Entertainer Harald Schmidt sagte gern „Ja zu deutschem Wasser“. Das tut auch die Umweltberatungsstelle in Unna. Mit einer Wasserentnahmestelle arbeitet sie auch gegen die Plastikmüll-Flut.

Unna

, 18.10.2018, 16:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Umweltberatungszentrum im Rathaus ist die dritte „Refill“-Station in Unna. Wo „Refill“, also auf Deutsch „Nachfüllen“, an der Tür steht, können Menschen hineingehen und sich ein Gefäß kostenlos mit Leitungswasser auffüllen lassen. Vor der Umweltberatung haben bereits die Bündnisgrünen und die Johanniter-Unfallhilfe diese Zeichen an ihren jeweiligen Geschäftsstellen in Unna angebracht. Der Aufwand ist gering und erfordert tatsächlich nur diesen Aufkleber. Die Nachfüllstation ist im Fall der Umweltberatung nichts anderes als die kleine Teeküche, die natürlich einen Wasserhahn hat. „Wir wollen konkret dazu beitragen, dass weniger Plastik produziert und entsorgt werden muss“, sagt Martina Bahde, Umweltberaterin der Verbraucherzentrale. Sie hofft nun wie ihre Kollegin Karin Baumann auf viele Besucher mit leeren Flaschen und Durst.

Bahde berichtet, dass sich der Verbrauch von Mineralwasser in Deutschland innerhalb von knapp 40 Jahren mehr als verdreifacht hat. 40 Liter „Sprudel“ trank ein Deutscher im Schnitt im Jahr 1980. 144 Liter waren es im Jahr 2017. Es war also einmal sehr viel gängiger als heute, seinen Durst mit Wasser „aus dem Hahn“ zu löschen. Umweltberaterin Bahde erinnert daran, dass das „Kraneberger“ nur einen Bruchteil dessen kostet, was Verbraucher selbst für Discounter-Sprudel zahlen müssen. Und das gilt auch dann noch, wenn die Abwassergebühr in den Preis eingerechnet wird.

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Und: Immer mehr von diesem Mineralwasser werde in PET-Einwegflaschen abgefüllt. Eine 25-Cent-Pfandflasche sei zwar eine Pfandflasche, betont Umweltamtsleiter Rolf Böttger. „Aber sie wird trotzdem noch im Rücknahmeautomaten geschreddert.“ Eine aktuelle EU-Strategie sieht vor, dass insbesondere die vielen Einwegverpackungen reduziert werden und nicht weiter zur Verschmutzung der Umwelt und Meere beitragen sollen.

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Nachfüllen, anstatt ein neues Wegwerfgefäß zu kaufen: Das ist auch die Devise der Umweltberatung bei einer Aktion gegen „To-go-Becher“, also Trinkgefäße für Kaffee zum Mitnehmen. Testpersonen hätten Verkaufsstellen wie Bäckereien in Unna besucht mit der Bitte, einen mitgebrachten Becher aufzufüllen. Und siehe da: In der Regel war das kein Problem. So sind Umweltamt und Umweltberatung nun zuversichtlich, dass auch die Wasser-Nachfüll-Initiative vom Handel und der Gastronomie in Unna positiv begleitet wird.

„Ja“ zu Leitungswasser heißt in Unna auch „Nein“ zu Plastikmüll

Eine Initiative für die Nutzung von Leitungswasser und gegen Plastikmüll ist ganz einfach: Zapfen aus dem Hahn. Karin Baumann (l.) und Martina Bahde (r.) bieten das jetzt kostenlos im Umweltberatungszentrum an. Frank Schröder und Rolf Böttger vom Umweltamt unterstützen die Aktion. © Marcel Drawe

Immer mehr setze sich wie beim Thema „Fairtrade“ Problembewusstsein in der Gesellschaft durch, sagt Umweltamtsleiter Böttger. Und die „Macht des Verbrauchers“ könne bei Händlern und Gastronomen viel bewirken. „Wir freuen uns, wenn bald an jeder Ladentür ,Refill‘ steht“, sagt Umweltberaterin Baumann. Das erscheint auch wichtig angesichts der Öffnungszeiten: Bei der Umweltberatung ist die Wasserentnahme zeitlich nur recht eingeschränkt möglich. Geschäfte oder Kneipen, die auch an Wochenenden und auch später abends geöffnet sind, bieten hier großes Potenzial.

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