Jobantritt mitten in der Corona-Krise: Die neue Chefin der VHS nimmt es mit Humor

dzBildung

In wenigen Tagen geht das neue Kursprogramm der VHS online - ein Programm, das es so in 100 Jahren Volkshochschule noch nicht gegeben hat. Corona hat vieles verändert - auch den Start der neuen VHS-Chefin.

Unna

, 31.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer regelmäßig Qigong praktiziert, den bringt vermutlich so schnell nichts aus der Ruhe. Die chinesische Bewegungsform verbindet Meditation mit Bewegung - und soll zur Stabilisierung des Energiehaushaltes beitragen. Bei Brigitte Schubert scheint das geklappt zu haben. Die neue Leiterin der Volkshochschule Unna Fröndenberg Holzwickede wirkt wenige Wochen nach ihrem Amtsantritt entspannt - und das obwohl sie ihren Job mitten in der Corona-Krise antrat.

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„Dass ich mich gleich zu Beginn meiner Arbeit mit Hygiene-Konzepten und Abstandsregeln befassen muss, hätte ich nicht gedacht, als ich mich beworben habe“, erinnert sich Schubert an den Beginn des Jahres. Dass die Nachfolge von Rita Weißenberg als VHS-Leitung für sie interessant sei, wusste sie dagegen schon länger. Denn Weiterbildung ist das Kernthema, das sich wie ein roter Faden durch die berufliche Laufbahn von Brigitte Schubert zieht. Über zwölf Jahre war sie zuletzt Studienbereichsleiterin für Gesundheit, Fitness und Ernährung und damit verantwortlich für den mit 70 Dozenten und zwei Dritteln aller Kurse größten Bereich der VHS.

„Die Menschen vermissen die Gruppenaktivitäten. Da schafft die Volkshochschule Bindungen, die während Corona schlagartig fehlten.“
Brigitte Schubert, Leiterin der VHS

Acht Wochen stand der VHS-Betrieb wegen Corona still

Gerade im Gesundheitsbereich stellt die Corona-Pandemie das Team der Volkshochschule vor besondere Probleme: Yoga-Kurse, Wassergymnastik - wie funktioniert das unter Corona-Bedingungen? „Wir haben sehr viel abgesprochen, geplant und organisiert, um die Sicherheit unserer Teilnehmer und unserer Dozenten sicherzustellen und gleichzeitig auch möglichst schnell wieder anfangen zu können“, sagt Brigitte Schubert. Acht Wochen war die VHS „dicht“, alle Kurse im März und April fielen aus. Als die VHS im Mai wieder den Betrieb mit einzelnen Kursen aufnahm, war sie die einzige Volkshochschule im Kreis Unna, die dies so früh tat.

Ein wichtiger Schritt, findet Brigitte Schubert: „Man spürt aus den Anrufen der Menschen einerseits nach wie vor eine große Verunsicherung, was Corona angeht, gleichzeitig merken wir aber auch: Die Menschen vermissen die Gruppenaktivitäten. Da schafft die Volkshochschule Bindungen, die während Corona schlagartig fehlten.“

Welcher Kurs passt zu mir? Auch die persönliche Beratung von potenziellen Teilnehmern muss die VHS während der Corona-Pandemie anders organisieren. Die Sprachenberatung findet am 22. August von 10 bis 13 Uhr statt - allerdings nur mit einem vorher vereinbarten Termin, um Warteschlangen zu vermeiden.

Welcher Kurs passt zu mir? Auch die persönliche Beratung von potenziellen Teilnehmern muss die VHS während der Corona-Pandemie anders organisieren. Die Sprachenberatung findet am 22. August von 10 bis 13 Uhr statt - allerdings nur mit einem vorher vereinbarten Termin, um Warteschlangen zu vermeiden. © UDO HENNES

Semesterstart im Corona-Jahr

Programm ab Samstag online

  • Das zweite Semester 2020 startet am 31. August. Das Programm wird bereits am 1. August online unter www.vhs-zib.de und in der VHS-App zur Verfügung stehen. Ab dem 1. August ist auch die Anmeldung zu den Kursen möglich.
  • Das gedruckte Programm wird ab dem 12. August verteilt. Durch die dynamische Lage in der Corona-Krise behält sich die VHS jederzeit Änderungen vor. Das Semester endet am 24. Januar 2021.

Durch die Abstandsregeln sind die Kurse kleiner

Wenn am 1. August das neue Semesterprogramm erscheint, wird dies ein Programm sein, dass es in der 100-jährigen Geschichte der VHS so noch nicht gegeben hat. „Die Kurse sind natürlich kleiner, weil wir die Abstandsregeln beachten müssen“, erklärt Schubert. Was passiert, wenn sich mehr Menschen anmelden, als es Plätze gibt? „Dann versuchen wir, für jeden Kurs die bestmögliche Lösung zu finden. Das kann eine Mischung aus Präsenz- und Digitalunterricht sein oder ein Kurs findet in zwei Gruppen entweder direkt hintereinander oder im wöchentlichen Wechsel statt; das müssen wir dann mit den Teilnehmern und den Dozenten klären“, kündigt die neue VHS-Chefin an.

Die Möglichkeiten, den Kurs live in die Wohnzimmer der Teilnehmer zu streamen, gibt es bei der Volkshochschule. Auch andere digitale Formate sind denkbar - und wurden durch die Corona-Krise in ihrer Entwicklung beschleunigt. „Das ist ganz klar eine didaktische Herausforderung für unsere Dozenten, die uns auch langfristig beschäftigten wird“, ist sich Brigitte Schubert sicher. Mit entsprechenden Fortbildungsangeboten versuche man, die Dozenten dabei bestmöglich zu unterstützen.

„Das ist ganz klar eine didaktische Herausforderung für unsere Dozenten, die uns auch langfristig beschäftigten wird.“
Brigitte Schubert über neue Unterrichtsformate in Corona-Zeiten

Ein Lieblingsthema von Brigitte Schubert: Nachhaltigkeit

Zeit, selbst einen Kurs zu leiten, hat Brigitte Schubert spätestens seit ihrem Jobantritt am 1. Juli nicht mehr. „Das ist schade, aber gleichzeitig plane ich auch einfach sehr gerne. Die Erstellung des Programms ist mit das Schönste: Welche Themen sind gut? In welchen Formaten können wir sie anbieten? Welche Dozenten können wir dafür gewinnen? Mit diesen Fragen beschäftige ich mich gerne“, sagt sie. Ihre große Vision ist das Thema Nachhaltigkeit, das sie gerne in allen Studienbereichen verankern will. „Da gibt es sehr viele schöne Ansätze, mit denen man arbeiten kann.“

Und welchen Kurs würde die Chefin der VHS besuchen, wenn sie die Zeit dafür hätte? „Oh, das wäre ganz klar Spanisch“, kommt Brigitte Schuberts Antwort schnell, „das lerne ich gerade und das würde ich gerne vertiefen.“ Qigong dagegen muss sie nicht mehr lernen - den Kurs dazu hat sie im vergangenen Semester selbst geleitet. Und ganz offensichtlich dabei die nötige Gelassenheit für ihren neuen Job gelernt.

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