, dass wir voneinander wissen, dass wir in diesem Moment das gleich tun und aneinander denken.“ Und ob das im Bademantel, Schlafanzug oder normaler Kleidung passiert, spielt in diesen Zeiten eine untergeordnete Rolle.

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