Stefan Jürgens ist ein Unnaer Kind. Er lebt in Berlin und Wien, aber auch in seiner Geburtsstadt fühlt er sich noch zuhause. Im Interview erzählt er, wann er das nächste Mal heimkommt.

von Jennifer Freyth

Unna/Wien

, 23.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Stefan Jürgens ist Musiker und Schauspieler; wenn er nicht in Österreich und Deutschland auf der Bühne steht, dann steht er an der Donau für Soko Wien vor der Kamera. In einer Drehpause sprechen wir mit dem gebürtigen Unnaer über Nachwuchsförderung und sein Engagement als Juror für den Christian-Tasche-Preis, die Anfänge seiner Schauspielkarriere – und was nach 13 Jahren Soko Wien von Carl Ribarski auf den Menschen Stefan Jürgens abgefärbt hat.

Zur Person

Ein Unnaer Kind

  • Stefan Jürgens ist am 26. Februar 1963 in Unna geboren. Nach seiner Ausbildung als Darsteller an der Westfälischen Schauspielschule in Bochum folgten verschiedene Engagements – vom Schauspielhaus Bochum über das Schauspiel Köln bis hin zum Theater des Westens.
  • Neben seiner Bühnentätigkeit wirkte Jürgens in zahlreichen nationalen und internationalen TV- und Kinoproduktionen mit.
  • Er gehörte 1993 zu den Gründungsmitgliedern von „RTL Samstag Nacht“. Das Comedy-Format lief fünf Jahre lang.
  • Auch als Musiker macht Jürgens von sich reden: 2002 veröffentlichte er sein erstes Soloalbum. Das bislang letzte, „Was zählt“, erschien erst Anfang des Jahres.
  • Seit 2007 spielt Jürgens in der Soko Wien die Rolle des Major Carl Ribarski.
  • Stefan Jürgens hat vier Kinder. Er lebt in Berlin und Wien.

Herr Jürgens, wo erwische ich Sie gerade?

Stefan Jürgens: An der schönen blauen Donau in Wien.

Ihre neue Heimat?

Jürgens: Heimat ist für mich ein Begriff, den ich nicht mit Geografie assoziiere, sondern mit Menschen und Gefühlen. Das ist das, was in einem ist. Was anderes ist, wenn man von Zuhause spricht. Zuhause fühle ich mich allerdings in Wien mittlerweile auch. Neben Berlin und Unna.

Sie sind in Unna geboren. Welche Bedeutung hat ihre Geburtsstadt heute noch für Sie?
Jürgens: Ich habe noch einen sehr, sehr engen Kontakt zu der Stadt. Gott sei Dank. Logischerweise über die Eltern, aber auch über sehr viele freundschaftliche Verbindungen. Ich bin dort nach wie vor gut vernetzt.

Und auch häufig noch hier... Wo kommen Sie dann immer unter, bei Ihren Eltern?

Jürgens: Das könnte ich mir nicht anders erlauben, sonst würde ich ordentlich einen aufs Dach kriegen.

Das nächste Mal kommen Sie im November heim. Sie sitzen beim Christian-Tasche-Filmpreis in der Jury...

Jürgens: Ja, das ist mir eine große Ehre. Mit Christian verbindet mich eine langjährige Freundschaft. Ich habe mit ihm zusammen meinen ersten Kinofilm gedreht. 1991. Nordkurve. Christian ist ein ganz großartiger und wunderbar geschätzter Mensch gewesen. Als er dann so plötzlich von uns ging [Christian Tasche starb 2013 während Tatort-Dreharbeiten an Herzversagen, Anm. d. Red.] und die Idee kam, dieses bestehende Filmfest mit einem Namen zu versehen, der in der Filmwelt klingt und vor allen Dingen auch eine Botschaft vermittelt, war ich natürlich sofort dabei. Christian hat sich immer massiv für die Jugend eingesetzt in unserem Beruf.

„In meiner Anfangszeit gab es ganz schön viel Staub zu schlucken“

Stefan Jürgens kommt regelmäßig nach Unna. Zuletzt gab er Anfang des Jahres zwei Benefizkonzerte in seiner Geburtsstadt. © Marcel Drawe

Wenn Sie all die jungen Talente sehen, werden dann auch Erinnerungen an Ihre Anfänge wach?

Jürgens: Natürlich. Man hat in meinem Beruf zum Glück immer mit jungen Kollegen zu tun. Das ist immer eine große Freude und natürlich ist man dann auch immer sofort wieder bei sich.

Und wie war das bei Ihnen?

Jürgens: Meinen ersten Film habe ich gedreht mit Adolf Winkelmann, besagter Film, den ich mit Christian gedreht habe. Das war sicherlich auch einer der Glücksfälle, die man so haben darf im Leben. Gleich eine große Rolle, gleich mit so einem großartigen Regisseur, gleich so ein großartiges Ensemble. Und gleichzeitig eine Mannschaft vor und hinter der Kamera, die einem das Arbeiten und Lernen lustvoll und leicht gemacht hat. Ich habe eine ganz tolle Erinnerung an diesen Film und meine erste Zeit vor der Kamera, die mich gleich extrem unter Feuer gesetzt hat – im positiven Sinne. Das ist natürlich nicht immer so. Es gab auch andere Zeiten, Momente, in denen man vor Lampenfieber am Anfang kaum richtig sprechen kann.

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Das heißt, Sie fühlen mit den Nachwuchskünstlern, drücken vielleicht auch mal das eine oder andere Auge zu als Juror?

Jürgens: Das sind zwei verschiedene Dinge. Wir beurteilen in der Jury ja Filme von sehr jungen Menschen. Da fantasiert man sowieso schon eine Menge dazu, sonst würde man der Sache ja nicht gerecht werden. Es geht darum, herauszufinden, wo sitzen die Leute, die schon mit 13, 14 Jahren einen vermuten lassen, dass da noch eine Menge hinter steht. Und die gilt es zu fördern.

... mit dem Christian-Tasche-Filmpreis, der mit insgesamt 3500 Euro und jeder Menge Anerkennung dotiert ist.

Jürgens: Ja. Der Christian-Tasche-Filmpreis ist einer der wenigen Preise in Deutschland, der sich die Nachwuchsförderung zur Aufgabe gemacht hat.

Glauben Sie, Nachwuchskünstler haben es heutzutage leichter – auch dank solcher Projekte?

Jürgens: Leichter haben sie es sicher nicht, weil die Konkurrenz erheblich größer geworden ist. Dass es schwerer geworden ist, würde ich nicht unbedingt unterschreiben. Ich kann mich an meine Zeit erinnern, da gab es auch ganz schön viel Staub zu schlucken. Sagen wir mal so: Es bleibt in jedem Fall eine große Herausforderung, sich in dieser Art von Berufen durchzusetzen. Das bedeutet per se, man muss an und sehr oft über die Schmerzgrenze hinausgehen. Ohne das geht es nicht.

Zurück zur Heimat: Wo sehen Sie Ihre künstlerische Heimat? Eher im Schauspiel oder in der Musik?

Jürgens: Das könnte euch so passen, dass ich mich da festlege. Das habe ich mein ganzes Leben noch nicht gemacht und ich werd jetzt nicht bei euch damit anfangen (lacht). Die Frage ist berechtigt, weil es ja zwei Fulltime-Jobs sind. Aber ich könnte jetzt nicht aufhören, Musik zu machen. Ich könnte aber auch nicht aufhören, zu spielen. Warum auch?

„Vieles von Carl Ribarski ist auch in Stefan Jürgens präsent.“
Soko Wien-Schauspieler Stefan Jürgens

Dann haben Sie also genügend Zeit für zwei Fulltime-Jobs?

Jürgens: Naja, mein Tag hat 35 Stunden. Die müssen ja gefüllt sein.

Bleiben wir bei einem der beiden Vollzeit-Jobs. Seit 2007 ermitteln sie in Soko Wien als Major Carl Ribarski. Hat die Kunstfigur Ribarski nach so langer Zeit abgefärbt auf den Menschen Jürgens?
Jürgens: Der Kerl ist mir schon relativ frühzeitig vertraut gewesen. Vieles von Carl Ribarski ist auch in Stefan Jürgens präsent.

Zum Beispiel?

Jürgens: Der Hang, seine Dinge mit sich allein auszumachen; der Hang, manchmal ein bisschen wortkarger zu erscheinen und durchaus auch der Hang, nicht ganz so wahnsinnig gruppenkompatibel zu sein. Da ist schon Vieles drin. Positiv gesagt das Temperamentvolle, negativ gesagt das Aufbrausende. All das, das kenn ich bei mir ja auch.

„In meiner Anfangszeit gab es ganz schön viel Staub zu schlucken“

Seit 2007 ermittelt Stefan Jürgens in Soko Wien als Major Carl Ribarski. Eine Figur, die ihm nicht ganz unähnlich ist. © picture alliance / Petro Domenig

Wenn es Ihnen irgendwann mal reicht als Carl Ribarski, wie würde der perfekte Abgang für Sie aussehen?

Jürgens: (schweigt) Dazu habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht. Ich glaube aber das Konsequenteste wäre, wenn diese Figur irgendwann mal lebenslang hinter Gitter muss (lacht).

Krimi im TV

Am 27. September im ZDF

Die nächste Folge von „Soko Wien“ ist am Freitag, 27. September, zu sehen: um 18 Uhr im ZDF.

13 Jahre Soko Wien ist eine ganz schön lange Zeit für jemanden, der sich nicht über ein Jahr hinaus vertraglich binden möchte. Sie scheinen zufrieden zu sein. Also kann erst einmal alles so weiter laufen?

Jürgens: Wenn ich das Gefühl habe, dass das ruhig alles so weiterlaufen könnte, dann wird mir das schnell fad, wie der Österreicher sagt. Also langweilig. Ich habe mich tatsächlich in den vergangenen 13 Jahren immer nur von einem Jahr zum anderen entschieden. Es war nie so, dass ich gesagt habe, das nächste Jahr wird genau so wie dieses. Das ist etwas, damit kann ich gar nicht umgehen.

Blicken wir nicht ganz so weit in die Zukunft. Was steht in den nächsten Monaten bei Ihnen noch an?

Jürgens: (holt tief Luft) Oh, ich habe noch eine Menge zu tun. Ich habe hier in Wien noch fünf, sechs Wochen zuzubringen, um die restlichen Drehbuchverbrecher zu jagen. Dann ist die Staffel dieses Jahr abgeschlossen. In der Zwischenzeit gehe ich auch noch zwei Wochen auf Tour durch Österreich und Deutschland, ich habe noch 14 Konzerte in diesem Herbst mit meinem Album „Was zählt“, mit dem ich in Unna ja schon Anfang des Jahres war. Und dann, Ende dieser Tour, das wird so Anfang Dezember, mache ich Urlaub. Für bestimmt einen Monat, über Weihnachten bis Neujahr. Anfang des Jahres gehe ich nochmal auf Theatertour für zwei Wochen und dann fange ich allmählich an, in aller Ruhe mich auf mein neues Album vorzubereiten, das ja bald kommen soll.

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Wie urlaubt Stefan Jürgens?
Jürgens: Wenn ich Urlaub mache so wie jetzt im Dezember, dann wird es still und ruhig. Ich werde mich erst einmal zurückziehen. Das ist dann in der Regel irgendwo bei mir zu Hause, wo ich wirklich runterschalten kann. Ich habe jetzt fast zwei Jahre mehr oder weniger ohne Unterbrechung durchgearbeitet, da muss man den Motor erstmal in den Leerlauf kriegen. Das ist ja auch nicht so einfach. Das mache ich dann lieber in sehr, sehr vertrauten Gegenden. Dann kann es aber auch passieren, dass ich sage: Okay, jetzt haben wir mal zwei, drei Wochen und davon wollen wir auch mal ein bisschen was haben und dann fliegen wir oder ich tatsächlich weit, weit weg. Dann muss ich aber schon eine gewisse Erholungsphase hinter mir haben.

Welche Wünsche haben Sie für 2020?
Jürgens: Das sage ich Ihnen nicht. (Schweigt.) Das sage ich kaum mir selber (lacht). Ich habe in meinem Leben schon so viele Haken geschlagen, auch was meine berufliche Karriere angeht. Also Dinge, die nicht eingeplant waren, weil sich kurzfristig Dinge ergeben haben, die ich nicht auf der Rechnung hatte, die aber so spannend waren. Ich habe gelernt, das für mich als erstrebenswerte Qualität anzusehen. Der einzige Wunsch, den ich habe, ist, dass mir meine Gesundheit und meine Kraft und meine Leidenschaftsfähigkeit bleiben, um Dinge herauszufinden, die mich interessieren und die ich lustvoll erledigen möchte.

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