Dass die Gesamtschulen von den neuen Regeln des „gemeinamen Lernens“ überlastet werden könnten, war schnell klar. Beim näheren Hinsehen erweist sich das Problem aber als viel schwieriger.

Unna

, 28.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr Inklusionskinder ab Klasse 5 bedeuten weniger Oberstufenschüler nach Jahrgang 10. Kleineren Gesamtschulen drohen Probleme bei der Bildung einer Oberstufe. Ihnen droht der Verlust eines unverzichtbaren Angebotes in dieser Schulform - und damit ihrer Existenzberechtigung.

Erlass

Inklusion nur an den Gesamtschulen

Ein Runderlass des Ministeriums für Schule und Bildung in NRW will die schulische Inklusion neu regeln. Das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne besonderen Förderbedarf wäre danach alleinige Aufgabe der Gesamtschulen. Der Erlass sieht darin eine „Konzentration“, Schulpolitiker befürchten eine Überforderung der Gesamtschulen.

Es scheint ein Szenario zu sein, das offenbar auf Landesebene nicht bedacht worden ist, aber in Unna zu Problemen führen kann. Dementsprechend alarmiert reagiert die Schulverwaltung: Bevor sich am nächsten Montag der Schulausschuss mit dem umstrittenen Ministererlass zur Neuausrichtung der schulischen Inklusion befasst, gibt es erst noch einmal eine interne Runde in der Verwaltung. Im Mittelpunkt scheint die Werner-von-Siemens-Gesamtschule in Königsborn zu stehen. Denn die jüngere der beiden Gesamtschulen in Unna ist auch deutlich kleiner als die Peter-Weiss-Gesamtschule in der Innenstadt. Und dort könnte die neue Inklusionsregel dazu führen, dass es in absehbarer Zeit Probleme beim Bilden einer Oberstufe gibt. Zumindest das markante pädagogische Profil der kleinen Gesamtschule wäre bedroht.

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An der Königsborner Gesamtschule gibt es „nur“ vier Eingangsklassen. Maximal würden in einem Jahr 120 Fünftklässler aufgenommen. Die Mehrheit von ihnen wird ihren Lern- und Lebensweg nach der zehnten Klasse außerhalb der Schule fortsetzen. In den vergangenen Jahren lag die Übergangsquote in die Oberstufe bei 40 bis 45 Prozent - was zunächst kein Anlass zur Sorge ist, gehört es doch gerade zu den Qualitäten der Gesamtschulen, dass sie alle Schulabschlüsse aus einer Hand anbietet.

Ein früherer Lehrer schlägt Alarm

Dass sich dabei ein Problem auftun könnte, war in Unna nun einem pensionierten, aber immer noch engagierten Pädagogen aufgefallen: Ulrich Knies schnitt dieses Thema bereits vor einigen Tagen bei der Versammlung seines SPD-Ortsvereins in der Oberstadt an. Im Nachgang rechnete er die Folgen des Inklusionserlasses am Fallbeispiel der Gesamtschule in Königsborn durch - und kam zu einem besorgniserregenden Befund.

Inklusion senkt auch die Aufnahmekapazitäten

Zunächst einmal würden an beiden Unnaer Gesamtschulen die Aufnahmekapazitäten sinken. In Königsborn liegt die beabsichtigte Klassenstärke bei 27 Schülerinnen und Schülern, die maximale bei 30. In einer Klasse, in der Kinder mit besonderem Förderbedarf mit beschult werden, sinkt die Klassenstärke allerdings auf 25. Zieht man von diesen Schülerinnen und Schülern noch die Inklusionskinder ab, verbleiben 22 „normale“.

Für die Bildung einer Oberstufe scheint dies die relevante Zielgruppe zu sein. Der überwiegende Teil der Inklusionskinder an Unnaer Schulen ist nicht einfach körperbehindert, sondern durch seelische oder geistige Behinderungen lernbeeinträchtigt. Bei vier Klassen würde die Gesamtschule in Königsborn also 88 Aspiranten für eine Oberstufenlaufbahn aufnehmen. Bei den bisherigen Übergangsquoten würden aber nicht einmal 40 von ihnen nach der Mittleren Reife das Abitur angehen. „Das würde keine effektive Oberstufenbildung mehr zulassen“, schreibt der frühere Lehrer Knies in einer kurzen Denkschrift an Parteigenossen in Rathaus und Landtag.

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