Kessebüren und die Brücken: Was von der Bahn übrig blieb

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Eine Brücke bereits seit Jahren abgerissen, der Neubau kommt später als gedacht und jetzt droht auch noch der Verlust einer weitern Brücke „über die Bahn“: Kessebüren und die Eisenbahn, das ist eine schwierige Beziehung.

Kessebüren

, 18.07.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nur eine Brücke, sollte man meinen. Kessebüren fehlt seit neun Jahren eine Brücke über die Bahngleise. Vermutlich im Frühjahr 2021 soll eine neue Brücke gebaut werden. Warum dies so entscheidend für das Dorf ist und wieso der drohende Verlust einer weiteren Brücke für die Kessebürener ein harter Schlag wäre, zeigt ein Blick in die Geschichte der Bahnlinie rund um Kessebüren.

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Genau dieses „rund um Kessebüren“ und nicht „durch Kessebüren“ bringt den ersten Punkt dieser schwierigen Beziehung auf den Tisch: Kessebüren liegt zwar an der Bahn, ein Zug hält hier aber trotzdem nicht. Die Züge der Linie RB 54 zwischen Unna und Fröndenberg fahren im großen Bogen um das Dorf und unter den noch vorhandenen Brücken hindurch, halten aber tun sie nur ein Dorf weiter in Frömern.

Das war vor über 30 Jahren noch anders: Bis 1987 hielten die Züge der „Haarstrang-Querbahn“ auch in Kessebüren, genauer gesagt etwas südlich vom Ortskern. Dort, wo bis 2011 die Brücke der Kessebürener Landwehr über die Gleise führte, befand sich der „Haltepunkt Kessebüren“ – inklusive Fahrkartenverkauf im gegenüberliegenden Gebäude.

Haltepunkt gab es bis 1987

Als zu Beginn des Jahres 1987 die Überlegungen der Deutschen Bahn bekannt wurden, den Haltepunkt mangels Frequenz zu schließen, war der Protest in Kessebüren groß. Doch die Zahlen sprachen gegen den Haltepunkt: Nur noch elf Reisende waren Ende der 1980er täglich in den Zügen gezählt worden, die in Kessebüren ein- oder ausstiegen. Der Haltepunkt verschwand, die Brücke an der Landwehr blieb – zumindest vorerst.

Hier gab es einmal eine Brücke und einen Haltepunkt: Heute endet die Kessebürener Landwehr im Nichts und die Bahn hält hier seit 1987 nicht mehr. Zumindest die Brücke soll wieder kommen: Im Frühjahr 2021 könnte der Bau beginnen.

Hier gab es einmal eine Brücke und einen Haltepunkt: Heute endet die Kessebürener Landwehr im Nichts und die Bahn hält hier seit 1987 nicht mehr. Zumindest die Brücke soll wieder kommen: Im Frühjahr 2021 könnte der Bau beginnen. © Anna Gemünd

Dass ihr Abriss wegen gravierender Schäden im Jahr 2011 nachhaltige Folgen für das Dorf hatte, zeigte sich laut Ortsvorsteher Gerhard Heckmann auf vielfältige Weise: „Die Bushaltestelle, die sich dort an der Fröndenberger Straße befindet, war bis dato von den Schülern genutzt worden, die an der Kessebürener Landwehr wohnen. Plötzlich ging das nicht mehr – die Kinder kamen nicht nach Unna zur Schule und mussten sich nach Fröndenberg umorientieren.“

Lange Wege für die Feuerwehr

Ein weiteres Problem, das im schlimmsten Fall auch über Kessebüren hinaus Folgen haben kann: „An der Kessebürener Landwehr wohnen viele Feuerwehrleute. Ohne die Brücke fehlt ihnen der schnelle Weg zum Gerätehaus.“ Im Einsatzfall schnell dort sein, wo man gebraucht wird – auch das ist ohne die Brücke schwieriger geworden.

Die Fußgängerbrücke am Loerweg dient dagegen „nur“ Fußgängern und Radfahrern als Querung über die Bahngleise. 1898 gebaut, ist sie einer der wenigen Vorteile, die Kessebüren von der Bahn noch geblieben sind. Ob sie bleibt, ist jedoch fraglich.

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