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Juristen prüfen Wieses Leasingverträge für Luxus-Sportwagen

dzAluwerk

Dass ein metallverarbeitender Betrieb drei Luxus-Sportwagen als Ausstellungsstücke least, ist möglich, aber vielleicht nicht sinnvoll. Ob es rechtens ist, werden nun Fachleute prüfen.

Unna

, 12.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Unter den Verfehlungen, für die dem früheren Aluwerk-Vorstand Thomas Wiese im November vom Aufsichtsrat das Vertrauen entzogen worden ist, sind die drei Autoverträge für einen Gumpert Apollo, einen Mosler und einen Mercedes SL 63 AMG Black Series herausragend. Warum hat das Aluwerk drei Autos mit insgesamt 1978 PS bestellt, die zusammen aber nur 1500 Kilometer pro Jahr gefahren werden dürfen? Warum finden sich Fahrzeuge dieser Kategorie auf einer Verkaufsseite der W.B. Metallverarbeitungs Service GmbH der Familie Wiese, die bis Dezember zugleich als Leiharbeitsfirma ein Drittel des Personals im Aluwerk gestellt hat? Und warum waren diese Fahrzeuge schon bei Veranstaltungen des Reitsportzentrums Massener Heide ausgestellt, zu dessen Geschäftsführern ebenfalls Thomas Wiese zählt?

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Mit diesen Fragen befassen sich nicht erst seit der Hauptversammlung des Aluwerkes am Donnerstag Juristen. Seit Thomas Wieses überraschender Abberufung als Vorstand im November sichten Prüfer im Auftrag des Aufsichtsrates Unterlagen im Aluwerk. Und doch betonte der Aufsichtsratsvorsitzende Yanjie Tang, dass die „investigative Arbeit“ erst am Anfang stünde. Die drei Verfehlungen, mit denen bei der außerordentlichen Aktionärsversammlung am Donnerstag die Hintergründe für Wieses Rauswurf beschrieben wurden, seien als Fakten sicher.

Chinesen sammeln weiterhin Belastungsmaterial

Ob das Unternehmen rechtliche Schritte gegen Wiese einleiten wird, wird aber erst nach Abschluss aller internen Ermittlungen entschieden. Bereits bekannt ist, dass das Unternehmen die Vorauszahlungen zurückfordert, die Thomas Wiese vor dem Verkauf des Aluwerks an den chinesischen Branchenriesen Zhongwang an die Leiharbeitsfirma seiner Familie geleistet hat. Laut Aluwerk geht es dabei um rund drei Millionen Euro, für die die W.B. Metallverarbeitungs Service GmbH noch keine Arbeit geleistet hat - und wohl auch nicht mehr leisten wird. Denn Ende 2018 kam es zum Bruch der Zusammenarbeit. Das Aluwerk hat inzwischen über 100 ehemalige W.B.-Beschäftigte in seine Stammbelegschaft übernommen.

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Juristische Folgen sind allerdings nicht zwingend von einer Anzeige des Aluwerks abhängig. Von den Enthüllungen bei der Aktionärsversammlung weiß inzwischen auch die Staatsanwaltschaft in Dortmund. „Wenn wir von einer Straftat Kenntnis erlangen, werden wir auch von uns aus tätig“, erklärt ihr Sprecher Henner Kruse. Ein solches Offizialdelikt sei beispielsweise die Veruntreuung.

Verstoß gegen Aktionärsinteressen muss keine Straftat sein

Ob Wieses Leasingverträge für die drei Supersportwagen in diesem Sinne strafrechtlich zu beanstanden sind oder einfach nur den Interessen der Aktionäre zuwiderlaufen, kann die Staatsanwaltschaft aber auf die Schnelle nicht festlegen. Zumindest wird sich zu Beginn der kommenden Woche die Wirtschaftsabteilung mit der Frage befassen, ob hier ein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegen könnte. Mit Wiese selbst konnte unsere Redaktion bislang nicht in Kontakt treten.

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