Steht das Tempo-30-Schild vor Westhemmerde an der richtigen Stelle? Wie kann erreicht werden, dass Autofahrer sich auch daran halten? Anwohner haben verschiedene Vorschläge zur Erhöhung der Sicherheit. © Marcel Drawe
Westhemmerde

Kein Unfallschwerpunkt: Chancen für Verkehrsinitiative ungewiss

Weniger Raserei, mehr Schutz für die Schwächsten: Welche Chancen die Westhemmerder Bürgerinitiative mit ihren Forderungen hat, ist ungewiss. Die Anwohner werden wohl Geduld brauchen.

Mit einer Art Hilferuf hat sich eine Initiative aus Westhemmerde an die zuständigen Behörden und die Öffentlichkeit gewandt: Mangels sicherer Geh- und Radwege herrsche Gefahr, besonders für Kinder. Die Gruppe äußert verschiedene Lösungsvorschläge. Deren Umsetzungschancen sind bisher ungewiss.

An den Straßen, die das kleine Dorf im Unnaer Osten durchkreuzen, gibt es keine Bürgersteige oder Radwege. Die Straßen sind schmal und werden intensiv und mitunter schnell befahren. Ob und wann ein Radweg an der Tempo-100-Strecke nach Hemmerde gebaut wird, ist noch unbekannt. Der Kreis plant daran schon länger.

Unterschiedliche Zuständigkeiten

Für die Westhemmerder Dorfstraße, die in der Verlängerung zur B1 „Zum Bröhl“ heißt, ist Straßen NRW zuständig – nicht aber für alle potenziellen Sicherheitsmaßnahmen, wie eine Sprecherin der Landesbehörde erklärte. Tempo-Displays beispielsweise, die die Initiative als eine der einfacheren Maßnahmen vorschlägt, könne Straßen NRW nicht aufstellen. Hier müsse die Stadt Unna tätig werden. Die Initiative erklärte bereits ihre Bereitschaft, sich an Kosten für eine solche Tafel zu beteiligen.

Kann ein Bedarfsstreifen für Radfahrer auf die Fahrbahn aufgezeichnet werden? Könnten farbige Piktogramme auf Fußgänger, insbesondere auf Kinder hinweisen? Auch dazu müsse man sich mit der Stadt Unna abstimmen, so Straßen NRW. Stadtsprecher Christoph Ueberfeld erklärte, dass es bereits Kontakte gebe und man sich austauschen werde. Die Straßen-NRW-Sprecherin signalisierte, dass man Verständnis für die Sorgen der Anwohner habe, betonte aber auch: „Wir können leider nicht sagen, wie lange es dauert, bis eventuelle Maßnahmen umgesetzt werden.“ Dies gelte insbesondere, wenn es um mögliche Umbauten an Straßen geht.

Aktuell polizeilich „unauffällig“

Übrigens gilt die Verkehrssituation in Westhemmerde offiziell nicht als gefährlich – gemessen an den aktuellen Unfallzahlen. Die Polizei in Unna fand auf Anfrage unserer Redaktion in ihrer Datenbank zwei Verkehrsunfälle in zwei Jahren auf allen Straßen im Umfeld von Westhemmerde: Eine Autokollision und einen Alleinunfall, jeweils mit höchstens leichtverletzten Personen. „Aus polizeilicher Sicht ist das unauffällig“, erklärte ein Polizeisprecher. Von einer Einstufung als Unfallhäufungspunkt, die von Amts wegen Maßnahmen auslösen würde, ist Westhemmerde also weit entfernt.

Die Bürgerinitiative überrascht das nicht. Wie sie unserer Redaktion berichtete, gibt es im Dorf Erinnerungen an mindestens einen schweren Unfall in der Vergangenheit und ein hohes Bewusstsein für die Gefahren durch den stark angewachsenen Verkehr. Deswegen lasse aktuell praktisch niemand sein Kind allein auf die Straße.

Über den Autor
Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf
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