Johann König in Unna: „Todesstimmung“ durch Boxspringbetten und SUVs

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Schnappatmung und Gelächter löste Johann König bei seinem Auftritt am Mittwoch in der Stadthalle aus. Mit seinem aktuellen Programm „Jubel, Trubel, Heiserkeit“ begeisterte er das Unnaer Publikum.

von Sebastian Pähler

Unna

, 07.11.2019, 10:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit „Jubel, Trubel, Heiserkeit“ stellte Johann König unter Beweis, wie kunstvoll er es vermag, die Sprache zu massakrieren und dabei auch noch Verrücktheiten des Alltags und seine skurrile Persönlichkeit in Szene zu setzen.

Anti-Held der Sprache

„Gestammelte Werke“, so hieß Johann Königs erstes Buch, das 2006 erschien. Bis heute schwebt dieser Titel über Königs gesamtem Schaffen, bringt er doch seine Talente und seinen persönlichen Stil perfekt auf den Punkt. Ein Lyriker ist er, und kein schlechter, wie er in etlichen Gedichten und Miniaturen unter Beweis stellt. Zugleich ist er aber auch ein Freund des skurrilen Humors, Paradoxien und mal flache, mal clevere Wortwitze durchziehen sein gesamtes Werk. All das präsentiert er schleppend, zerstückelt, manchmal gerade noch so kohärent, um immer dann, wenn man glaubt, er habe soeben den Faden verloren, eine unerwartete Pointe hinterher zu schieben. Diese Entdeckung der Langsamkeit hat er über viele Jahre kultiviert und sie funktioniert offenbar immer noch. Jedenfalls wusste er auch am Mittwoch das Unnaer Publikum mit „Jubel, Trubel, Heiserkeit“ zu begeistern.

Johann König in Unna: „Todesstimmung“ durch Boxspringbetten und SUVs

Zwischen langem Nachsinnen und übereifriger Aktivität findet Johann König die richtigen Worte, nur um sie gleich darauf zu verdrehen, zu vertauschen und durcheinander zu werfen, bis heitere und skurrile Lyrik entsteht. © Sebastian Pähler

Die Todesstimmung der Deutschen

„Alles hängt irgendwie miteinander zu tun“, diese, auf Königs typische Weise etwas verunglückte Formulierung machte deutlich, dass sich hinter alldem Klamauk und Wortwitz auch eine Botschaft versteckte, die es zu entdecken galt. Denn ja, alles steht in Verbindung. „Kerosinverbrauch rauf, Antarktis runter; Antarktis runter, Meeresspiegel rauf; Meeresspiegel rauf, Holland runter“, rechnete er vor. „Wir haben am Ende mehr Platz zum Segeln, aber eben auch jede Menge schlecht integrierte Holländer hier rumhängen“, so die Konsequenz.

Den Anstoß für sein Programm, so berichtete er, hätten ihm die beiden Fragen gegeben, die ihn ständig umtreiben: „Wie geht es Deutschland und wie geht es Unna?“ Dann gestand er ein, es sei doch eher das Land, das ihn interessiere. Vor allem mit einem Blick auf seine Nachbarn. So fiel ihm auf, das jetzt jeder ein Boxspringbett habe, „eine riesige, arschteure Kiste“, wegen des bequemen Einstiegs, der hohen Sitzposition und der guten Sicht. Und aus den gleichen Gründen hätten so viele auch ein SUV. Und überall sehe man Mauern, aus „Steinen in Käfighaltung“. All das sei ein Ausdruck der Todesstimmung der Deutschen. „Sie haben Mauern wie ein Schutzwall, ein Auto wie ein Panzer und ein Bett wie ein Sarg“, stellte er fest, bevor er ein Konfetti-Feuerwerk zündete, um die nachdenkliche Stille zu brechen.

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