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„Kamera läuft!“ in Strathoffs Künstlerbedarf

dzDreharbeiten

„Kamera läuft! Ton läuft!“ – „Da kommt jemand.“ – „Abbruch!“ Dreharbeiten im öffentlichen Raum kosten Filmemacher Geduld. In Strathoffs Künstlerbedarf standen nun die Kunden „im Bild“.

Unna

, 10.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Ohne Gebühr eine Kulisse zur Verfügung zu stellen, ist die eine Sache. Aber ihren Laden gleich zu schließen, das wäre Familie Strathoff wohl zu weit gegangen. Und so läuft der erste Drehtag als Operation am offenen Herzen. „Jetzt muss es muxmäuschenstill sein“, schärft Filmemacher Thorsten Kramer seiner Mannschaft für eine Szene ein, in der die Ladentür nach dem gespielten Feierabend abgeschlossen wird. Die ganz und gar nicht gespielten Kunden im hinteren Teil des Geschäfts wissen davon nichts und sind über das sensible Mikrofon des Tonteams zu hören. Also: Warten, bis sie gekauft haben, was sie für ein eigenes Schaffen brauchen. Und dann weiterfilmen.

„Kamera läuft!“ in Strathoffs Künstlerbedarf

Für Hausherrin Margarethe Strathoff und ihre Familie sind die Dreharbeiten im eigenen Haus ein Abenteuer. Das sympathische Kamerateam ließ sie gerne mal „reinschauen“. © Marcel Drawe

Thorsten Kramer verwirklicht in Unna ein ambitioniertes Projekt. Sein Film „Warum? Es kann jeden treffen“ ist als Wettbewerbsbeitrag für große Filmpreise gedacht. In Cannes und auf der Berlinale sollen die Juroren den Titel 2020 zu sehen bekommen. Filme mit Anspruch auf gutes Abschneiden vor Fachpublikum sind eine Spezialität des 38-jährigen, der in Ostbüren aufgewachsen ist. Mit „Ein Traum für Zwei“ waren Kramer und seine Produktionsfirma Sartorius-Film 2012 Finalist des Feel-Good-Film-Festivals in Hollywood. „Wir arbeiten auf internationalem Niveau“, sagt Kramer, und dies erklärt zum Teil auch das Thema seiner neuen Produktion.

Jugenddrama um Leistungsdruck und Lieblosigkeit

„Warum?“ ist schwere Kost. Es geht um Mobbing, Gewalt und Isolation, die einen jungen Menschen in die Verzweiflung oder zu Verzweiflungstaten treiben können. Im Mittelpunkt steht der Abiturient Jan, der auf seinem Weg ins Leben zwar Leistungsdruck und hohe Erwartungen verspürt, aber keine Unterstützung von denen, die sie ihm geben könnten.

Die Frau, die in der Szene bei Strathoffs die Ladentür von innen abschließt, ist im Film Jans Mutter – und in dieser Rolle eine geradlinige Geschäftsfrau. Schauspielerin Margitta-Janine Lippok muss dabei gegen ihre eigenen Überzeugungen anspielen, verrät sie im Gspräch am Rande der Dreharbeiten. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der Erfolg und äußerer Status das Wichtigste zu sein scheinen“, sagt sie. „Aber was ein Kind braucht, ist Liebe. Zeit.“

Viel Arbeitszeit für wenig Filmmaterial

Wenige Augenblicke später verwandelt sich die sympathische Darstellerin in Jans verhärtete Mutter Ariane Herzog. „Kamera läuft!“, schallt es durch Strathoffs Geschäftsräume. „Ton läuft!“. Und weil diesmal kein Kunde in die Aufnahme platzt: „Action!“. Zwei, drei Sekunden nimmt sich Margitta-Janine Lippok, um „in die Rolle“ zu gehen. Es ist ein regelrechtes Einfrieren. Dann der Auftritt. Gehetzt von dem, was der Tag einer Unternehmerin mit sich bringt, aber immer noch wie die leibhaftige Entschlossenheit schreitet sie energisch zur Ladentür, schließt ab, geht mit strengem Blick davon – um gleich hinter der nächsten Wand im Gebäude wieder in ein fröhliches Lächeln zu wechseln. Die Szene ist im Kasten. „Danke!“, hallt es durch die Räume. Nach gut einer Viertelstunde Arbeit sind wieder ein paar Sekunden des Films gedreht.

„Kamera läuft!“ in Strathoffs Künstlerbedarf

Nach dem Auszug von Tabak Brinkmann gibt der vordere Raum des Strathoff-Gebäudes genug Platz, um Licht- und Tontechnik in Position zu bringen. © Marcel Drawe

Am Ende sollen es über 70 Minuten sein. Strathoffs Räume, aber auch die Werkstatt im Kreis Unna für die Schulszenen werden in den kommenden Tage Drehorte sein. 16 Schauspieler, ein Dutzend Leute im Produktionsteam, etliche Statisten, Rettungswagen von den Johannitern werden in Unna ein weiteres Mal „großes Kino“ machen. „Wir lassen es schon krachen“, erklärt Thorsten Kramer, was er in den nächsten Tagen vor der Kamera sehen will.

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