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Kein Haarschnitt für Kind mit Down-Syndrom: Obermeister der Friseure findet deutliche Worte

dzEmpörung groß

Fünf Friseure in Unna haben einem Kind mit Down-Syndrom den Haarschnitt verweigert. Der sechste Salon sah kein Problem und schnitt dem Jungen die Haare. Der Obermeister der Friseur-Innung ist empört.

Unna

, 17.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Eine Mutter und ihr behindertes Kind sind in der Innenstadt von Unna von fünf Friseurgeschäften abgewiesen worden: Keiner der Salons war bereit, dem Jungen mit Down-Syndrom die Haare zu schneiden. Erst im Laden von Daniel Mikeleit hatten Mutter und Kind Erfolg.

Behinderung soll Grund für die Ablehnung gewesen sein

Daniel Mikeleit, der den Salon „Hair B&B“ betreibt, ist von dem Verhalten seiner Kollegen enttäuscht. „Ich war einfach nur geschockt. Das geht gar nicht“, sagt Mikeleit. Von dem Vorfall erfahren habe er erst durch eine Bemerkung der Mutter, die sich bei Mikeleit dafür bedankte, überhaupt einen Termin bei ihm bekommen zu haben. Mindestens fünf Friseure hätten zuvor den Haarschnitt abgelehnt, die Gründe sind nicht ganz klar, offenbar hat aber jedes Mal die Behinderung des Kindes eine Rolle dabei gespielt.

»Ich war einfach nur geschockt, das geht gar nicht.«
Friseur Daniel Mikeleit

In jedem Salon arbeiteten zwei bis drei Angestellte. Selbst wenn es also Befürchtungen gegeben habe, das Kind womöglich zu verletzen, weil es seinen Kopf nicht gerade halten kann: „Irgendjemand hätte doch die Macht gehabt, es zu versuchen“, findet Daniel Mikeleit.

Obermeister der Friseurinnung will Fall im Vorstand ansprechen

Auf völliges Unverständnis trifft die Verweigerungshaltung in den Friseursalons auch bei Björn Barthold. „Das gehört sich einfach nicht“, sagt der Obermeister der Friseur-Innung Unna, der von unserer Redaktion von dem Vorfall erfuhr. Das Verhalten sei im Grunde indiskutabel, zumal in Zeiten, in denen der Inklusionsgedanke immer stärker in den gesellschaftlichen Vordergrund rücke. „Ich möchte nicht zu einer Berufsgruppe gehören, die sich dem verweigert“, sagt der Fröndenberger, der besonders sensibilisiert ist für das Thema, seinen Zivildienst in einer Schule für Kinder mit geistiger Behinderung abgeleistet hat.

»Das sollte zur Salonphilosophie gehören.«
Björn Barthold, Obermeister der Friseurinnung Unna

Selbstverständlich müssten Kindern stets mit größerer Vorsicht die Haare geschnitten werden. Die Angst vor der scharfen Schere müsse den kleinen Kunden zunächst genommen werden. Er versuche den Besuch immer als Erlebnis für die Kinder zu gestalten, da gibt es dann auch schon mal einen Lolli zur Belohnung.

In der nächsten Vorstandssitzung seiner Innung werde er aufgrund dieses Vorfalls das Thema nun ansprechen. Kinder auch mit geistiger Behinderung zu bedienen, „sollte zur Salonphilosophie gehören“, so Barthold.

Haarschnitt war letztlich überhaupt kein Problem

Daniel Mikeleit beherzigt diese Philosophie bereits. Der Junge mit dem Down-Syndrom bekam einen tollen Haarschnitt. „Das Kind war total ruhig, alles cool.“

Ablehnungsgründe

Nur bei Kopfläusen kann Haarschnitt verweigert werden

  • Fachliche Gründe, einen Kunden abzulehnen, gibt es für Friseure nur selten.
  • Allenfalls bei Befall mit Kopfläusen sei ein Recht der Friseure gegeben, einen Haarschnitt zu verweigern.

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