Kampf um den Überweg am Kreishauskreisel

dzHauptroute im Radnetz

Die Idee einer Ampel am Kreishauskreisel war von Anfang an umstritten. Der ADFC fordert die Politik auf, schon den dreimonatigen Verkehrsversuch zu unterlassen. Doch es geht dabei um mehr.

Unna

, 29.11.2018, 18:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon am Testlauf für den Kreiselumbau scheiden sich die Geister, und auch im politischen Fachausschuss redeten sich Befürworter und Gegner in Rage. Björn Merkord von den Bündnisgrünen stellte in Abrede, dass die Verlegung des Radfahrer- und Fußgängerüberweges überhaupt etwas bewirken würde außer Radfahrern und Fußgängern das Leben schwer zu machen. Und auch den geplanten Verkehrsversuch bezeichnete er als Geldverschwendung. Anders sieht es Rudolf Fröhlich von der CDU-Fraktion: „Wir machen das, um die Entwicklung der Mühle Bremme zu ermöglichen“, rechtfertigte er die Eingriffe in die Verkehrsführung. Unnas Planungsdezernent Michael Ott geht es darum, erst einmal Erkenntnisse zu gewinnen, also zu überprüfen, ob die Idee der Mühle-Bremme-Planer für einen besseren Abfluss der Autos überhaupt funktioniert.

Kreishauskreisel


Umweg und Wartezeiten für Fußgänger und Radfahrer

  • Die Idee für den Umbau eines Kreiselarmes ist buchstäblich „weiter hergeholt“, nämlich von der Mühle Bremme: Das Verkehrsgutachten für den Bau eines Einkaufszentrums setzt darauf, den Verkehrsfluss im Kreishauskreisel zu beschleunigen, um die Rückstaus auf der Kantstraße zu kürzen.
  • Dafür soll die Ausfahrt aus dem Kreisel zur Viktoriastraße optimiert werden, die oft deshalb stockt, weil Autofahrer Fußgänger und Radfahrer über die Straße lassen müssen.
  • Vorschlag der Planer ist, die Überwege um 30 Meter vom Kreisel weg nach Osten zu versetzen und mit einer Ampel zu versehen.
  • Ob dies reicht, um die Konfliktlage weiter südlich am Schnittpunkt Ring/Poststiege zu verbessern, soll Anfang 2019 ein Verkehrsversuch mit einer provisorischen Ampel zeigen.

Dass Radfahrer und Fußgänger dem Autoverkehr und der Mühle Bremme zuliebe Umwege und Wartezeiten in Kauf nehmen sollen, ärgert auch den ADFC. Das an sich ist nicht überraschend, doch seine Reaktionen deuten an, dass es in der Diskussion um mehr geht als nur um die Frage, wie schwache Verkehrsteilnehmer über die Viktoriastraße kommen.

ADFC will Radfahrern Vorfahrt geben

Der ADFC fordert die Stadt in einem Antrag auf, nicht nur auf die Verlegung der Überwege, sonden auch schon auf den dreimonatigen Verkehrsversuch zu verzichten. Zudem legt er einen Antrag vor, die Platanenallee als Fahrradstraße auszuweisen, auf der sich Autofahrer dem Radverkehr unterordnen müssten.

Beide Anträge stehen in einem „Netzzusammenhang“. Denn sowohl die Platanenallee als auch der Überweg über die Viktoriastraße am Kreishauskreisel gehören zu einer der wichtigsten Radrouten im Stadtgebiet. Den Weg vom Königsborner Tor über die obere Friedrich-Ebert-Straße, die Querung an der Viktoriastraße und die Platanenallee bis hin zum Königsborner Bahnhof gehört zum „Hauptnetz“, das die Stadt in ihrem Radfahrkonzept „Zielnetz 2025“ ausweist. Die drei Berufskollegs, der künftige Bildungscampus, die Kreissporthalle, der Kurpark und mit einem Schwenk auch Stadthalle und Hellwegsporthalle liegen an der langen Geraden zwischen Innenstadt und Bahnhof Königsborn. Und für dieses Rückgrat des Radroutennetzes legt sich der ADFC aus gegebenem Anlass verstärkt ins Zeug.

Vorwurf: Falsche Prioritäten in der Verkehrspolitik

Die Sorge der Fahrradaktivisten: Wenn die Stadt auch auf so einer strategisch wichtigen Route mit Sperrbaken, Ampeln und Umwegen in den Verkehrsfluss der Radfahrer eingreift, um den Autoverkehr zu beschleunigen, verrate dies etwas über die Prioritätensetzung in der Verkehrspolitik. Für das Vorhaben, den Anteil des Fahrrades am Verkehrsaufkommen von 12 auf 25 Prozent anzuheben, seien das keine guten Grundlagen.

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