Integrationskurse mit Kinderbetreuung – damit trifft der Verband „In Via“ in Unna einen Nerv. Doch der Bedarf ist so groß, dass nun dringend weitere Räume benötigt werden.

Unna

, 15.07.2019, 12:44 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie kommen aus Syrien, der Türkei oder Afghanistan und sie alle wollen Deutsch lernen. Die Frauen, die seit Januar jeden Tag fünf Schulstunden lang einen Integrationskurs im Gemeindezentrum „Brücke“ besuchen, sind auf dem besten Wege, integriert zu werden. Möglich macht dies die Kinderbetreuung, die zeitgleich mit dem Integrationskurs von dem Verband „In Via“ angeboten wird.

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350 Frauen im Kreis Unna wollen einen Integrationskurs machen

Es sind kurze Wege hier im Gemeindezentrum der evangelischen Kirche mitten in Königsborn: Während es in einem Kursraum oben um die korrekte Formulierung von Wünschen und Zielen auf Deutsch geht, spielen unten, im Erdgeschoss, neun Kinder mit Bausteinen, Puppen oder legen ein Puzzle zusammen. Es ist diese Kombination, die es vielen Migrantinnen überhaupt erst ermöglicht, einen Integrationskurs zu besuchen.

Sprachkurs mit Kinderbetreuung: So gelingt Integration in Unna

Johanna Wittling von „In Via" © Anna Gemünd

„Wir haben aus mehreren Gesprächen immer wieder herausgehört, dass es offenbar viele Frauen gibt, die gerne einen Integrationskurs machen würden, es aber nicht können, weil sie nicht wissen, wie sie in der Zeit ihre kleinen Kinder betreuen können.“
Johanna Wittling, „In Via“

„Wir haben aus mehreren Gesprächen immer wieder herausgehört, dass es offenbar viele Frauen gibt, die gerne einen Integrationskurs machen würden, es aber nicht können, weil sie nicht wissen, wie sie in der Zeit ihre kleinen Kinder betreuen können“, sagt Johanna Wittling vom katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit „In Via“. Kreisweit beträfe dies rund 350 Frauen, so habe sie es vom Jobcenter erfahren.

Zwei Räume in der „Brücke“ werden zu Integrationsräumen

Die Lösung lag für Johanna Wittling auf der Hand: Es müssten Integrationskurse angeboten werden, zu denen parallel eine Kinderbetreuung stattfindet. „Es geht um kleine Kinder, die noch nicht in die Schule gehen oder einen Kitaplatz haben“, erklärt Wittling. Schnell war klar: Um einen solchen Integrationkurs inklusive Kinderbetreuung auf die Beine zu stellen, braucht es mehr als einen Raum.

Johanna Wittling sprach die evangelische Gemeinde auf die „Brücke“ an. „Dort haben wir bereits einen Raum für einen regulären Integrationskurs angemietet und konnten auch mit diesem Angebot dort hinein“, sagt Wittling.

Der Raum im Erdgeschoss, der für die Kinderbetreuung genutzt wird, musste erst noch komplettt ausgestattet werden. Spielzeug, ein Tisch und Stühle und eine Wickelkommode: Teilweise kaufte „In Via“ die Sachen, teilweise sind es aber auch Spenden von Mitarbeiterinnen.

„Das besondere an dieser Kinderbetreuungsgruppe ist das unterschiedliche Alter“, erklärt Johanna Wittling, „wir haben hier Kinder von neun Monaten bis zu vier Jahren, die gemeinsam betreut werden müssen.“ Drei Betreuerinnen kümmern sich um die Kleinen, spielen mit ihnen, wechseln Windeln, gehen mit ihnen auf die Toilette.

Rückmeldungen von Frauen und Ehrenamtlichen sind sehr positiv

Unterdessen lernen ihre Mütter ein Stockwerk höher Deutsch. Wenn sie morgens um viertel vor neun kommen, bringen sie ihre Kinder in die Betreuungsgruppe – dort bleiben sie bis 13 Uhr, wenn der Integrationskurs endet.

Kontakt

„In Via“ freut sich über Raumangebote

  • Die Integrationskurse, die „In Via“ mit Kinderbetreuung anbietet, richten sich an Frauen, es kann aber durchaus auch gemischte Kurse geben, zu denen eine Kinderebetreuung angeboten wird.
  • „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Frauen es als sehr angenehm empfinden, wenn sie in einer reinen Frauengruppe lernen können. Teilweise haben einige auch Gewalterfahrungen gemacht und fühlen sich unter Frauen einfach wohler“, sagt Johanna Wittling.
  • Der für Frauen ausgelegte Integrationskurs mit Kinderbetreuung umfasst 300 Stunden mehr als ein regulärer Integrationskurs. Am Ende des Kurses legen die Teilnehmerinnen einen Sprachtest auf Niveau A2 oder B1 ab.
  • Anschließend absolvieren sie nochmal 100 Stunden unter dem Thema „Leben in Deutschland“ und legen auch darüber einen Test ab. Dieser ist dem Einbürgerungstest gleichgesetzt.
  • Für die Kurse sucht „In Via“ weitere Räume, die der Verband anmieten kann. Da es sich um sehr kleine Kinder handelt, die betreut werden müssen, sollten die beiden Räume sich im selben Gebäude befinden. Starten würde „In Via“ mit einem weiteren Kurs gerne im Oktober.
  • Wer solche Räume vermieten könnte, kann sich an Johanna Wittling wenden: Telefon: (02303) 986 12 16 oder per E-Mail: jwittling@inviaunna.de

„Das war natürlich am Anfang erst eine Eingewöhnungsphase“, erinnert sich Johanna Wittling, „viele der Kinder sind ja noch so klein, dass sie nicht sprechen und diejenigen, die schon sprechen, reden auch nicht unbedingt als Erstes auf Deutsch.“

Doch mittlerweile hat sich alles gefunden – und die Rückmeldungen, die Johanna Wittlting erhält, sind sehr positiv: „Die Frauen selbst, aber auch Ehrenamtliche, die sie betreuen, sagen uns, dass das Angebot eine sehr gute Idee sei und dass es noch viel mehr Frauen gibt, die auch daran teilnehmen wollen.“

Händeringend weitere Räume gesucht

Wenn der aktuelle Kurs endet – das wir dim Januar 2020 der Fall sein – startet sofort eine nächste Runde. Doch angesichts der großen Nachfrage könnte Johanna Wittling schon morgen einen zusätzlichen Kurs aufmachen – wenn sie die Räume dafür hätte. „Wir brauchen dringend Räume, um einen weiteren Kurs unterzubringen. Ideal wären zwei Räume für die Kinderbetreuung und zwei Kursräume im selben Haus. Dann hätte man die Möglichkeit, die Kinder nach Altersgruppen aufzuteilen“, sagt Wittling.

Idealerweise befinden sich die Räume in Unna oder Königsborn, da dort die meisten Frauen wohnen, die Interesse an einem solchen Kurs haben. „Wichtig ist auch, dass der Raum montags bis freitags vormittags nutzbar ist“, sagt Wittling. Sie hofft, dass sich bei ihr jemand meldet, der solche Räume zur Verfügung stellen kann. Für die Integration junger Müttter in Unna wäre dies ein wichtiger Schritt.

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