Vertreter des Katharinen-Hospitals in Unna und der bisherige Chefanästhesist Dr. Martin Kelbel können sich bereits im November vor Gericht begegnen. Kelbel klagt auf Widerruf seiner Kündigung.

Unna

, 27.10.2020, 13:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dass die Trennung zwischen dem Katharinen-Hospital und dem langjährigen Chefarzt Dr. Martin Kelbel nicht in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt ist, räumt nach Kelbels Klarstellung auch die Geschäftsführung des Unnaer Krankenhauses ein. In Personalangelegenheiten gelte grundsätzlich ein hohes Maß an Vertraulichkeit, erklärt Geschäftsführer Christian Larisch die in dieser Hinsicht zunächst unbestimmte Äußerung, dass die Zusammenarbeit ein Ende gefunden habe. Letztlich gehe es auch um den Schutz Kelbels, für dessen Verdienste Larisch auch jetzt ausdrücklich dankt.

Krankenhaus bestätigt Kündigung und Klage

Da es nun Kelbel selbst war, der die Information von einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung in die Öffentlichkeit gebracht hat, sieht Larisch allerdings auch kein Problem darin, diese zu bestätigen. Dafür muss sich der Krankenhaus-Chef allerdings nicht wirklich über eine Grenze begeben: Arbeitsgerichtliche Auseinandersetzungen sind prinzipiell öffentlich und werden von den zuständigen Gerichten bestätigt. Im Fall Kelbels gegen den Hospitalverbund Hellweg soll es nun noch im November einen Gütetermin geben.

Larisch: Kein Zusammenhang mit Krankenhaus-Fusion

Einigen Punkten in der Darstellung Kelbels will Larisch allerdings doch entgegentreten. „Die Beendigung unserer Zusammenarbeit hat ganz sicher nichts zu tun mit der Fusion“, betont Larisch. Kelbel hatte dargestellt, „dass die Geschäftsführung des Hospitalverbundes Hellweg zeitgleich mit der Fusion beider Unnaer Krankenhäuser die Trennung von mir als Chefarzt anstrebt“. Larisch winkt ab: „Nach der Fusion haben wir drei operative Standorte zu betreuen, für deren Betreuung 30 Anästhesisten benötigt werden. Da ist es wahrlich nicht nötig, jemanden loszuwerden.“

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Entgegentreten möchte Larisch überdies dem möglicherweise entstehenden Eindruck, dass Patienten unversorgt geblieben seien. „Im Katharinen- und im Mariannen-Hospital war durch andere Mitarbeiter gewährleistet, dass die Patienten in bewährter Form betreut waren“, betont Larisch.

Auf eine Ausnahme weist er hin: Kelbel hatte in seiner Darstellung behauptet, dass die Behandlung von Schmerz- und Palliativpatienten durch ihn am 18. August 2020 von der Geschäftsführung unterbunden worden sei und sogar Palliativpatienten Terminabsagen erhalten hätten. „Solche Terminabsagen hat es in einer Zwischenphase gegeben bei Patienten, für die es von der Kassenärztlichen Vereinigung eine persönliche Ermächtigung für die Versorgung durch Dr. Kelbel gegeben hat. In diesem Fall mussten wir erst eine Klärung mit der KV herstellen“, so Larisch.

Kelbel kurzfristig vom Dienst freigestellt

Zum Grund oder Anlass für den Bruch zwischen dem Hospitalverbund und Dr. Martin Kelbel macht Christian Larisch weiter keine Angaben – grundsätzlich nicht, da es sich eben um eine Personalangelegenheit handele, wie er betont. Hinweise liefern lediglich Kelbels eigene Darstellung und der Vorgang vor Gericht.

Kelbels Formulierungen lassen eine sehr kurzfristige Freistellung vom Dienst erkennen. Theoretisch kann dies sogar für eine fristlose Kündigung sprechen, aber auch für eine Beurlaubung für den Rest der Vertragsdauer. Dass es grundsätzlich eine Kündigung vonseiten des Unternehmens gegeben hat, ist offensichtlich durch Kelbels Klage.

Arbeitsgericht gibt Chance auf gütliche Einigung

In dem arbeitsgerichtlichen Verfahren wird es darum gehen, die Rechtmäßigkeit und damit die Gültigkeit der Kündigung zu überprüfen. Zunächst werden beide Seiten angehört und für den Versuch zusammengeführt, eine gütliche Einigung zu erzielen. Das ist der Sinn des Gütetermines im November. Christian Larisch drückt für das Krankenhaus eine grundsätzliche Bereitschaft dazu aus, über eine solche Einigung zu sprechen.

Gütetermin ist oft nur eine Formsache

Die Praxis an den Arbeitsgerichten in der Region zeigt allerdings, dass solche Einigungen von der Bereitschaft beider Seiten abhängt, ihre Probleme nun doch im Miteinander zu lösen. Wo es nicht zu einer Fortsetzung der Zusammenarbeit kommt, können zumindest die Umstände des Auseinandergehens neu ausgehandelt werden. Oft geht es in Güteterminen um eine weitere Fortzahlung der Bezüge oder die Eckpunkte eines Zeugnisses.

Kommt eine solche Einigung im Gütetermin oder den Terminen nicht zustande und hält der Kläger seine Klage aufrecht, prüft das Gericht die Kündigungsgründe. Sie müssen ausreichen, um die Beendigung der Zusammenarbeit grundsätzlich zu rechtfertigen. Für eine fristlose Kündigung müssten überdies besonders schwerwiegende Gründe vorliegen.

Zunächst würde das Arbeitsgericht dafür beide Seiten anhören, um zu erfahren, welche Gründe überhaupt vorgebracht werden und was die Gegenseite dazu vorbringt. Danach erfolgt die Bewertung.

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