Blühflächen sollen Insekten fördern - Naturschützer halten die Flächen jedoch für dürftig

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Mit angelegten Blühstreifen möchte Landwirtin Katrin Westermann aus Unna dem Insektensterben entgegenwirken. Diese Maßnahme wird von Naturschützern oft als unzureichend kritisiert.

Unna

, 08.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Katrin Westermann aus Unna will die Artenvielfalt von Insekten fördern: Auf ihren Selbstpfückerfeldern in Unna und Mühlhausen sät die Landwirtin neben Schnittblumen daher auch mehrjährige Blühmischungen aus, die besonders Wildbienen als Lebensraum dienen sollen. Dabei gibt es aber auch Kritikpunkte, wie Andreas Förster vom Naturschutzbund (Nabu) Unna weiß.

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Der Vorteil ihrer mehrjährigen Blühmischung liegt für Westermann auf der Hand: Während der Blütezeit spenden Pflanzen den Wildbienen Pollen und Nektar; nach der Blütezeit bleibe ein weiterer Nutzen bestehen: „Abgestorbene Stängel werden von Wildbienen etwa als Brutstätte genutzt und dienen so als natürliches Insektenhotel“, sagt die Landwirtin. Außerdem werde die Bodenfläche über einen längeren Zeitraum hinweg der Natur überlassen, es erfolgt weder die Bodenbearbeitung noch eine Düngung, auch Pflanzenschutzmaßnahmen bleiben aus.

Andreas Förster vom Nabu Unna sieht dennoch einige Kritikpunkte: „Der Blütenreichtum bei angelegten Flächen nimmt im Laufe der Jahre häufig ab, weil viele eingesäte Pflanzen nach und nach ausfallen“, sagt er. „Dann müssen sich die Insekten ein neues Zuhause suchen.“

Mehrjährige Mischung aus regionalen Blühpflanzen

Eine ähnliche Erfahrung hat Westermann tatsächlich in der Vergangenheit gemacht: „Weil der Grasanteil in vorherigen Blühmischungen zu hoch war, konnten sich die Blumen nicht durchsetzen und kamen kaum hoch“, sagt sie. Mittlerweile habe sie ihre Mischung jedoch angepasst: Nun bestehe diese zu hundert Prozent aus Kräutern und treibe so über fünf Jahre unterschiedliche regionale Blühpflanzen aus.

Mit diesem Ergebnis ist Westermann zufrieden, genauso wie ihre Kunden: „Einige Besucher der Selbstpflückerfelder schneiden statt der typischen einjährigen Schnittblumen auch bunte Sommersträuße aus der Blühmischung“, sagt sie. Schon oft habe die Landwirtin von ihren Kunden gehört, dass diese damit Kindheitserinnerungen verbinden. Denn besonders auf dem Land habe es früher vermehrt natürliche Blühflächen gegeben.

Blühstreifen oft nur für Wildbienen statt für alle Insekten von Vorteil

Diese wünscht sich auch Andreas Förster vom Nabu zurück: „Es fehlt uns an historisch, natürlich gewachsenem Grünland“, sagt der Naturschützer. „Wir brauchen mehr artenreiche Wiesen.“ Diese zögen auch weitere Insekten wie Käfer und Wanzen an. Blühstreifen hingegen beheimateten oftmals ohnehin schon häufigere Arten wie Honigbiene und Hummel.

Westermann ist sich dieser Kritik durchaus bewusst. Allerdings versucht sie, als Landwirtin und Imkerin zugleich, einen Mittelweg zu finden: „Blühstreifen werden von Hardcore-Ökos oft als insektenarm kritisiert, aber immerhin wird Wildbienen dort ein Lebensraum geboten. Das ist besser als nichts“, sagt sie. Denn eigentlich verfolgen die Landwirtin und der Naturschützer ein gemeinsames Ziel: Insekten einen Lebensraum zu bieten. Und Wildbienen in Blühstreifen sind ein guter Anfang.

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