Seit Jahren bauen Mountainbiker rund um den „Bombentrichter“ eigene Strecken im Bornekamp. Das ist verboten, die Stadt reißt immer wieder ab. Ein Unnaer Mountainbiker sucht den Kontakt zur Stadt.

Unna

, 12.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Unter Mountainbikern aus Unna, Fröndenberg oder Schwerte sind die Strecken im Bornekamp seit knapp 20 Jahren bekannt. Ebenso lange gibt es für die Problematik in dem Waldstück am Oberlauf des Kortelbaches keine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten.

Das Areal, in dem die Mountainbiker ihre Strecken mit Rampen, hochgezogenen Kurven oder Hindernissen aus Holz ausbauen, ist durch den Kreis Unna als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, gilt wegen des Kortelbaches zudem als besonders schützenswertes Biotop. Hier sogenannte Trails anzulegen, ist illegal.

Dennoch ist das gut zwei Fußballfelder große Waldstück aufgrund seiner geografischen Beschaffenheit bei Mountainbikern so beliebt, dass eine feste Szene immer wieder aktiv wird.

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Mountainbiker im Bornekamp

„Von öffentlicher Stelle wird immer von Dialogen gesprochen. Die Einstellung der Politik den Mountainbikern gegenüber war aber immer ablehnend“
Illegale Strecke im Bornekamp: Unna hat keinen Platz für Mountainbiker

© Greis

Mountainbiker Yannick Duwenbeck

In den vergangenen Jahren habe man zwar das Gespräch mit den Aktiven gesucht, zum Beispiel über das Kinder- und Jugendbüro, „nach anfänglichen Gesprächen haben sich die Mountainbiker aber nicht mehr zurückgemeldet“, sagt Rolf Böttger, Leiter des städtischen Umweltbereichs. Auch im Umweltausschuss war die Strecke kürzlich ein Thema, hier hob Böttger auch die Verkehrssicherungspflicht der Stadt hervor, der die Fläche gehört.

„Von öffentlicher Stelle wird immer von Dialogen gesprochen. Die Einstellung der Politik den Mountainbikern gegenüber war aber immer ablehnend“, sagt Yannick Duwenbeck. Der Unnaer ist selbst Mountainbiker, fährt seit gut drei Jahren. „Ich würde mich als Einsteiger bezeichnen, aber ich kenne Leute von früher, die sind schon da gefahren, als ich noch Teenager war“, sagt der 28-Jährige.

Mountainbiken ist längst im Mainstream angekommen

Wollten die ersten Mountainbiker mit ihren Rampen auch ein stückweit rebellieren, habe sich der Sport mittlerweile komplett gewandelt. „Die Fahrräder haben sich unglaublich entwickelt. Das ist im Mainstream angekommen und eine etablierte Sportart“, sagt Duwenbeck. Wer sieht, wie die Wintersportorte Winterberg und Willingen in den vergangenen Jahren in den Ausbau abfahrtsorientierter MTB-Strecken für den Sommerbetrieb investiert haben, versteht Duwenbecks Aussage.

Gerade für jugendliche Biker sind das Alternativen, die nicht vor der Haustüre zu finden und zudem nicht kostenfrei sind. Für Unnaer sind die Strecken im „Bombentrichter“ einmalig: In den Hindernissen steckt jahrelange Erfahrung. Sie sind stabil und der Schwierigkeitsgrad ist mitunter fordernd. Das wiederum birgt in der jetzigen Form Probleme: Ohne Helm und Protektoren hat man dort nichts verloren. Ein Sonntagnachmittag vor Ort zeigt aber, dass hier auch Kinder ohne Helm auf Rädern unterwegs sind, die für die dortigen Belastungen nicht ausgelegt sind.

Der harte Kern umfasst 25 bis 30 Mountainbiker

Duwenbeck schätzt den Kern an Aktiven auf 25 bis 30 Personen, die im Bornekamp fahren, bauen und vernetzt sind. „Da sind junge Fahrer dabei, die man mal zügeln muss, aber eben auch ältere über 30. Die resignieren mittlerweile aber mitunter“, sagt der Unnaer.

Illegale Strecke im Bornekamp: Unna hat keinen Platz für Mountainbiker

Mächtig: Einige der Rampen im Bornekamp sind definitiv nichts für Anfänger oder billige Baumarkt-Mountainbikes. © Greis

Die regelmäßigen Fahrer bauen ihre Hindernisse immer an gewohnten Stellen entlang dreier Pfade. Erde entnehmen sie einer Stelle im Wald vor Ort. Für Holzkonstruktionen nutze man gefundenes Material. „Wir klauen nichts und schon gar nicht holen wir Erde von umliegenden Äckern, wie man es uns schon vorgeworfen hat. Das ergibt gar keinen Sinn“, sagt Duwenbeck.

Vor Ort findet sich meist auch ein großer Müllsack, den die Mountainbiker mitgebracht haben und auch leeren. Dennoch liegen mitunter Scherben, leere Gras-Tütchen und anderer Unrat im Wald – hier verkehren nicht nur Spaziergänger und Radfahrer.

Hierfür die Mountainbiker verantwortlich zu machen, wäre vorschnell geurteilt. Ein Radfahrer habe kein Interesse, sich wegen zerbrochener Bierflaschen in den eigenen Reifen zu schneiden.

Auch die Mountainbiker wollen lieber legal unterwegs sein

Yannick Duwenbeck würde sich wünschen, dass sich eine Lösung für legales Fahren und Bauen im Bornekamp findet – mit klaren Regeln, die Konflikte mit Spaziergängern und Reitern vermeiden sowie den ungehinderten Lauf des Kortelbaches garantiert. „Der Trichter ist nur ein kleiner Teil des Bornekamps. Es führen mehrere ausgebaute Wege um ihn herum. Man könnte über eine Vereinsgründung nachdenken, um eine Art Nutzungsrecht zu bekommen.“

Es wird wohl Wunsch bleiben, denn eine Änderung des Landschaftsplans oder eine Sonderregelung schließt Rolf Böttger aus: „Aufgrund der rechtlichen Vorgaben durch den Landschaftsplan wird es dort kein legales Mountainbiken geben.“

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Eindrücke von den MTB-Strecken im Unnaer Bornekamp

Kritik am Vorgehen der Stadt beim Abbau der Rampen

Als die Stadt im Vorjahr vor den Sommerferien die selbstgebauten Anlagen abreißen ließ, war Yannick Duwenbeck vor Ort. „Da wurde mit schwerem Gerät gearbeitet, breit gezogen und liegengelassen. Am Ende haben wir die Reste aufgeräumt“, sagt Duwenbeck.

Im Anschluss rückte der harte Kern über die Sommerferien aus und baute wieder auf. Dieses Jahr wird sich das Spiel wohl wiederholen: „Der Kreis Unna erwartet von uns einen zeitnahen Rückbau. Entsprechend werden wir dieser Aufforderung Folge leisten“, sagt Böttger.

Yannick Duwenbeck weiß, dass sich auch dann wieder Mountainbiker finden, die über die Ferien an den Strecken arbeiten – auch wenn es illegal ist. „Wir finden die Situation doch selbst unbefriedigend. Das ist alles zu intransparent und macht es auf Sicht nicht besser“, sagt der 28-Jährige.

Illegale Strecke im Bornekamp: Unna hat keinen Platz für Mountainbiker

Auch wenn es verboten ist und die Stadt abreißen lässt: Sehr wahrscheinlich bauen die Mountainbiker ihre Hindernisse danach wieder auf. © Greis

Wenn es die Stadt ernst meint mit Alternativen, so möchte sich Duwenbeck als fester Ansprechpartner zur Verfügung stellen. „Man sollte das Potenzial sehen: Hier kommen Jugendliche zusammen und schwitzen bei 30 Grad im Schatten, um ihre Strecken zu pflegen, statt zu Hause vor der Playstation zu sitzen“, sagt er. Und ein Interesse am naturverträglichen Biken hat Yannick Duwenbeck auch: Der Unnaer ist schließlich Mitglied bei den Grünen.

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