ARCHIV - Lidl hat Gebäck, Tee, einen Proteinriegel und Öl zurückgerufen. In allen Lebensmitteln wurde ein erhöhter THC-Gehalt festgestellt. Foto: Oliver Berg/dpa © Oliver Berg/dpa
Gerichtsprozess

Kiffer-Vergangenheit holt Trio aus Unna nach sechs Jahren ein

Die Qualität der Cannabis-Produkte, die es auf der Straße zu kaufen gab, war ihnen zu fragwürdig. Also entschieden sich die Bewohner einer Unnaer WG, Marihuana selbst anzubauen. 2015 flogen sie auf.

Jetzt wurde das Trio von seiner Vergangenheit eingeholt. Die heute 33- bis 39-jährigen Männer aus Unna und Menden, die vor einigen Jahren noch in einer Wohngemeinschaft lebten, konsumierten damals gerne. Doch das, was sie beim Dealer nebenan erwerben konnten, war ihnen nicht geheuer. So entstand die Idee, es selbst zu versuchen.

133 Pflanzen und zwei Kilo Marihuana

Mit Erfolg: Als die Polizei im Mai 2015 vor der Tür stand, befanden sich in der Wohnung 133 einschlägige Pflanzen und knapp zwei Kilo Marihuana. Von der obligatorischen Feinwaage, Verpackungsmaterial und über 5000 Euro Bargeld ganz zu schweigen. So kam der Verdacht auf, das Trio habe den Großteil der Ernte mit Gewinn verkaufen und die Plantage weiter betreiben wollen.

Konkret wurde den Männern bandenmäßige Herstellung, Handel und Besitz zur Last gelegt. Zunächst landete die Sache im Landgericht Dortmund, wurde von dort aus aber an das Schöffengericht in Unna verwiesen. Und so erklärte sich auch der Zeitablauf. Über sechs Jahre nach der Durchsuchung saßen die einstigen WG-Mitglieder nun auf der Anklagebank und überließen das Reden in erster Linie ihren Anwälten.

Angeblich nur hin und wieder an Freunde verkauft

Einer von ihnen bezeichnete die Truppe zu damaligen Zeiten als „leidenschaftliche Konsumenten“, die mit der Qualität auf der Straße nicht zufrieden gewesen seien und gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe befürchtet hätten. Die Ernte sei für den eigenen Konsum bestimmt gewesen, bei Partys habe auch mal Cannabis für alle auf dem Tisch gelegen und gelegentlich hätten sie etwas an Freunde verkauft, wenn deren Händler gerade nichts gehabt hätten.

Stammkunden oder auch fremde Abnehmer habe es nicht gegeben. Eine Version, die die anderen Verteidiger bestätigten. Auch betonten die Anwälte, ihre Mandanten würden mittlerweile andere Leben führen, hätten Jobs und Beziehungen, hätten dem Konsum abgeschworen. Als völlig neu strukturiert bezeichnete es die Verteidigerin eines Angeklagten. Darüber hinaus, das bekundeten alle drei, habe das aufgefundene Geld nicht aus Drogendeals gestammt. Auf die Rückgabe des Geldes und aller anderen sichergestellten Gegenstände verzichtete das Trio aber dennoch.

Ein Zusammenwirken als Bande sah das Gericht am Ende nicht. Auch sprachen die Geständnisse und die positiven Entwicklungen für die Angeklagten. Die Folge: jeweils ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung und Geldbußen bis zu 1500 Euro.

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