Mit Kosten von 22 Millionen Euro wird das neue Förderzentrum in Unna einer der teuersten Neubauten in der jüngeren Geschichte. Trotzdem soll es besonders sparsam sein - an Energie.

Königsborn

, 10.04.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Zeiten, in denen Schüler freitags für den Klimaschutz demonstrieren, sei ein Bauen nach konventionellen Maßstäben schlecht vermittelbar gewesen, merkt Landrat Michael Makiolla an. Allerdings reichen die Anfänge der Planungen für ein neues Schulgebäude am Bildungscampus Königsborn weiter zurück. Und so kommt das Gebäude einfach zur rechten Zeit. Die Pläne, die der Kreis Unna nun zusammen mit seinem Architekten Christian Weicken vorgestellt hat, setzen jedenfalls Maßstäbe in Sachen Energieeffizienz. Dem Ziel, das Gebäude ohne Zuführen zusätzlicher Energie von außen zu betreiben, könne dieser Entwurf zumindest sehr nahe kommen, betont die Sachgebietsleiterin für Hochbau im Kreis Unna, Corinna Storck.

Auf dem Dach des Schulgebäudes wird es nicht nur Solarzellen für die Stromgewinnung, sondern auch Absorber für die Wärme der Sonne geben. Unter dem Gebäude wird dafür ein Eis-Energiespeicher stecken. Frische Luft soll hauptsächlich durch eine energieeffiziente Lüftungsanlage ins Gebäude kommen, auch wenn einige Fenster weiterhin geöffnet werden können. Im Sommer hält eine Betonkernaktivierung das Gebäude kühl: Sie funktioniert ähnlich einer Fußbodenheizung, aber eben kühlend statt wärmend. Anschluss ans Fernwärmenetz in Königsborn soll das Haus auch bekommen. Doch die Mengen des Energiebezugs aus dieser Leitung sollen überschaubar bleiben.

Große Umbauphase in der Bildungslandschaft

Nötig wird der Bau zum einen durch Veränderungen in der Schullandschaft. Als der Kreis die Zuständigkeit für alle Förderschulen in seinem Gebiet übernahm, wurde er auch Träger der früheren Harkortschule. Deren Gebäude weiterzuentwickeln für die künftigen Aufgaben, erwies sich allerdings nach einer Bestandsaufnahme als unwirtschaftliche Lösung. Als Unna dann die Anne-Frank-Realschule aufgab, ergab sich die Chance für einen Neubau.

22 Millionen Euro soll der Neubau einschließlich der Abbrucharbeiten für die Anne-Frank-Realschule kosten. Die Stadt überlässt dem Kreis das Grundstück über eine Erbpacht, wird danach aber Mieterin in den Räumen des Kreises. Er baut nicht allein ein neues Förderzentrum, sondern auch Räume für seine nahen Berufskollegs und auch für das Weiterbildungskolleg der Stadt.

Massivbau mit erdiger Klinkerfassade

Der Entwurf des Unnaer Architektenbüros Weicken ist technisch innovativ, aber gestalterisch eher traditionell. Christian Weicken setzt auf Massivbauweise, um das Bauwerk an die starke Beanspruchung im Schulalltag anzupassen. Die Klinkerfassade in erdigem Rot spiegele diese Bauweise wider. Eine klare, strenge Gliederung der Fassade gebe dem Klinker wiederum Raum. Trotz der massiven Gesamtwirkung des Gebäudes soll es aber im Innern eher hell und luftig zugehen: Alle Flure haben Anschluss an Fenster, bekommen also Tageslicht. Zudem platziert Weicken Glasdächer über den Treppenhäusern. Und auch die Eingangsbereiche lassen durch entsprechend große Glasflächen viel Licht hinein. Das U-förmige Bauwerk umschließt einen Schulhof, der nach Süden geöffnet ist. Hauptnutzer wird das Förderzentrum sein.

Im Bildungscampus Unna macht das energieeffiziente Bauen Schule

Ein Blick auf den Schulhof, der sich zum sonnigen Süden öffnet: Den Baum gibt es bereits. Im Original ist es eine Türkische Haselnuss, die von der Anne-Frank-Realschule übernommen werden soll. © Architekturbüro Weicken

Ab Juni könnten die Abbrucharbeiten der Anne-Frank-Realschule laufen. Ein Beginn des Neubaus wäre dann ab November denkbar, eine Fertigstellung im Sommer 2021. Das Förderzentrum wäre danach das zentrale Gebäude im „Bildungscampus“. Unter diesem Begriff fassen Kreis und Stadt einen Bereich zusammen, in dem es eine besondere Dichte von Schulen gibt. Hansa-, Hellweg- und Märkisches Berufskolleg, das Naturwissenschaftlich-Technische Zentrum des Kreises, die Werner-von-Siemens-Gesamtschule und das Geschwister-Scholl-Gymnasium umgeben dann Förderzentrum und Weiterbildungskolleg. Auf mittlere Sicht soll der Campuscharakter auch durch Veränderungen in der Außengestaltung deutlich werden. Mehr Sichtverbindungen und Fußwege, weniger Autoparkplätze, aber dafür ein neues Fahrradparkhaus - das sollen Merkmale für den Campus werden.

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