Impfgegner machen auf unterschiedliche Art auf ihre Haltung aufmerksam. In Unna werden jetzt Flyer verteilt. © dpa
Pandemie

Impfgegner verteilen Flyer in Unna: Protest in behördlichem Gewand

Das Thema Impfung wird in Deutschland heiß diskutiert. Befürworter und Gegner wollen ihre Argumente streuen. In Unna werden jetzt zumindest fragwürdige Flyer in Briefkästen geworfen.

Es gibt keine Langzeittests und starke Nebenwirkungen – das sind Argumente, mit denen Impfgegner sich gegen einen Vorsorgeschutz gegen das Coronavirus wenden. Und: Manche fühlen sich in ihrer Freiheit bedroht, fürchten eine Impfpflicht.

Das wird auch aus einem Flyer deutlich, der jetzt samt Visitenkarte in Unna-Mühlhausen verteilt wurde und auch in weiteren Briefkästen landen könnte. Die sogenannten „Freiheitsboten“ warnen darin vor einer Gefahr durch die Impfung.

Ärger über behördlichen Anstrich

Keine Frage: Das Recht auf freie Meinungsäußerung erlaubte solche Aktionen. Eine Anwohnerin, die den Flyer in ihrem Kasten fand, ärgert sich aber vor allem darüber, dass sich der Protest in einem behördlichen Gewand versteckt. So verweist die Visitenkarte auf die „Stiftung Corona-Ausschuss“.

„Mit einem Ausschuss verbinde ich Gremien von Stadt, Land oder Bund“, sagt die Frau die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, die der Redaktion aber persönlich bekannt ist. Und nicht nur das: Sie ärgert sich auch, dass durch die zeitnahe Verteilung mit der Tageszeitung der Eindruck erweckt werde, beides sei zusammen verteilt worden. Tatsächlich aber gibt es keinen Zusammenhang.

Die Mühlhausenerin ärgert sich aber auch darüber, dass die Informationen sachlich wirken sollen. „Aber was hat der Contergan-Skandal mit dem Coronavirus zu tun“, sieht sie falsche Behauptungen und Panikmache. „Ich hoffe, dass da keine Menschen drauf hereinfallen“, warnt sie vor einer falschen Panikmache.

Verteilungsaktionen wie die jetzt in Unna gab es in der Vergangenheit auch schon in anderen Städten im Kreis Unna – etwa in Kamen oder Fröndenberg. Bundesweit wurde Protest auch bei Demonstrationen der „Querdenker“ laut. Dabei wurden Hygieneregeln wie Mindestabstände und Maskenpflicht vielfach missachtet.

Start der Impfzentren steht bevor

Dass nun noch einmal mobil gemacht wird, könnte im Zusammenhang damit stehen, dass am 8. Februar auch der Betrieb der stationären Impfzentren aufgenommen werden soll – auch in Unna. Bereits seit dem 27. Dezember werden Menschen in Pflegeheimen gegen Covid-19 geimpft – Bewohnerinnen und Bewohner ebenso wie Personal. Über gravierende Nebenwirkungen ist seitdem nichts bekannt geworden.

Wer sich informieren möchte, erhält Informationen vom Gesundheitsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen unter www.land.nrw/de/corona/impfung.

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Redaktion Unna
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