Kunst erobert notgedrungen den öffentlichen Raum: Ilona Hetmann von den Kunsforderern zeigt eine der plakatierten Stellwände. Die Kunstforderer feiern Jubiläum. © Raulf
Kunst

Im Jubiläumsjahr entdecken die Kunstforderer die Plakatwand als Galerie – mit Video

Kunst statt Werbung ziert Plakatwände: Im Jubiläumsjahr entdecken die Kunstforderer eine neue Art der Galerie. Im Video erklärt die Vorsitzende, wie die Unnaer demnächst mehr Kunst erleben können.

Ein Künstlerverein will zu einem besonderen Anlass vor allem eines: vielen Menschen viel Kunst zeigen. Die Kunstforderer aber müssen ihr 25-Jähriges auf ungewöhnliche Weise feiern. Sie entdecken die Plakatwand als Galerie.

„Wir haben den Anspruch, dass das eine Ausstellung ist“, sagt Ilona Hetmann. Die Vorsitzende der Kunstforderer erläuterte nun, wie in den vergangenen Wochen Plakatwände als Ausstellungsflächen genutzt wurden. An den Wänden hängen sonst Veranstaltungsankündigungen etwa für die Stadthalle oder die Lindenbrauerei. Seit März zieren Gemälde die langen Tafeln in ganz Unna. Hetmann zeigte sich nun dankbar, dass der Verein diese Möglichkeit erhielt.

25 Künstler machten mit

Rund 25 Künstler haben sich an der Aktion beteiligt, deren Vorarbeiten schon vor einem halben Jahr begonnen hatten. Fotograf Henryk Brock fotografierte die Gemälde ab, sodass danach Plakate gedruckt werden konnten. Diese wurden nach einem ausgeklügelten Plan auf die Tafelwände im Stadtgebiet verteilt.

„Die Wände mussten wir erstmal saubermachen“, sagt Hetmann. Plakatreste aus der Vergangenheit wurden akribisch abgeschabt. Dann habe die 15-köpfige Arbeitsgruppe eine Kleistertechnik entwickelt, damit die großen Poster nicht Falten warfen. Inzwischen ist die Jubiläumsaktion offiziell vorbei, und es erobern die ersten anderen Plakate die Wände, zum Beispiel mit Werbung für Corona-Tests. Viele Werke der Kunstforderer aber würden noch eine Weile hängen bleiben, so Hetmann. Alle Standorte und die teilnehmenden Künstler sind auf der Internetseite www.kunstfordererunna.de aufgelistet.

Aktion trifft auf Interesse und Respekt

Teils mit großem Interesse, vor allem mit viel Respekt seien die Unnaer der Aktion begegnet, berichtet Hetmann. Nur eines der Werke sei in den zurückliegenden Wochen beschmiert worden.

Aufgrund der Pandemie konnten und können die Kunstforderer ihre Galerie so gut wie gar nicht öffentlich zugänglich machen. Dabei sei es für sie als Künstler „so wichtig, gesehen zu werden“. Sie und ihre Mitstreiter suchten nun neue Möglichkeiten: öffentlich sichtbare Flächen, die sie für ihre Kunst nutzen können.

Für den Herbst ist eine Ausstellung im ZIB geplant, verbunden mit der Veröffentlichung eines Buchs zum Jubiläum. Ob und wie die Veranstaltung möglich wird, sei wegen der ungewissen Lage noch unklar. Hetmann aber zeigt sich zuversichtlich, dass Kunst in Unna weiterhin erlebbar sein wird. „Wir können nicht drinnen bleiben. Wir müssen raus.“ Künstler würden in der Krise spürbar zusammenarbeiten, und die Kunstforderer erhielten viel Unterstützung von der Stadt und ihren Bürgern. „Da sind wir froh.“

Über den Autor
Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf
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