Hund zwei Stunden im warmen Auto, während Herrchen eine Radtour durch Unna macht

dzTierschutz

Die Sommersonne macht Autos zu Hitzekammern. Und dennoch werden sie immer wieder auch als Hundezwinger benutzt. Ein Fall aus Unna zeigt, wie schwierig es ist, den eingesperrten Tieren zu helfen.

Unna

, 22.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Hunde über längere Zeit in einem geparkten Auto eingesperrt sind, leiden sie nicht nur an der Enge ihres Käfigs, sondern schnell auch an Überhitzung. Sommertags muss ein Wagen nicht einmal in der prallen Sonne stehen, um gefährlich heiß zu werden. Auch an schattigen Plätzen wie unter den Baumreihen an der Bornekampstraße entstehen Temperaturen, die den Fahrer beim Einsteigen erst einmal zur Klimaanlage greifen lassen, bevor die Fahrt los geht. Ein Hund kann das nicht.

Mit großer Sorge beantworten Anlieger dort immer wieder Fälle, in denen Hunde über Stunden in Autos untergebracht werden. Einen aktuellen Fall hat einer der Bornekampbewohner nun der Polizei und dem Tierschutzverein gemeldet. Ein Mann ließ seinen Hund kurz aussteigen, auf dass er sein Geschäft verrichte, sperrte ihn dann in den Wagen, um danach sein Fahrrad vom Autoträger zu nehmen und zu einer Tour aufzubrechen.

Hund im Auto gelassen für zweistündige Radtour

Gut zwei Stunden war der Halter von Hund und Auto unterwegs. Das Tier habe offensichtlich kein Wasser im Auto gehabt. Frische Luft konnte allenfalls durch einen fingerbreiten Spalt eindringen, den die Scheiben herabgelassen waren. 23 Grad Außentemperatur maß der besorgte Anwohner. Die Temperatur im Auto konnte er sich nur vorstellen.

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So groß die Sorge war, so hilflos musste sich der Tierfreund schließlich nach seinen Versuchen fühlen, irgendetwas zu unternehmen. Die Polizei habe ihm erklärt, das noch kein Handlungsbedarf bestehe, so lange sich das Tier ruhig verhalte. Das ist eine Einschätzung, der Ursula Horn vom Tierschutzverein energisch widerspricht.

In der Hitze leiden Hunde eher still

„Wir sind in Fällen zur Hilfe gerufen worden, in denen die Tiere schon absolut apathisch gewesen sind und nicht einmal mehr die Kraft zum Hecheln hatten. Äußerlich wirken sie dann ruhig, aber sie sind bereits in akuter Lebensgefahr.“

Horn erinnert an einen Vorfall, der sich ausgerechnet am Rande einer Hundeausstellung in Dortmund zugetragen hat. Dabei seien mehrere Hunde im Auto verendet, weil die Hilfe zu spät gekommen ist. „Leider sind auch meine Erfahrungen mit der Polizei keine guten“, sagt Horn. Sie selbst greife daher zur „Selbsthilfe“ – durchaus in dem Wissen, dies nicht offiziell als Empfehlung aussprechen zu können. Denn ein fremdes Auto zu öffnen und dabei gegebenenfalls zu beschädigen, ist natürlich auch eine Straftat.

Polizei beteuert: Bei akuter Gefahr helfen wir

Die Polizei wiederum tritt dem Vorwurf entgegen, solche Fälle nicht ernst genug zu nehmen. Obwohl die Zuständigkeit eigentlich bei den lokalen Ordnungsbehörden liege, habe die Polizei eindeutig auch eine Eilzuständigkeit, wenn akuter Handlungsbedarf besteht, erklärt Pressesprecher Christian Stein. Sie würde dann einen Streifenwagen schicken, den Halter ausfindig machen und – wenn dies nicht gelingt und der Zustand des Hundes Anlass zur Sorge gibt – auch mit Gewalt ein Fahrzeug öffnen. Allerdings müsse auch die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.

„Es sind immer auch Einzelfallentscheidungen, bei denen wir schauen, ob ein Auto im Schatten steht oder in der Sonne, ob die Fenster geöffnet sind oder nicht, wie lange der Hund schon eingesperrt ist und wie das Wetter ist. In dem Fall am Wochenende haben wir in der Gesamtschau noch keinen Notfall erkennen können“, so Stein.

Besorgten Tierfreunden empfiehlt die Polizei, zunächst auch selbst einen Versuch zu unternehmen, den Halter ausfindig zu machen und ihn anzusprechen. Der Tierschutzverein Unna arbeitet derzeit mit einer eigenen Information auf seiner Internetseite daran, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass ein Auto gerade im Sommer keine Hundehütte ist.

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