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Was müsste in die Eissporthalle investiert werden, um sie weiterzubetreiben? Es geht um Millionen Euro, um wie viele, da gehen die Meinungen aber weit auseinander. Teil 2 unseres Interviews beschäftigt sich mit den notwendigen Investitionen.

Unna

, 21.05.2019 / Lesedauer: 10 min

Der Tag der Entscheidung rückt näher. Am 26. Mai stimmen die Unnaer ab, ob sie die Eissporthalle erhalten wollen oder ob sie wie vom Rat beschlossen abgerissen wird. Über die Eissporthalle diskutierten Wilhelm Ruck und Ingo Malak von der Bürgerinitiative „Unna braucht Eis“ im Redaktionsgespräch mit Unnas Bürgermeister Werner Kolter und der Beigeordneten Kerstin Heidler. Das Gespräch führten Chefredakteur Volker Stennei sowie die Redakteure Dirk Becker und Thomas Raulf. Wir veröffentlichen das Interview in mehreren Abschnitten vor dem Tag des Bürgerentscheids am 26. Mai.

Es wurden während des Betriebs der Eissporthalle durch die private Betreibergesellschaft von der Stadt 40.000 Euro jährlich an Investitionszuschüssen gezahlt. Einmal ins Verhältnis gesetzt zu den jetzt für die Sanierung von der Stadt aufgerufenen über acht Millionen Euro: Hat die Stadt da nicht große Versäumnisse begangen? Wurde das über Jahre komplett falsch eingeschätzt, sodass sich jetzt ein Investitionsstau aufgebaut hat, der wesentlicher Teil des Problems ist?

Bürgermeister Werner Kolter: Die damalig im Raum stehenden kurzfristigen Investitionen in früheren Gutachten waren deutlich geringer. Es ging um 1,2 Millionen Euro. Der Rat hat diese Zahlen alle gekannt, und der Beschluss war: Wir können es uns zu dem Zeitpunkt nicht erlauben, diese Summe in eine Eishalle zu investieren. Jetzt geht es um eine Grundsatzentscheidung. Nach den gesetzlichen Bestimmungen für einen Bürgerentscheid musste die Stadt eine valide, belastbare Kostenberechnung und Kostenschätzung für die Zukunft vornehmen. Deswegen gibt es das Gutachten für eine Betriebszeit von 25 bis 30 Jahren. Um diesen Zeitraum hatte sich bei früheren Betrachtungen noch niemand gekümmert. Die grundsätzliche Frage ist: Was muss für die nächsten 25 bis 30 Jahre gemacht werden in Sachen Brandschutz, Fluchtwege, Elektroanlagen, Statik, Dachkonstruktion? Das ist von Fachingenieuren belastbar ausgearbeitet und begleitet worden.

Wenn es diese Bestandsaufnahmen in früheren Jahren auch gegeben hätte, wäre zweifellos immer wieder herausgekommen, dass ein Riesen-Investitionsstau aufgebaut worden ist. Wer allein den „schangeligen“ Schriftzug „Eissporthalle“ sieht, der bekommt einen Eindruck, mit wie wenig Intensität an dem Bestand städtischen Vermögens in den vergangenen Jahren gearbeitet worden ist.

Kolter: Diesen Vorwurf kann man natürlich bei der Fülle der anstehenden Investitionsmaßnahmen machen. Diese Stadt hat in den 70er- und 80er Jahre eine große Infrastruktur aufgebaut - Schulen, Kindergärten, Sporteinrichtungen - und auch eine Stadthalle. In alle diese Gebäude sind 40 Jahre lang Unterhaltungsinvestitionen getätigt worden. Alle diese Gebäude geraten nun aber in der gleichen Phase in eine grundsätzliche Lebensdauer-Investition.

In der einen Einrichtung funktioniert es, in der anderen Einrichtung nicht.

Kolter: Hier zwingt uns die Haushaltssituation, zu priorisieren. Am Ende hat der Rat Entscheidungen zu treffen, welche Maßnahmen durchgeführt werden müssen. Vorrang müssen Schulen und Kindergärten haben.

Aber wir reden heute nicht über Schulen, sondern über Freizeiteinrichtungen.

Kolter: Aber man muss doch anerkennen, dass die Schulen, Kindergärten und andere Pflichteinrichtungen vorgehen. Und bei freiwilligen Leistungen muss der Rat priorisieren. Da hat er getan und entschieden: Bei der Eishalle können wir uns diese Investition nicht leisten. Politik ist immer eine Priorisierungsfrage, weil sie immer unter knappen Bedingungen Entscheidungen treffen muss.

„Politik ist immer eine Priorisierungsfrage, weil sie immer unter knappen Bedingungen Entscheidungen treffen muss.“
Bürgermeister Werner Kolter

Wilhelm Ruck „Unna braucht Eis“: Ich glaube eher, dass die Politik die Eishalle nicht wollte. Ich zitiere die Grünen. Sie bringen es auf den Punkt: „Wir sind weiterhin wie bisher für das seit Jahren geplante Auslaufen der Eishalle.“

Kolter: Ja, das haben die Grünen immer formuliert als Politikansatz. Eissport sei weder ökologisch wegen des Energieaufwands, noch habe es die Breite des Publikums. Das war immer klare Position der Grünen.

Ruck: Aber ich glaube, das war nicht nur Politik der Grünen. Ich glaube, dass es allgemein so rübergekommen ist, dem Bürger gegenüber, dass der Rat die Halle nie wollte. Es war immer geplant, die Eishalle zu schließen. So ist es rübergekommen.

Kolter: Es war geplant, wenn möglich, die Eishalle aus der Belastungsstruktur des städtischen Haushalts herauszunehmen. Wir hatten immer die Option, dass die „Ice & Fun GmbH“ in der Lage war, die Eishalle weiterzuführen.

„Ich glaube eher, dass die Politik die Eishalle nicht wollte.“
Wilhelm Ruck, „Unna braucht Eis“

Die Eishalle hat in den letzten Jahren aber einen nicht-vermarktungsfähigen Zustand angenommen.

Kolter: Viele Themen wurden ja erst in den letzten Jahren immer deutlicher. Die Eisaufbereitungsanlage ist zum Beispiel ein wesentlicher Teil des Investitionsstaus. Hinzu kommen weitere Fragen, wie zum Beispiel die Notwendigkeit einer neuen Betriebsgenehmigung inklusive eines neuen Brandschutzkonzeptes. Das stand vorher nicht im Fokus. Das sind alles Entwicklungen, die sich aus Veränderungen und Novellierungen des Bauordnungsrechts ergeben haben.

Aber warum hat die Stadt genau dieses Thema 30 Meter weiter, bei der Stadthalle, sehr wohl auf dem Radar gehabt, und bei der Eishalle nicht?

Kolter: Weil der Rat beschlossen hatte, die Stadthalle zu modernisieren. Auch dort standen später aufgetretene Fragen vorher nicht zur Debatte. Bei der Stadthalle mussten wir nachfinanzieren, weil weitere erforderliche Maßnahmen bezüglich der Klimatechnik und des Brandschutzes die ursprüngliche Kostenschätzung deutlich erhöht haben.

Ingo Malak „Unna braucht Eis“: In der Ratsvorlage vom 18.06.2018 wurden Kosten für die Eishalle beziffert. Da lag das Investitionsvolumen insgesamt bei 1,2 Millionen. Dachsanierung und Brandschutz sind inklusive. Da fragt man sich natürlich schon, wie man zu einer Versechsfachung der Investitionskosten kommen kann in weniger als einem Jahr. Das ist erstaunlich. Und ehrlicherweise sind die Zahlen, die die Verwaltung ursprünglich geliefert hat, viel näher an unseren Zahlen als an denen der späteren Machbarkeitsstudie. Ich finde das auffällig. Ich glaube auch, dass in dieser Machbarkeitsstudie viele goldene Wasserhähne verplant wurden. Die könnte man ganz bequem da wieder rausstreichen. Das geht bei den Hallenböden los und ließe sich beliebig fortsetzen. Insgesamt kann ich nicht nachvollziehen, man habe die Kosten nicht auf dem Schirm gehabt.

Investitionen zwischen Notwendigkeiten und „Blattgold“ auf dem Hallenboden

Ingo Malak von „Unna braucht Eis“ nennt verschiedene Teile der Eishalle, die weit günstiger instandgesetzt werden könnten, also vom städtischen Gutachter vorausgesagt. © Marcel Drawe

Kolter: In dieser Vorlage steht, Investitionen sind kurzfristig und unabweisbar notwendig. Das sind Maßnahmen, die sofort gemacht werden müssten, um morgen früh überhaupt daran zu denken, die Halle wieder zu öffnen. Darüber hinaus besteht für uns die Pflicht, zu sagen: Wenn wir die Bürger um eine Entscheidung bitten, müssen sie wissen: Was kommt in den nächsten Jahren mittel- und langfristig auf sie zu? Das ist der entscheidende Unterschied. Außerdem bestand im Juni 2018 noch nicht die Notwendigkeit, bestimmte Fachingenieure für die Kostenschätzung einzubinden. Für die Kostenschätzung für den Bürgerentscheid mussten aber Fachingenieure für die Themen Statik, Brandschutz und andere notwendige Maßnahmen hinzugezogen werden. Und diese Summe liegt dann für eine 25- bis 30-jährige Nutzungsdauer bei 8,25 Millionen Euro. Zwischen dieser langjährigen Perspektive und dem, was kurzfristig nötig ist, da ist die Differenz, glaube ich, begründbar.
Malak: Das glaube ich nicht. Denn wenn wir über eine Dachsanierung sprechen, dann ist das Dach eben saniert. Jetzt kostet die Dachsanierung eine Million, und 2018 war von 120.000 Euro die Rede.

Kolter: Das war eine Kostenschätzung für eine kurzfristige Reparatur an bestimmten Stellen. Das andere ist die grundlegende Dachsanierung. Dies ist jetzt bei der eingehenden Überprüfung durch die Fachingenieure, nachdem die Planen von der Decke genommen worden waren, deutlich geworden.

Ruck: In der Machbarkeitsstudie steht, dass man es auch reparieren kann. Darauf wird nur nicht weiter eingegangen.

Kolter: Ja, es gibt laut Gutachten auch in der Literatur einen Hinweis, dass man diese speziellen Leimbinder verwenden kann. Die Gutachter vertreten aber die Ansicht, dass dieses Verfahren keine Genehmigung erhalten würde. Das ist vielleicht auch noch einmal ein Streitpunkt. Da reden wir über 800.000 Euro. Aber es ändert ja nichts an der Aussage: Die dauerhafte Sanierung ist wesentlich teurer, als die WBU es selber damals in ihrer Verantwortung eingeschätzt hätte. Sie hat zum damaligen Zeitpunkt ermittelt, dass kurzfristig 1,2 Millionen Euro notwendig sind. Und das war es auch, was am Ende die „Ice & Fun GmbH“ dazu gebracht hat, zu sagen: Das kriegen wir nicht dargestellt.

Heidler: Die WBU hat 2018 allein für die kurzfristig erforderlichen und unabweisbaren Investitionen ein Volumen von 1,2 Millionen Euro ermittelt. Da hat man schon gesagt: 1,2 Mio. Euro sind zu viel. Wir brauchten an der Stelle dann nicht noch mal die Fachgutachter für einen langfristigen Betrieb. Doch aufgrund des Bürgerbegehrens war es notwendig und gesetzlich vorgeschrieben, eine valide Kostenschätzung vorzunehmen. Dabei wurden die höheren Kosten ermittelt.

Ruck: Wir nehmen unsere Zahlen ja auch nicht aus der Luft. Wir haben auch ein Unternehmen beauftragt, um das Dach zu begutachten. Wir haben selbst 850 Euro investiert für deren Arbeit. Wir haben 300 Euro für eine Hebebühne ausgegeben. Die waren da einige Stunden zugange. Und was die geschrieben haben in ihrem Angebot, das nehmen die nicht aus der Luft. Die arbeiten mit der Universität Stuttgart zusammen, die gerade in diesem Bereich Leim-Holzbau spezialisiert ist. Und dem glauben wir einfach. Daher kommen diese Angebote.

Nebenan in der Stadthalle ist eine ähnliche Situation wie in der Eishalle. Man beginnt also mit der Sanierung der Stadthalle, um sich dann zu erschrecken, was noch alles daran gemacht werden muss, und nachzufinanzieren, weil weitere Gewerke, Auflagen und Erkenntnisse dazu kommen. Bedeutet das, dass bei der Stadthalle nicht mit der gleichen Validität und Seriosität die Planung angegangen wurde, wie Sie es jetzt bei der Eishalle erwarten?

Kolter: Es hat in der Entscheidung zur Stadthalle natürlich eine seriöse Vorplanung gegeben. In dieser Vorplanung sind auch Kostenschätzungen offengelegt worden. Das war die Grundlage für einen Beschluss des Rates. Ich glaube, da ist auch von belastbaren Zahlen ausgegangen worden. Soweit sind wir bei der Eishalle noch gar nicht. Wenn man heutzutage bei Gebäuden aus den 70er-Jahren anfängt zu bauen, dann erlebt man viele Überraschungen.

Das heißt, Sie glauben, dass bei den 8,25 Millionen noch eine Wundertüte oben drauf kommen kann?

Kolter: Ich gehe davon aus, dass die Kostenvorhersage belastbar ist und wir da eher auf der sicheren Seite sind. Aber Überraschungen kann man auch bei einem komplizierten Gebäude, wie es die Eishalle ist, erleben. Das kennt ja jeder private Bauherr. Auch in anderen Kommunen tritt diese Thematik der Probleme in Gebäuden aus den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts verstärkt auf.

Wie soll der Wähler das nun alles abwägen: Glaube ich an zwei Millionen Euro, glaube ich an acht Millionen?

Malak: Das ist natürlich schwierig für den Wähler. Aber wenn wir mal das Dach betrachten: Eine Reparatur der Risse ist möglich. Die Risse werden unter hohem Druck mit Epoxydharz verpresst. Und das dient dazu, die Stabilität des Dachs wiederherzustellen, laut Aussage der Universität Stuttgart für 30 Jahre. So. Das ist ein Aspekt. Da geht es um 800.000 Euro. 800.000 hier, 800.000 dort, da ist man schnell runter von den hohen Kosten.
Es geht auch um die Hallenböden. Die Böden, die vorgeschlagen wurden, sind sehr hochwertig. Die kann man verwenden, aber so etwas würde man in keiner Eishalle verwenden. Man legt sich halt kein Blattgold auf den Boden. Man macht es so, dass man etwas Vernünftiges hat. Das muss man vielleicht auch einmal grundsätzlich sagen: Eishallen sind wie alle Sporteinrichtungen keine Hochglanzanlagen. Egal wo man hinfährt: Selbst Vereine, die in der Liga spielen, haben Hallen, bei denen man beim Reinkommen denkt: Es ist alles ein bisschen angeranzt. Aber es funktioniert. Darum geht es. Diese klassischen, einfachen und rutschfesten Sportböden reichen aus. Man braucht keinen Jaguar, man braucht einen Golf. Es gibt für alles auch billige Lösungen. Da ist Luft, massig Luft in diesen ganzen Angeboten.

„Man braucht keinen Jaguar, man braucht einen Golf.“
Ingo Malak, „Unna braucht Eis“

Ruck: Und so kaputt sind die Böden in der Halle gar nicht.

Kolter: Jeder Bürger kann unser Gutachten lesen. Das steht öffentlich und transparent im Internet. Und ich glaube, da wird deutlich: Man hat ein Gutachten aufgelegt, bei dem man sich der renommiertesten Fachbüros der Region bedient hat. Und gleichzeitig hat man ein Konzept erarbeitet, das für einen Zeitraum von 25 bis 30 Jahren halten soll. Deswegen geht es auch um bestimmte Qualitätsstandards, ohne dass Blattgold verlegt wird. Das Büro Weicken, das das Gutachten erstellt hat, ist auch dafür bekannt, dass es mit größter Kompetenz sehr pragmatisch an Lösungen herangeht.
Diese Eishalle ist auch als Veranstaltungshalle gebaut worden. Sie hat eine entsprechend große Tribüne und die dafür notwendigen Nebenanlagen. Dieses Gebäude energetisch und zukunftsfähig weiterzuentwickeln, ist eine Riesen-Herausforderung. Dies gilt auch für eine Tribüne mit 3000 Plätzen, die in den letzten Jahren in dieser Form so nicht mehr genutzt worden ist.

Investitionen zwischen Notwendigkeiten und „Blattgold“ auf dem Hallenboden

Bürgermeister Werner Kolter meint, die Eishalle zu sanieren, sei eine „Riesen-Herausforderung“. © Marcel Drawe

Wäre das Gutachten möglicherweise anders ausgefallen, wenn man nur gefragt hätte, was passieren muss, damit der Eissport noch zehn Jahre lang betrieben werden kann? Wären dann möglicherweise ganz andere Werte herausgekommen?

Heidler: Ein Großteil dieser Summe muss laut Gutachten kurzfristig investiert werden. Selbst, wenn man nur von einer Betriebszeit von zehn Jahren ausgeht, wird man die vollständige Summe in die Hand nehmen müssen. Ich würde aber gerne mal eine Frage in den Raum stellen: Wir als Stadt tragen ja die Verantwortung dafür, dass eine gefahrlose Nutzung dieser Halle gewährleistet ist. Selbst wenn man die bestehenden Risse in der Dachkonstruktion schließt, stellt sich doch die Frage, ob dies dauerhaft ausreicht oder nicht doch die Notwendigkeit besteht, das Dach komplett zu erneuern? Hilft es mir da wirklich weiter, wenn ich die Risse nur verschließe? Wir als Stadt müssen am Ende im Ernstfall die Haftung übernehmen.

„Wir als Stadt tragen die Verantwortung dafür, dass eine gefahrlose Nutzung dieser Halle gewährleistet ist.“
Beigeordnete Kerstin Heidler

Malak: Ich glaube, man muss mit diesem Angst-Argument vorsichtig sein. Das ist keine gute Diskussionsgrundlage. Natürlich kann ich Ängste verbreiten. Aber unter dem Strich gibt es keine Anhaltspunkte dafür. Nirgendwo steht drin, dass die Halle einsturzgefährdet ist. Das hätte Weicken bestimmt in das Gutachten geschrieben, wenn es so wäre. Im Gutachten steht, eine Instandsetzung der Risse ist möglich. Und wenn mir dieses Büro das so schreibt, und Sie sagen ja, das sind exzellente Fachleute, dann muss man doch in dem Aspekt unterstellen, dass sie wissen, was sie da schreiben. Ich lasse auch das Argument Bad Reichenhall nicht gelten. Da schwingt unterschwellig mit: Morgen fällt Euch das Dach auf den Kopf. Und das ist nicht so.

Kolter: Die Diskussion um Bad Reichenhall haben wir 2007 geführt. Die ist erledigt. Der Halleneinsturz in Bad Reichenhall war Auslöser einer intensiven statischen Untersuchung auch in Unna. Das Ergebnis war: Ihr habt ein Problem. Aber dieses Problem ist für einen begrenzten Zeitraum gelöst worden. Nämlich für den, den man im Auge hatte: bis 2020. Das war immer der Beschluss des Rates, die Halle abzugeben oder nicht weiter zu betreiben. Und genau jetzt stellt man fest: Wir haben erneut ein Problem am Dach. Das ist ein Thema, dem wir uns stellen müssen. Da wird man am Ende auch noch mal einen zweiten Gutachter dazu nehmen. Ob nun eine Universität eine Aussage zu Epoxydharz macht oder nicht: Am Ende brauchen Sie dafür eine behördliche Genehmigung und einen grünen Stempel der Bauordnungsbehörde. Sie können niemanden anweisen, diesen grünen Stempel zu machen – das ist auch gut so in Deutschland. Diesen Genehmigungsstempel setzt in Deutschland nur jemand, der inhaltlich davon überzeugt ist, nach bestem Wissen und Gewissen alles geprüft zu haben. Denn sonst zieht die Staatsanwaltschaft als erstes diese Akte in dem Büro. Und dann wissen wir, wie diese Prozesse ausgehen. Deswegen: Klare Sache - das muss fachlich entschieden werden.

Hält die Bürgerinitiative es auch für möglich, dass ihre Kostenschätzung letztlich zu niedrig ist?
Ruck: Wir sind jetzt bei knapp 2,5 Millionen Euro netto. Wir haben das jetzt noch einmal gegengecheckt. Grundsätzlich glauben wir, dass es dabei bleibt.

Malak: Man sollte sich jetzt auch nicht hinstellen und sagen: Das ist jetzt die Zahl. Das wäre auch nicht redlich. Aber ich glaube, das sind realistische Größenordnungen. Wir haben einen großen Teil dieser Summen auch mit Angeboten von Firmen hinterlegt. Die liegen uns vor. Das sind Zahlen, mit denen man arbeiten kann. Aber natürlich erheben wir auch nicht den Anspruch zu sagen: Das ist es jetzt.

Kolter: Die Bürgerinitiative hat uns ihre Zahlen nicht vorgelegt. Wir konnten diese Zahlen nicht prüfen. Die stehen im Raum, die Initiative hat sie begründet. Ich kann die Gutachten vorlegen, die unsere Ingenieure errechnet und veröffentlicht haben. Die spiegeln den Stand im Februar 2019 wider. Wir wissen, dass wir Preissteigerungsraten im Baugewerbe haben, die beachtlich sind. Bis zum Bau können Sie nach meiner Einschätzung eine mindestens zweistellige Zuwachszahl dazurechnen. Mindestens. Zehn Prozent in einem Jahr sind im Moment ganz normale Entwicklungen im Baugewerbe.

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