Kind in der Babyklappe: Katharinen-Hospital und Stadt Unna bieten der Mutter Hilfe an

dzFamilien in Unna

Im Babyfenster am Katharinen-Hospital ist ein Neugeborenes abgegeben worden. Der Mutter des Kindes bietet das KK jetzt umfassende Hilfe an. Noch sei es nicht zu spät, die Entscheidung zu überdenken.

Unna

, 05.05.2020, 14:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 2002 gibt es am Katharinen-Hospital ein Babyfenster, in dem Mütter ihre Neugeborenen abgeben und somit in fremde Hände geben können. Nun ist dieses Angebot genutzt worden - zum zwölften Mal seit der Einführung.

Bei dem Kind handelt es sich um ein Mädchen, das augenscheinlich kurz nach der Entbindung in der Babyklappe niedergelegt wurde. Gesundheitlich gehe es dem Kind gut. Es lebt zurzeit bei einer der Pflegefamilien, die in Unna eine Art Bereitschaft für schnelle Hilfen übernehmen.

Das Baby wurde bereits vor einigen Wochen gefunden

Der Fund liegt bereits einige Wochen zurück. In diesem sensiblen Themenfeld wahrt das Krankenhaus zunächst Stillschweigen, um der Mutter des Kindes Zeit zu geben, Eindrücke zu verarbeiten und vielleicht von sich aus ihre Entscheidung zu überdenken.

Hinter dem Babyfenster finden Mütter in Not nicht nur ein Wärmebettchen vor, das mit gewolltem Zeitverzug ein Signal ans Krankenhauspersonal abschickt, wenn es belegt wird, sondern auch Informationsmaterial, das der Mutter eine spätere Kontaktaufnahme ermöglichen soll.

Umfassendes Hilfsangebot für die unbekannte Mutter

Doch sie ist in diesem Fall nicht erfolgt. Bevor das Kind nun zur Adoption freigegeben wird, unternehmen Krankenhaus und Jugendamt noch einen Versuch, die Mutter zu erreichen. Da die Abgabe in der Babyklappe grundsätzlich anonym erfolgen kann, versuchen es Pflegedirektor Ralf Effmert vom KK und Kristine Doll-Müller vom Jugendamt der Stadt Unna mit einer Art öffentlichem Brief.

Jugendamt und Krankenhaus rufen die Mutter auf, sich zu melden – gerne auch anonym. Man möchte ihr Hilfe auf allen Ebenen anbieten.

Das Babyfenster soll Schlimmeres verhindern

„Auf allen Ebenen“, das meint ausdrücklich mehr als eine Hilfe dabei, doch noch das eigene Kind anzunehmen. Möglicherweise braucht die Mutter medizinische Hilfe oder eine Begleitung bei der Bewältigung einer Lebenskrise. Denn dass keine Mutter ihr Kind leichtfertig weggibt, war von Anfang an eine Grundannahme für das Projekt des Katharinen-Hospitals. Vermutlich befand sich die Frau in einer als ausweglos empfundenen Lage.

Das Babyfenster soll keine Hilfe dazu leisten, sich der elterlichen Verantwortung zu entziehen, sondern in solch schwierigen Lagen dazu beitragen, Schlimmeres zu verhindern. Aus dieser Überlegung heraus bietet das Krankenhaus auch die Möglichkeit einer „vertraulichen Geburt“ an, damit jede Mutter wenigstens medizinisch begleitet und versorgt niederkommen kann.

Das kleine Mädchen wurde sicher aufgefangen

„Es ist sehr gut, dass die Mutter damals in ihrer akuten Notsituation den Weg gefunden hat, ihr Kind an einen gut betreuten Ort in eine sichere Umgebung abzugeben“, betonen Ralf Effmert und Kristine Doll-Müller. Die Erstversorgung im Krankenhaus und der Übergang in die Bereitschaftspflegefamilie haben das kleine Mädchen sicher aufgefangen.

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Jetzt geht es darum, ihm einen Lebensort zu vermitteln, an dem es auf Dauer bleiben kann. „Je länger sie in der Bereitschaftspflegefamilie verbleibt, umso intensiver entsteht eine Bindung zu dieser Familie und umso heftiger wird der Bindungsabbruch sein, wenn sie die Familie wechselt“, heißt es in einem gemeinsamen Text von Krankenhaus und Jugendamt.

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Aus diesem Grund bitten sie die Mutter, sich bis zum 22. Mai zu melden. Die Frist endet um 12 Uhr. Danach wird das Mädchen in eine Adoptivfamilie vermittelt.

Die Mutter kann den Kontakt zu den Verantwortlichen auch anonym suchen. Ansprechpartner für sie sind Ralf Effmert unter der Rufnummer (0170) 7686916 und Kristine Doll-Müller unter der (02303) 103-572).
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