Doctor-medic Cosmin-Paul Sărac ist der neue Chefarzt der Frauenklinik am Christlichen Klinikum in Unna. © Privat
Interview

Impfung für Schwangere: Unnaer Chefarzt empfiehlt sie mit Einschränkung

Wann sollten sich schwangere Frauen impfen lassen und mit welchem Impfstoff? Welche Risiken und Nebenwirkungen drohen? Diese Fragen beantwortet Doctor-medic Cosmin-Paul Sărac vom Klinikum Unna.

Der tragische Fall einer jungen schwangeren Frau (25), die in Dortmund an einer Corona-Infektion starb, löste eine Debatte über Impfungen in der Schwangerschaft aus. Entgegen der aktuellen Stiko-Empfehlung riet der Direktor der Frauenklinik am Klinikum Dortmund, Prof. Dr. Thomas Schwenzer, allen Schwangeren, sich auch noch bis kurz vor der Geburt impfen zu lassen. Auch der Chefarzt der Frauenklinik am christlichen Klinikum Unna empfiehlt eine Impfung. Allerdings nur nach individueller Aufklärung, wie er im Interview betont.

Herr Dr. Sarac, würden Sie schwangeren Frauen zu einer Corona-Schutzimpfung raten?

Ja, aber nur nach individueller Aufklärung der Schwangeren. Individuelle Vorteile sowie Risiken müssen im Einzelfall diskutiert werden. Fachgesellschaften wie DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) oder BVF (Berufsverband der Frauenärzte) empfehlen die generelle Corona-Schutzimpfung von schwangeren Frauen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Covid-19-Impfung nur für Schwangere mit Vorerkrankungen (etwa Übergewicht, Hypertonie, Diabetes mellitus et cetera). Die Meinungen der Experten sind aufgrund der begrenzten Studienlage noch geteilt. Trotzdem können die Schwangeren nach Beratung und Ausschluss von Kontraindikationen eine Corona-Impfung erhalten.

Welcher Impfstoff ist am geeignetsten und zu welchem Zeitpunkt in der Schwangerschaft sollten sich Frauen, die noch nicht geimpft sind, impfen lassen?

Nationale und internationale Fachgesellschaften, etwa in den USA, UK, Israel und Belgien empfehlen für die Schwangeren eine Impfung mit mRNA-basiertem Impfstoff. Das sind die Impfstoffe Biontech oder Moderna. Der Impfstoff soll ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel gespritzt werden.

Welche Risiken und Nebenwirkungen haben die Impfstoffe für schwangere Frauen?

Es gelten die gleichen Risiken und Nebenwirkungen wie für Nicht-Schwangere, schwangerschaftsspezifische Komplikationen gibt es nach aktuellem Stand nicht. Vermehrte Komplikationen wie etwa Fehlgeburt, Frühgeburt, Totgeburt oder Fehlbildungen durch die Impfung sind bis jetzt nicht bekannt.

Und welche Risiken birgt eine Corona-Infektion für Mutter und Kind?

Eine Covid-Erkrankung in der Schwangerschaft führt nicht nur zu teils schweren Verläufen mit häufigerer Notwendigkeit der Beatmung und der intensivmedizinischen Behandlung sondern auch zu einer Erhöhung der Sterblichkeit von Schwangeren. Das Risiko für Thrombembolien sowie für Blutdruck-Komplikationen ist bei SARS-CoV-Infektion in der Schwangerschaft ebenso erhöht.

Die Rate an Totgeburten sowie das Risiko der Frühgeburt sind bei Corona-Infektion der Mutter erhöht, die Neugeborenen werden häufiger auf Intensivstationen für Neugeborene betreut.

Gab es in Unna Fälle mit Komplikationen, an die Sie sich erinnern?

Ich bin in Unna seit Mitte April dieses Jahres und kann daher über die letzten vier Monaten hier berichten. Wir haben bis jetzt keine besonderen Corona-Fälle bei Schwangeren gehabt, es gab nur vereinzelt Verlegungen in Perinatalzentren, Einrichtungen zur Versorgung von Früh- und Neugeborenen, in Fällen, bei denen Frühgeburten drohten.

Weil ich zuvor im Klinikum Dortmund tätig war, kann ich nur bestätigen, dass eine Häufung der schweren Fällen in Perinatalzentren existiert. Diese Lage ist aufgrund der Zentralisierung durch die Kinderkliniken allerdings nicht außergewöhnlich.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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