Inklusion sorgt dafür, dass in vielen Klassenräumen mehr „los“ ist als in früheren Zeiten. Manche Kinder kommen zeitweilig mit eigenen Inklusionshelfern zur Schule und geraten in Phasen, in denen es ihnen gut tut, sich aus dem Unterrichtsverlauf ausklinken zu können. Flexible Möblierung, wie sie hier auf diesem Themenbild zu sehen ist, kann das erleichtern. © picture alliance / Holger Hollemann/dpa
Bildung

Im Klassenraum der Zukunft kriegt der „Zappelphilipp“ einen Stuhl mit Schwung

Damit behinderte und normal entwickelte Kinder gemeinsam lernen können, stellen viele Städte die Raumkonzepte ihrer Schulen auf den Prüfstand. Unna tut dies auch, findet aber zudem einfache Lösungen.

Das Wort ist sperrig, die Auswirkung auf den Alltag der Schüler sehr konkret: „Inklusion“ war und ist eine der größten Veränderungen im Bildungswesen. Förderschulkapazitäten wurden abgebaut, Kinder mit besonderem Förderungsbedarf in normale Regelschulen geschickt. Das soll mehr Gerechtigkeit schaffen, verlangt aber auch besonderen Einsatz.

Viele Städte stellen die Raumkonzepte ihrer Schulen auf den Prüfstand. In Unna soll der Grundschulneubau am Hertingertor besonders „inklusionstauglich“ erfolgen. Das meint nicht nur barrierearme Zugänge für Kinder, die körperlich behindert sind, sondern auch Strukturen, in denen mental oder psychisch beeinträchtigten Kindern geeignete Lernumgebungen geboten werden. Wer sich schlechter konzentrieren kann oder von einem Zuviel an Reizen leicht zu überlasten ist, der muss auch einmal eine Ruheinsel finden, während der Unterricht weiterläuft.

Spezielle Differenzierungsräume wären ideal dafür, sind allerdings in den wenigsten Schulen vorhanden. Doch es geht auch anders: Drei bislang ganz normale Klassenräume an der Peter-Weiss-Gesamtschule sollen jetzt allein durch das Mobiliar inklusionstauglich gestaltet werden. Für die Jahrgänge 5 und 6 bestellt die Stadt Unna jetzt drei Klassensätze „Inklusionsmöbel“.

Die Inklusionsmöbel dienen auch „normalen“ Kindern

Tische und Stühle erhalten die Nutzer jener Räume natürlich auch. Aber es wird auch rollende Trennwände geben, die in jedem Raum eine „Ecke“ zum Séparée machen können. Die Tische sind dreieckig und stehen auf Rollen. So lassen sie sich leicht zu Tischgruppen zusammenschieben, aber eben auch wieder vereinzeln.

Als Stühle schafft die Stadt keine soliden Holzmöbel an, sondern „Freischwinger“, die dem Drang zum Ausleben innerer Spannungen nachgeben. Wo einst der „Zappelphilipp“ gescholten wurde, ist heute Hibbeln erlaubt.

Bis zum Sommer sollen die neuen Möbelsätze geliefert sein, sodass sie zum Schuljahresbeginn 2021/22 im August zur Verfügung stehen. Mit den Inklusionsmöbeln ausgestattet wird jeweils die ganze Klasse. Denn Inklusion will die Besonderheiten der Kinder überwinden durch ein gemeinsames Lernen im großen Klassenverbund. Manche der neuen Möglichkeiten, die die flexible Möblierung zulässt, kann vielleicht auch den Lernerfolg der nicht-inklusiven Kinder positiv beeinflussen.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka
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