Mit Video: Keine Klingel, kein Licht – Polizei nimmt Fahrradfahrer in den Fokus

dzPolizei

Auf der falschen Straßenseite mit dem Rad zum Einkaufen? Das kann teuer werden. Die Polizei hat am Dienstag in Königsborn verstärkt Radfahrer kontrolliert.

Unna

, 30.06.2020, 13:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Dame weiß Bescheid, bevor Michael Jahn sie erreicht hat. Reumütig lächelt sie den Polizeihauptkommissar an. „Ich bin auf der falschen Seite unterwegs, ich weiß“, gesteht sie. Das „linksseitige Fahren auf einspurigen Radwegen“, wie es im Polizeijargon heißt, kostet sie 20 Euro. Dass sie „nur mal eben zum Einkaufen“ wollte, ändert daran nichts. Fälle wie diesen erlebt Michael Jahn täglich – am Dienstag standen Fahrräder und ihre Fahrer daher besonders im Fokus.

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„Wir haben im Kreis Unna leider viele verunglückte Radfahrer, jeder fünfte Verunglückte ist ein Radfahrer. Der Radfahrer ist im Konflikt mit dem Autofahrer zwar der schwächere Verkehrsteilnehmer, aber die Verursacher solcher Unfälle sind zur Hälfte auch Radfahrer“, sagt Thomas Stoltefuß, Leiter des Verkehrsdienstes bei der Kreispolizeibehörde Unna. Regelmäßige Verkehrskontrollen, bei denen die Fahrräder im Fokus stehen, sind daher Routine für die Polizisten.

Video
Fahrrad-Schwerpunktkontrolle der Kreispolizei Unna

An diesem Dienstag ist es die viel befahrene Kamener Straße mit ihren Supermärkten, an der sich die Polizeibeamten aufgebaut haben. „Hier fahren viele Radfahrer gerne von einem Supermarkt zum anderen – und wechseln dafür nicht unbedingt alle die Fahrbahnseite, wie sie es korrekterweise tun müssten“, erklärt Stoltefuß, wieso die Polizisten ausgerechnet hier stehen. Doch nicht nur das verkehrswidrige Fahren auf der falschen Seite des Radweges haben die Polizisten im Blick.

„Viele Menschen sind verwundert, wenn sie beispielsweise bezahlen müssen, weil sie auf dem Handy gespielt haben, während sie Fahrradfahren. Sie denken, dass das nur beim Autofahren nicht erlaubt sei.“
Thomas Stoltefuß, Leiter des Verkehrsdienstes der KPB Unna

„Wir achten auch auf die Verkehrstüchtigkeit des Fahrrades“, erklärt Michael Jahn, „ein Fahrrad muss eine Klingel und Lampen haben. Und funktionierende Bremsen – Sie glauben gar nicht, wie viele Menschen ohne funktionierende Bremsen unterwegs sind.“ Als ein junger Mann zügig vorbeiradelt, wird der Polizeihauptkommissar plötzlich schnell. „Bleiben Sie mal stehen. Allgemeine Verkehrskontrolle. Ist Ihr Rad komplett funktionstüchtig?“ Der junge Mann schaut irritiert; Verkehrskontrollen, die Fahrräder unter die Lupe nehmen, scheinen für viele Verkehrsteilnehmer noch ungewohnt zu sein. „Mittlerweile werden E-Bikes schon getunt“, erklärt Jahn, wieso er einen genauen Blick auf das E-Bike werfen wollte, „die sind teilweise mit bis zu 50 Stundenkilometern unterwegs.“ So schnell ist der ältere Herr mit seinem Rollator nicht, der durch die Polizeikontrolle spaziert. „Ich kriege kein Knöllchen, oder?“, ruft er den Beamten lachend zu, „machen Sie weiter so, das ist richtig!“

Dass Radfahren genauso eine Teilnahme am Straßenverkehr darstellt wie Autofahren und man sich auch als Radfahrer an Regeln halten muss – genau das scheint nicht immer allen Radlern bewusst zu sein: „Viele Menschen sind verwundert, wenn sie beispielsweise bezahlen müssen, weil sie auf dem Handy gespielt haben, während sie Fahrradfahren. Sie denken, dass das nur beim Autofahren nicht erlaubt sei“, sagt Thomas Stoltefuß. 55 Euro muss zahlen, wer sich von seinem Handy beim Fahrradfahren ablenken lässt.

Kein Bußgeld, dafür aber einen „Elternbrief“ gibt es für den jungen Mann, den Michael Jahn als nächstes anhält. Die Klingel sucht der Polizeihauptkommissar an dem Rad vergebens. „Und wie sieht es mit Licht aus?“ Zerknirscht muss der Zwölfjährige einräumen, dass auch das fehlt. „Das geht nicht, du musst Licht an deinem Rad haben“, erklärt ihm Jahn, bevor er den Namen und die Adresse des Jungen aufnimmt. „Seine Eltern bekommen jetzt Post, dass sie sich um die Verkehrstüchtigkeit seines Fahrrades kümmern sollen.“

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