Josef Baron: Der Vater des Unnaer Eselsbrunnens ist verstorben

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„Kunst wird es durch die Auseinandersetzung. Ohne sie wäre es nur Dekoration.“ Mit dieser Überzeugung war Josef Baron ein Künstler, der Denk- und Diskussionanstöße gab. Nun ist er verstummt.

Unna

, 06.01.2020, 11:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Auseinandersetzung mit dem Werk Josef Barons kann eine ganz praktische und freudvolle sein. Seine wohl bekannteste Arbeit ist im besten Sinne Kunst zum Anfassen und zum Besetzen. Sich für ein Foto auf den Rücken des Brunnenesels am Alten Markt zu setzen, gehört zu einer Kindheit in Unna dazu. Josef Baron wird es mit einem leisen Lächeln beobachtet haben.

Dabei ist der Eselsbrunnen nicht unbedingt ein typisches Werk für Josef Baron. Mag seine Form auch unverkennbar den Stil des Malers und Bildhauers aus Hemmerde tragen, machten die weltlichen Werke doch nur einen Teil seines Schaffens aus. Oft stehen sie für die fröhlichen Seiten eines tief religiösen und nachdenklichen Mannes, der in seiner Kunst das Leben reflektierte.

Josef Baron: Der Vater des Unnaer Eselsbrunnens ist verstorben

Der Eselsbrunnen am Alten Markt in Unna ist vermutlich das Werk Barons mit dem größten Bekanntheitsgrad. Unverkennbar ist der Stil des Künstlers aus Hemmerde. Doch sein eigentlicher Schaffensschwerpunkt lag eher bei den sakralen Werken. © Udo Hennes

Josef Baron kam am 19. Februar 1920 in Oberschlesien zur Welt. Er erlebte den Aufstieg des Nazis-Regimes, als Soldat die Schrecken des Krieges in Frankreich und Russland. Baron überlebte, wandte sich der Kunst zum, studierte in Flensburg und Düsseldorf.

Barons Anfangsjahre waren wirtschaftlich schwierig. Den Durchbruch als Künstler ermöglichte ihm ein Auftrag, der ihm von einem seiner Lehrmeister vermittelt worden war: Die Ausgestaltung der Wallfahrtsbasilika Mariä Heimsuchung in Werl erntete so viel Anerkennung, dass Baron in den 1960er-Jahren zum Fachmann für Sakralbauten wurde.

Das Gespräch führt zu Verständigung, Verständigung führt zu Frieden

Baron ließ dabei ein tiefes theologisches Wissen einfließen, setzte sich oft lange und gründlich in Gesprächen mit den auftraggebenden Gemeinden auseinander. Doch er war kein reiner Illustrator von Bibeltexten. In einer seiner letzten Arbeiten, der neuen Weihnachtskrippe für die Kirche St. Peter und Paul in seinem Wohnort Hemmerde, legte er das Christuskind bereits auf ein Kreuz. Der kargen Behaglichkeit vieler Krippendarstellung setzte er eine sehr reduzierte Darstellung der heiligen Familie entgegen, die aber doch einige Denk- und Gesprächsanstöße beinhaltete.

Josef Baron: Der Vater des Unnaer Eselsbrunnens ist verstorben

Die Krippe für St. Peter und Paul in Hemmerde hat Josef Baron 2014 mit nur noch minimaler Sehkraft und der Hilfe seiner Frau Marianne fertiggestellt. „Das Alter ist nicht nur segensreich“, sagte Baron damals im Alter von 94 Jahren. © Borys Sarad

„Kunst wird es durch die Auseinandersetzung. Ohne sie wäre es nur Dekoration“, sagte Baron dazu. Es war sein Credo, getragen von der Überzeugung, dass das Gespräch und das Ringen um Austausch und Verständigung die Schlüssel für Freiheit und Frieden sind.

Josef Baron zählte zu den „Großen Vier“ der Unnaer Gegenwartskunst und war derjenige von ihnen, dem die längste Lebens- und Schaffenszeit vergönnt war. Nach Ernst Oldenburg 1992, Carlernst Kürten 2000 und Wilhelm Buschulte 2013 ist am Neujahrstag 2020, sieben Wochen vor seinem 100. Geburtstag, auch Josef Baron verstorben.

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