Die SPD will Vizekanzler Olaf Scholz zu ihrem Kanzlerkandidaten küren. © picture alliance/dpa
Politik im Kreis Unna

Kanzlerkandidat Olaf Scholz: Das sagt die SPD im Kreis Unna

Olaf Scholz (62) wird bei der Bundestagswahl 2021 Kanzlerkandidat der SPD. Wir haben nachgefragt, was Vertreter der sozialdemokratischen Basis im Kreis Unna zu der Entscheidung sagen.

Einer, der Olaf Scholz aus dem politischen Berlin bestens kennt, ist Oliver Kaczmarek. Der langjährige Bundestagsabgeordnete (seit 2009) aus Kamen und Unterbezirks-Parteichef (seit 2005) hat Scholz selbst im Parteivorstand seine Stimme gegeben – natürlich aus Überzeugung.

„Ich finde ihn gut und werde dafür kämpfen, dass Olaf Scholz Kanzler wird“, sagte Kaczmarek unserer Redaktion am Montag in einer ersten Reaktion. Der amtierende Vizekanzler und Bundesfinanzminister sei auch aus Sicht der Städte und Gemeinden eine sehr gute Lösung. „Er hat viel Geld für die Kommunen mobilisiert“, so Kaczmarek weiter und nannte beispielhaft die Kosten der Unterkunft für Hartz-IV-Empfänger, den Digitalpakt Schule und die Kompensation der Gewerbesteuer-Ausfälle in Folge der Corona-Krise.

Kaczmarek glaubt an Scholz: „Werden neue Situation bekommen“

Aber ist Scholz (62), ein nicht mehr ganz junger Vertreter des Partei-Establishments, wirklich der Richtige, um der SPD aus dem jahrelangen Umfragetief zu helfen und sie wieder zu einem Wahlsieger machen zu können? Kaczmarek glaubt daran. Dafür brauche es freilich eine Regierung ohne CDU und CSU, sagt er, ohne sich allzu sehr auf die Frage einlassen zu wollen. Schließlich stünden nun erst einmal die so wichtigen Kommunalwahlen an; erstes Ziel sei nun, dass SPD-Kandidat Mario Löhr Landrat im Kreis Unna werde.

Aber ähnlich wie im Kreis, wo in Michael Makiolla der populäre Amtsinhaber nach 16 Jahren abtreten wird, wird die Ausgangslage 2021 auch im Bund sein. Auch Kanzlerin Angela Merkel, deren CDU seit der Corona-Krise in den Umfragen enteilt ist, wird dann nach 16 Jahren aufhören. „Wir werden dann eine ganz neue Situation bekommen“, so Kaczmarek, der damit rechnet, dass die Kanzlerkandidatur bei den Grünen auf Robert Habeck zuläuft.

Wen die Union ins Rennen schickt, scheint derweil völlig offen. Wenn Kaczmarek davon spricht, die SPD wolle die Zukunft ökologisch-nachhaltig und sozial gestalten, hört sich das jedenfalls stark nach einem möglichen neuen rot-grünen Bündnis an – fragt sich nur, wer dann Koch und wer Kellner wäre…

Denis Aschhoff: „Ein Arbeitstier, das nicht auf jeden Zug aufspringt“

Auch andere Vertreter der SPD aus dem Kreis Unna zeigten sich am Montag zufrieden mit der Entscheidung des Parteivorstands. Ein „Arbeitstier, das nicht auf jeden Zug aufspringt“, nannte der Kamener SPD-Chef Denis Aschhoff den künftigen SPD-Kanzlerkandidaten. Olaf Scholz sei grundsätzlich eine gute Wahl und habe durch seine Arbeit gezeigt, dass er auch Kanzler könne. „Er hat die Gemeinschaft hinter sich“, schätzt Aschhoff die Stimmung in der SPD ein. Doch gerade viele heimische Sozialdemokraten hatten Scholz nicht als Parteivorsitzenden haben wollen, weil er dem konservativen Parteiflügels zugerechnet wird. „Das ist ein Unterschied, ob man Kanzlerkandidat oder Parteivorsitzender ist“, meint Aschhoff. „Da halte ich Walter-Borjans immer noch für eine herausragende Wahl.“

André Rocholl: „Das könnte uns bei der Kommunalwahl beflügeln“

Der Bergkamener SPD-Stadtverbandsvorsitzende André Rocholl hält Scholz dagegen uneingeschränkt für eine gute Wahl. Der Vizekanzler und Finanzminister habe in Berlin einen guten Job gemacht. „Außerdem ist er beliebt in der Partei und in der Gesellschaft“, meint Rocholl. „Bei der Kommunalwahl könnte uns die Nominierung noch beflügeln“, hofft der Stadtverbandsvorsitzende.

Sebastian Laaser: „Gespannt, ob er das menschlich rüberbringen kann“

Sebastian Laaser, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Unna, hält Olaf Scholz für einen „fähigen Kandidaten“. Ihm werde natürlich immer wieder der Vorwurf gemacht, ein „Scholz-o-Mat“ zu sein, also die Welt eher roboterhaft zu erklären. „Insofern darf man gespannt sein, ob er das auch menschlich rüberbringen kann“, so Laaser weiter. Olaf Scholz habe aber in den letzten Monaten bewiesen, dass er regieren könne.

Heike Bartmann-Scherding: „Halte ihn für einen guten Teamplayer“

Ähnlich äußerte sich Heike Bartmann-Scherding, SPD-Vorsitzende in Holzwickede: „Olaf Scholz hat gerade in der Corona-Krise bewiesen, dass er sich in wichtigen Themen durchsetzen und SPD-Themen bundesweit umsetzen kann. Ich halte ihn für einen guten Teamplayer.“

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Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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