Livestream, Video-Chats und bloß keine „Corona-Songs“: So gehen Musiker mit der Corona-Krise um

dzMusik

Gitarre, Bass, Schlagzeug - dafür braucht man drei Musiker. Das ist in Zeiten der Kontaktsperre einer zu viel. Die Musiker von „Woodship“ aus Unna werden daher kreativ, was ihr Bandleben angeht.

Unna

, 11.04.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Irgendwie haben sie ein echt gutes Timing gehabt: Kurz bevor die Corona-Krise Fahrt aufnahm und das öffentliche Leben nach und nach zum Stillstand kam, haben die drei Musiker von „Woodship“ nicht nur frische Aufnahmen ihrer Songs gemacht; sie haben auch ihre Tour für das Ende des Jahres geplant. Angesichts der Corona-Krise erweist sich diese Weitsicht jetzt als Glücksgriff für die Unnaer Band.

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„Da bist du völlig vertieft und merkst auf einmal, dass drei oder vier Stunden vergangen sind, in denen du von der Welt da draußen gar nichts mitbekommen hast.“
Leon Radix, Sänger von „Woodship“, über das Songwriting

„Wir haben da echt Schwein gehabt“, bringt es Leon Radix, Sänger und Gitarrist der Band, auf den Punkt, „unser Bassist hat jetzt viel Zeit, die neuen Aufnahmen in Ruhe zu bearbeiten.“ Statt wie sonst einmal in der Woche auf dem Dachboden von Schlagzeuger Timo Quast zu proben, suchen sich die Musiker von „Woodship“ jetzt andere Wege, um miteinander nicht nur in Kontakt, sondern auch vor allem musikalisch aktiv zu bleiben.

Im Fall von Leon Radix heißt das: Songwriting. „Das ist jetzt echt ganz cool, jetzt hat man auf einmal die Ruhe dafür.“ Sonst passiere das Schreiben von neuen Songs oftmals „zwischen Tür und Angel“. Jetzt bekäme das Songwriting eine geradezu therapeutische Wirkung: „Songwriting ist immer gut, um Dinge zu verarbeiten und in eine andere Welt abzutauchen. Da bist du völlig vertieft und merkst auf einmal, dass drei oder vier Stunden vergangen sind, in denen du von der Welt da draußen gar nichts mitbekommen hast“, beschreibt Radix die kleine Flucht aus dem Alltag, um die ihn sicherlich viele Menschen gerade beneiden dürften.

Philipp Kaminsky (Bassist), Leon Radix (Sänger, Gitarrist) und Timo Quast (Schlagzeuger, von links) proben sonst einmal in der Woche.

Philipp Kaminsky (Bassist), Leon Radix (Sänger, Gitarrist) und Timo Quast (Schlagzeuger, von links) proben sonst einmal in der Woche. © privat

Den Kontakt zueinander hält die Band mittels Videokonferenzen. Bassist Philipp Kaminsky wohnt in Düsseldorf, von daher ist die räumliche Distanz nicht völlig neu für die Band. „Wir besprechen uns, was die Planung der Tour angeht und welche Sachen wir vielleicht in den Sozialen Netzwerken posten“, erklärt Leon Radix, was die Band gerade macht. Die Tour spielen sie in kleinen Clubs: „Da wird es richtig eng und schwitzig, also genau das, was gerade gar nicht geht“, schmunzelt der Sänger. Aber bis dahin sind es zum Glück noch einige Monate; ab Oktober wollen die Musiker unter anderem in Hamburg und Hannover auftreten.

Bis dahin wollten sie eigentlich auf einigen kleinen Festivals spielen - doch die sind zumindest für den Mai schon vom Veranstalter abgesagt worden. Also suchen sich die Musiker andere Wege: Leon Radix spielt am Samstag, 11. April um 18 Uhr einen Livestream eines Songs auf Instagram. Und er verspricht: „Von uns wird es definitiv keine Corona-Songs geben!“

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