Vor Baustart an der Kamener Straße muss Unterkunft für gefährdete Vögel gepflanzt werden

dzFlüchtlingsunterkunft

Die Planungen für den Bau einer Unterkunft an der Kamener Straße schreiten voran. Bevor der Bagger anrollt, muss die Stadt allerdings einen Ersatz-Lebensraum schaffen: für die Nachtigall.

Unna

, 05.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Intensive politische Diskussionen über den Bau einer neuen Unterkunft für Flüchtlinge und andere Wohnungslose in Unna sind abgeschlossen, nun laufen Vorplanungen für das rund drei Millionen Euro teure Projekt an der Kamener Straße. Der Stadtrat beschäftigt sich im September wieder mit der Aufstellung eines Bebauungsplans. Aus diesen Unterlagen geht hervor, dass für ein bestimmtes Tier ein gewisser Aufwand betrieben werden muss: Die Stadt muss sich um eine neue Unterkunft für die Nachtigall bemühen.

Häufige Vögel und Fledermäuse nicht bedroht

Baumaßnahmen dürfen geschützte oder gar im Bestand gefährdete Tier- und Pflanzenarten nicht bedrohen. Im Zuge eines solchen Bebauungsplans müssen deswegen mögliche Auswirkungen auf Flora und Fauna untersucht werden. Ein Planungsbüro für Landschafts- und Tierökologie hat das getan. Ergebnis: Wenn wie geplant Gebüsch und Bäume westlich der alten Flüchtlingsunterkunft gerodet werden, würde das einige Vogelarten beeinträchtigen. Bei den meisten, die als „landesweit häufig“ gelten, gibt es keine Bedenken: Amsel, Blaumeise, Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Kohlmeise oder Grünfink zum Beispiel können laut Gutachter den Verlust der Grünstrukturen verkraften. Dasselbe gilt für Zwergfledermäuse, die durch den Bau nicht beeinträchtigt würden, obwohl sie in der Nähe leben.

Nachtigall verliert an Lebensraum

Die Nachtigall aber bereitet den Fachleuten Bauchschmerzen. Nachtigallen verschwinden zunehmend. Ihre Lebensräume verändern sich, und die Zugvögel gehen auch auf Reisen sowie in ihren Winterquartieren verloren, sodass die Bestände rückläufig sind. Der städtische Gutachter nennt eine Zahl von nur 7.500 bis 10.000 Brutpaaren in NRW, und das laut einer Schätzung von vor vier Jahren. Dass dieser Vogel auf dem Grundstück an der Kamener Straße lebt und brütet, konnte im Rahmen einer detaillierten Art-für-Art-Prüfung bestätigt werden. Und nun muss die Nachtigall umziehen.

Ersatzlebensraum

Laut dem Biologen gehören verwilderte Gartenstrukturen im westlichen Bereich des überplanten Grundstücks ebenso zum Brut- und Nahrungshabitat der Nachtigall wie Gärten im Norden und Gehölzstrukturen in der Umgebung des Sportplatzes. Wo diese Vögel derzeit noch Nester bauen und Futter finden, sollen aber für das Bauprojekt Bäume und Sträucher entfernt werden. Deswegen muss die Stadt „Ersatzlebensraum im räumlichen Zusammenhang“ entwickeln, wie es im Gutachten heißt.

Der Kreis Unna und der Naturschutzbund schlagen vor, dass Ausgleichsmaßnahmen nicht im Plangebiet umgesetzt werden, sondern außerhalb. Die Stadt Unna soll insgesamt 2000 Quadratmeter Land nutzen, um Bäume und Sträucher anzupflanzen und den Rest ökologisch wertvollen Brennnesseln zu überlassen. Die ins Auge gefasste Fläche, für die die Stadt den Pachtvertrag bereits angepasst hat, liegt am Afferder Bach, am Rand eines landwirtschaftlich genutzten Stadtgrundstücks zwischen Hallohweg und Kuhlenbrink östlich der A1.

Keine Umsiedlung

Das ist etwa einen Kilometer vom Baugrundstück an der Kamener Straße entfernt. Tatsächlich umgesiedelt werden die Nachtigallen von der Kamener Straße nicht dorthin. Man versuche, den verloren gehenden Lebensraum bestmöglich zu ersetzen und hoffe, dass das Tier sein neues Habitat annehmen wird, teilen Stadt und Kreis Unna dazu mit. Laut Stadtverwaltung soll die Gesamtbaumaßnahme bald ausgeschrieben werden, damit auch die vorgezogene Ersatzpflanzung.

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