In der Pfarrei St. Katharina Unna soll niemand zu einem Opfer werden

dzMissbrauchsprävention

Um sexuellem Missbrauch vorzubeugen, hat die katholische Kirche in Unna ein neues Projekt gestartet. Die ganze Pfarrei wird eingebunden, und sexualisierte Gewalt ist dabei nicht das einzige Thema.

Unna

, 16.11.2018, 19:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Team aus rund 15 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Pfarrei St. Katharina arbeitet seit Mitte dieses Jahres an einem Schutzkonzept. Ein Ziel ist die strukturierte Prävention von sexualisierter Gewalt. Das Team will erarbeiten, wie sich die Pfarrei zum Thema positioniert und verhalten will. Die Grundaussage: „Sexualisierte Gewalt hat bei uns keinen Raum.“ Im Konzept soll unter anderem erarbeitet werden, welche Meldungs- und Unterstützungswege Mitarbeiter haben, wenn sie auf einen Verdacht treffen. Dies gelte nicht nur für die Strukturen innerhalb der Kirche, sondern auch außerhalb, sagt Annika Husarek, die Präventionsfachkraft der Pfarrei. Es sei für die Gemeinde wichtig, auch Signale von außen zu erkennen und Unterstützungsmöglichkeiten anbieten zu können.

Schulungen und Risikoanalyse

Haupt- und ehrenamtliche Kirchenmitarbeiter, alle, die mit Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen zu tun haben, müssen schon jetzt ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Darüber hinaus gibt es Schulungen für alle Mitarbeiter. Aktuell ist nun die Erhebung der Ist-Situation gestartet, eine Risikoanalyse. Wo hakt es mit der Prävention? Wo funktioniert sie gut, wo muss sie ausgebaut werden? „Wir wollen wissen, was unsere Kinder, Jugendlichen, schutzbefohlenen Erwachsenen, Eltern, Ehren- und Hauptamtlichen bewegt“, sagt Husarek, „was sie schätzen oder bedrückt und was sie sich wünschen.“ Das Konzeptionsteam hat Fragebögen entwickelt, die unter anderem an Gemeindegruppen verteilt werden. Die Pfarrei lädt ausdrücklich zur Teilnahme auch Außenstehende ein. Die Fragebögen liegen in der Kirche aus, sie können auch von der Homepage heruntergeladen werden. Hier ist der Link. Die Befragung soll bis Weihnachten beendet sein. Ergebnisse sollen im Frühjahr 2019 vorgestellt werden.

Wir wollen eine Kultur der Achtsamkeit entwickeln.
Annika Husarek, Präventionsfachkraft

An dieser Analyse werden auch Minderjährige beteiligt. Hier kommen Wimmelbilder zum Einsatz. Das sind Zeichnungen, in denen verschiedene zwischenmenschliche Situationen dargestellt werden. In der Gruppenarbeit sollen Kinder mit diesen Bildern arbeiten und zum Beispiel feststellen, wo auf dem Bild Menschen sich wohlfühlen und wo eher nicht. Fragebögen sollen ermitteln, ob die Kinder selbst solche Situationen kennen, wo sie sich wohl oder unwohl fühlen und ob sie zum Beispiel wüssten, mit wem sie darüber sprechen können.

Es geht um mehr als sexuelle Gewalt

Dabei geht es nicht nur um sexualisierte Gewalt. Auch Einsamkeit, Lärm, Hänselei, Mobbing oder physische Gewalt unter Gleichaltrigen sind Themen, die in den Bildern dargestellt werden. Überhaupt gilt für das ganze Präventionsprojekt, dass die Initiatoren insgesamt erarbeiten wollen, wie Menschen miteinander umgehen. Und unter Generalverdacht werde niemand gestellt. „Wir wollen eine Kultur der Achtsamkeit entwickeln“, sagt Husarek.

Das Präventionsprojekt ist eine Vorgabe des Erzbistums Paderborn. Für Pfarrer Paul Mandelkow ist es ein Beispiel dafür, dass sich die Kirche inzwischen intensiv um Prävention bemühe. In der Öffentlichkeit werde vielfach der Eindruck vermittelt, die Kirche mache weiter wie bisher, seitdem die entsetzlichen Missbrauchsfälle und deren Vertuschung bekannt geworden sind. „Aber das ist nicht der Fall.“

In der Pfarrei St. Katharina Unna soll niemand zu einem Opfer werden

Haupt- und ehrenamtliche Pfarreimitarbeiter nehmen an mehreren Schulungen teil. Ein Konzeptionsteam erarbeitet das Präventionskonzept.

Annika Husarek (32), ist Sozialpädagogin und arbeitet hauptberuflich beim Jugendamt des Kreises Unna. In der katholischen Gemeinde ist sie bisher vor allem ehrenamtlich tätig gewesen. Ihre Präventionsarbeit ist nun eine nebenberufliche Tätigkeit.
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