Unnas Krankenhaus und Ex-Chefarzt Dr. Martin Kelbel werden ihren Streit bis zum Ende austragen. Kelbel klagt gegen seine Kündigung, und der Versuch einer gütlichen Einigung ist gescheitert.

Unna

, 13.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn es nicht sogar einen Friedensschluss gibt zwischen den Streitparteien, so sollen sie wenigstens die Bedingungen ihres Auseinandergehens im Miteinander verhandeln können – das ist die Idee von Güteterminen, mit denen Arbeitsgerichte auf Klagen gegen Kündigungen reagieren. Im Streit zwischen Dr. Martin Kelbel und dem Unnaer Krankenhaus aber ist auch so eine Einigung nicht gelungen. Jetzt kommt es zum „richtigen“ Prozess zwischen dem ehemaligen Chefanästhesisten und seinem bisherigen Arbeitgeber.

Dr. Martin Kelbel war 14 Jahre lang Chefarzt im bisherigen Katharinen-Hospital, das nun mit dem Evangelischen Krankenhaus zum Christlichen Klinikum Unna verschmolzen ist. Im August endete die Zusammenarbeit abrupt. Wie nun im Gütetermin bekannt wurde, hat das Krankenhaus Kelbel fristlos gekündigt.

Oberärzte sollen wegen Kelbel mit Kündigung gedroht haben

Gründe dafür scheinen vielschichtig und offenbar haben sie sich über einen längeren Zeitraum aufgebaut, bis für Geschäftsführer Christian Larisch der Zeitpunkt gekommen war, Kelbel von seinen Aufgaben zu entbinden. Die Situation sei so schwierig geworden, dass sogar der Betrieb im damaligen Katharinen-Hospital gefährdet gewesen sei.

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Probleme habe es im Miteinander geben, erklärten Larisch und die Anwältin des Krankenhauses gemeinsam vor Gericht. Gravierend wurden diese Probleme demnach im Verhältnis zwischen Chefarzt und Oberärzten. In Streitgesprächen soll Kelbel seinen Untergebenen mehrfach nahegelegt haben, zu kündigen. Zugleich soll er ihnen aber die Drohung mit auf den Weg gegeben haben, sie bei der Suche nach einer neuen Stelle zu behindern.

Ein weiterer Vorwurf des Krankenhauses an seine frühere Führungskraft ist, dass sie das Team in der Arbeit am Patienten oft allein gelassen habe. Arbeiten, die nach Auffassung des Krankenhauses zu den „Kernleistungen“ eines Chefarztes gehört hätten, habe Kelbel bisweilen von anderen ausführen lassen.

Als gleich fünf Oberärzte aus Kelbels Zuständigkeitsbereich in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum mit ihrer Kündigungsabsicht an die Geschäftsführung des Krankenhauses herantraten, wurden schnell auch die Gründe für die Unzufriedenheit der Mediziner erforscht.

Larisch: Sogar Betrieb des Krankenhauses gefährdet

Geschäftsführer Larisch erklärt, dass das Krankenhaus in eine Situation zu kommen drohte, in der es nur noch eingeschränkt handlungsfähig gewesen wäre. Ohne Narkoseärzte sind keine Operationen möglich. Patienten wären unversorgt geblieben, etliche Beschäftigte des Krankenhauses vielleicht in Kurzarbeit geschickt worden.

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Kelbel weist die Darstellung seines früheren Arbeitgebers zurück. Er hat Klage eingelegt gegen die Kündigung und sieht sich als Opfer eines Versuches, ihn im Hinblick auf die Krankenhausfusion loszuwerden. Dem Krankenhaus wirft er überdies Rufschädigung vor. „Als ich meinen Beruf gewählt habe, war das schon eine Entscheidung zu Grundschulzeiten. Ich wollte Arzt werden, um Menschen zu helfen. Nach meinem Dienstantritt am Katharinen-Hospital vor 14 Jahren habe ich mir das aufgebaut, war für meine Patienten da. Jetzt ist mein Ruf beschädigt, meine Arbeit, meine Tätigkeit hier am Ort zerstört.“

Saalaushang im Arbeitsgericht Dortmund: Nach dem gescheiterten Gütetermin werden sich Dr. Martin Kelbel und Christian Larisch als Geschäftsführer des bisherigen Katharinen-Hospitals als nächstes bei einem Kammertermin gegenüber sitzen, also bei einer „richtigen“ Gerichtsverhandlung.

Saalaushang im Arbeitsgericht Dortmund: Nach dem gescheiterten Gütetermin werden sich Dr. Martin Kelbel und Christian Larisch als Geschäftsführer des bisherigen Katharinen-Hospitals als nächstes bei einem Kammertermin gegenüber sitzen, also bei einer „richtigen“ Gerichtsverhandlung. © Sebastian Smulka

Wie Kelbels Anwalt vortrug, seien viele Anschuldigungen, mit denen das Krankenhaus eine Kündigung begründet, gar nicht belegt. Und einige Oberärzte hätten sich sogar schon entschuldigt. Sie hätten sich vom Krankenhausträger instrumentalisieren lassen.

So weit, wie beide Seiten in der Wahrnehmung des Konfliktes auseinanderliegen, so weit fern voneinander liegen sie auch, was die Möglichkeiten einer Trennung gegen Abfindung angeht. Das Krankenhaus will zu Beginn der Auseinandersetzung einmal erwogen haben, Kelbel bis Ende März 2021 seine Bezüge weiterzuzahlen und dazu noch „einen kleinen Aufstockungsbetrag im unteren sechsstelligen Bereich“ draufzulegen, erklärte nun aber, dass es der Gesellschaft mit fortschreitender Aufklärung des Sachverhaltes wohl schwer fallen würde, daran festzuhalten.

Kelbel: Kann nur noch in Ruhestand gehen

Kelbel hingegen trug vor, dass ihm mit nicht einmal 58 Jahren keine andere Perspektive bliebe als der Ruhestandseintritt, was bei einer gütlichen Einigung zu berücksichtigen wäre. Die Forderung einer Ausbezahlung bis zum Ruhestandsalter lehnte die Anwältin des Krankenhauses ab, bevor sie der Rechtsvertreter Kelbels aufstellen konnte. „Das ist völlig abwegig“, stellte sie klar. Laut Kelbels Anwalt hätte der Chefarzt bei einer Fortsetzung der Tätigkeit wohl noch 3,6 Millionen Euro verdienen können.

Nachdem der Versuch einer gütlichen Einigung gescheitert ist, bereitet das Arbeitsgericht Dortmund die Verhandlung der Sache in einer seiner Kammern vor. Am Ende könnte ein Urteil darüber stehen, ob die Kündigung Kelbels begründet war oder nicht. Bis dahin wird noch Zeit ins Land gehen: Der erste Verhandlungstermin liegt vermutlich erst im Spätwinter.

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