Zwischen Windeln wechseln und Chemotherapie: Junge Mutter aus Unna kämpft gegen Brustkrebs

dzSchockdiagnose Brustkrebs

Christin Schilling aus Unna sollte gerade die schönste Zeit in ihrem Leben genießen. Das kann die junge Mutter aber kaum: Bereits zum Ende ihrer Schwangerschaft erhält sie die Diagnose Brustkrebs.

Unna

, 26.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christin Schilling ist froh, dass gerade Winter ist. So kann sie ihren kahlen Kopf gut mit einer Mütze abdecken, wenn sie mit ihrer neugeborenen Tochter spazieren geht. Sie hat erst wenige Chemotherapien hinter sich, ihre Haare sind aber bereits ausgefallen. „Nach drei Sitzungen war alles weg“, sagt sie.

Vor wenigen Wochen wird bei Schilling eine besonders aggressive Form von Brustkrebs festgestellt – da befindet sie sich gerade in der 33. Schwangerschaftswoche. Ab dann geht alles ganz schnell: Damit der Krebs nicht streut, soll sie sich möglichst zeitnah einer Chemotherapie unterziehen. Ihre Tochter muss vor dem eigentlichen Geburtstermin auf die Welt geholt werden. „Ich habe um jeden Tag gefeilscht“, erinnert sich die 30-Jährige. Denn mehr noch als ihre eigene Gesundheit lag ihr das Wohl ihrer Tochter am Herzen.

„Ich fühle mich dann wie betrunken oder auf einem Schiff, das auf- und ab schaukelt.“
Christin Schilling über die Nebenwirkungen der Chemotherapie

Chemotherapie statt Elternzeit

Die kleine Lia kommt gesund zur Welt, aber für Christin Schilling ändert sich seit der Diagnose alles: Statt kuscheliger Kennenlernphase im trauten Heim verbringt die frischgebackene Mutter viele Tage im Krankenhaus: Alle zwei Wochen erhält sie eine Infusion mit Medikamenten, die Folgen sind gravierend: Haarausfall, Schmerzen, Übelkeit. „Ich fühle mich dann wie betrunken oder auf einem Schiff, das auf- und ab schaukelt“, beschreibt Schilling die Nebenwirkungen. Auch einfachen Gesprächen könne sie kaum folgen, schnell sei sie müde und gereizt. Besonders, wenn die kleine Lia schreit. Dabei will Schilling gerne für ihre Tochter da sein. Oft geht es ihr so schlecht, dass ihr Mann die Aufgabe allein übernehmen muss. „Ohne ihn würde ich das alles gar nicht durchstehen“, sagt sie.

Zwischen Windeln wechseln und Chemotherapie: Junge Mutter aus Unna kämpft gegen Brustkrebs

So gut wie es geht, versucht Christin Schilling die Folgen der Chemotherapie zu kaschieren. Ein schönes Make-Up ist ihr wichtig, um sich auch ohne Haare noch weiblich zu fühlen. © Nogaj

Zu kämpfen hat Schilling aber nicht nur mit der Diagnose an sich, sondern auch mit den äußerlichen Veränderungen. Die junge Mutter hat wegen der Medikamente einiges an Gewicht zugenommen, neben dem Haupthaar verliert sie bald auch Wimpern und Augenbrauen. „Das ist für mich fast Schlimmer als die Diagnose selbst“, sagt sie. Wenn sie Werbung für Shampoo sehe, kämen ihr die Tränen. Gutgemeinte Aufmunterungen wie „Es sind ja nur Haare“ kann sie nicht mehr hören: „Wenn die Leute das ernst meinen, sollen die sich mal eine Glatze rasieren“, sagt sie spitz.

Junge Mutter denkt positiv

Es ist spürbar, dass der Krebs an ihren Nerven zehrt. Dennoch hat Schilling ein Lächeln auf den Lippen, wenn sie spricht. Sie versuche eben, positiv zu denken: „Was bleibt mir auch anderes übrig?“, sagt sie. Und das, obwohl sie gezwungenermaßen manchmal auch über den Tod nachdenkt: „Das einzig Positive ist, dass ich es nicht merken würde. Aber für meinen Mann und meine Tochter täte es mir Leid“, sagt sie.

„Wenn ich die Einschulung meiner Tochter erlebe, dann habe ich es geschafft.“
Christin Schilling

Denn so wie jede Mutter, will auch die 30-jährige Unnaerin ihre Tochter aufwachsen sehen. Aktuell scheint es, als könnte ihr größter Wunsch in Erfüllung gehen: Ihr Körper ist auf die Chemotherapie angesprungen, der Tumor in ihrer Brust von über fünf Zentimetern auf etwa einen geschrumpft. Nach der Chemo werden die Lymphknoten entfernt. Dann erfolgt prophylaktisch eine Bestrahlung.

Geheilt erst nach fünf Jahren ohne Krebs

Geheilt ist Schilling dann aber noch nicht. Ihre Krebsart ist so aggressiv, dass sie auch nach erfolgreicher Behandlung noch hohes Risiko hat, einen Rückfall zu erleiden. Erst, wenn sie in fünf Jahren noch krebsfrei ist, gilt sie als geheilt. Oder, wie die junge Mutter es formuliert: „Wenn ich die Einschulung meiner Tochter erlebe, dann habe ich es geschafft.“

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