Wer Gottes Wort verkünden und Gläubige erreichen möchte, muss bisweilen ungewöhnliche Wege gehen - zum Beispiel auf einen Spielplatz. Wo sonst könnte die Kinderkirche Geburtstag feiern.

von Dominik Pieper

Unna

, 16.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Was würde passieren, wenn Borussia Dortmund den Roman Bürki in den Sturm und Marco Reus ins Tor stellen würde, will Thomas Baumeister wissen. Die vielen Kinder auf dem Spielplatz in Kessebüren, auf dem an diesem Sonntag ein Freiluft-Gottesdienst anlässlich des 10. Geburtstags der Kinderkirche gefeiert wird, lachen. Die Antwort ist einfach: „Vermutlich würde der Gegner sich freuen“, erklärt Thomas Baumeister. Jeder einzelne kann schließlich etwas gut, dafür etwas anderes nicht so gut. Und das, was einer gut kann, das soll er auch tun.

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Klare Botschaft: Gemeinschaft ist wichtig

Die Botschaft bei den rund 100 Gottesdienstbesuchern mitten in Kessebüren kommt an - vor allem bei den Kindern. Die stehen in Mittelpunkt der kirchlichen Freiluftfeier. Zum 10. Geburtstag der Kinderkirche hat Unnas Pfarrei St. Katharina eine Art religiösen Kindergeburtstag organisiert. Statt Kirchenbänken dienen Strohballen, Klettergerüst oder Schaukel als Sitzmöglichkeit. Gesungen wird leicht verständliche Musik mit eingängigen Melodien und gepredigt wird kindernah und vor allem spielerisch.

Kindgerechte Kirche: Gottes Wort zwischen Klettergerüst und Vogelnestschaukel

Zwei Mädchen stehen Rücken an Rücken und verschließen die Augen. Ein drittes Mädchen lotst sie dann über die Wiese und zeigt ihnen, wo sie ein Kleeblatt finden. Die Aktion ergänzte die Predigt und machte die Kirche zur Mitmach-Erfahrung. © Pieper

Denn wer glaubte, der Familiengottesdienst zum Geburtstag sei zwar ein lockerer, aber doch klassischer Gottesdienst, er irrte gewaltig. Zum Abschluss der Predigt mit dem Beispiel des BVB sollten Kinder und Erwachsene spielerisch lernen, was Gemeinschaft ausmacht. Es galt, Kleeblätter auf der Wiese zu finden - und zwar als Trio. Zwei Kinder oder Erwachsene standen Rücken und Rücken, verschränkten die Arme gemeinsam und mussten die Augen schließen.

Es ist gut, wenn der Glaube in Bewegung bleibt - sowohl geistig als auch körperlich.
Janfelix Müller, Gemeindereferent
Eine dritte Person lotste die beiden schließlich über die Wiese und gab Anweisungen, wo und wie das Kleeblatt zu pflücken war. „Es ist gut, wenn der Glauben in Bewegung ist - sowohl geistig als auch körperlich“, erklärte Janfelix Müller den Besuchern. Der Gemeindereferent und das Organisationsteam der Kinderkirche hatten den außergewöhnlichen Gottesdienst auf die Beine gestellt und ihn ganz bewusst kindgerecht gehalten.

Apropos kindgerecht: Auch die Lesung wurde an das Publikum des Gottedienstes angepasst und als kleines Rollenspiel gezeigt. Es ging um Hände, Arme, den Mund, die Füße und das Herz - und jeder einzelne meinte, er sei wichtiger als andere. Auch hier war die Botschaft eindeutig: Gemeinsam sind alle stark - und das Herz hält alles zusammen.

Kindgerechte Kirche: Gottes Wort zwischen Klettergerüst und Vogelnestschaukel

Während die meisten Besucher auf den Bänken saßen, sicherten sich die Kinder die besten Plätze - und die waren auch schonmal ganz oben auf dem Klettergerüst. © Pieper

Viele Besucher hatten schon die Anfänge vor zehn Jahren begleitet

Gekommen waren zum Kindergeburtstag neben Kindern auch deren Eltern und Großeltern. Viele von ihnen hatten die Anfänge der Kinderkirche vor 10 Jahren begleitet - entweder an verantwortlicher Stelle oder als interessierter Gast. Marie beispielsweise war vor zehn Jahren sechs Jahre alt und besuchte gern die Kirche. „Man hat als Kind verstanden, um was es ging“, erinnerte sie sich. Heute mit 16 Jahren engagiert sie sich in den Jugendorganisationen der katholischen Kirche und hat zum Geburtstag eine Freundin aus Holzwickede mitgebracht. „Toll“ findet die, dass Kindern Kirche kindgerecht nähergebracht wird. Beide verfolgten den Gottesdienst von der Schaukel aus. „Schön, dass das hier gar nicht steif ist“, lobten beide.

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