Horst Brinkhoff aus Unna sorgte für die Sicherheit der Kumpel

dzAbschied von der Kohle

Horst Brinkhoffs beruflicher Werdegang ist eng mit dem Bergbau verknüpft. Der Unnaer arbeitete selbst 16 Jahre lang unter Tage, und auch danach war ihm die Sicherheit der Bergleute ein Anliegen.

von Niko Wiedemann

Unna

, 01.10.2018, 17:44 Uhr / Lesedauer: 3 min

Horst Brinkhoff wurde 1927 in Recklinghausen geboren. Im September 1944 – er war damals gerade 17 Jahre alt – fand er sich in einem Schützengraben bei Le Mans wieder und stand unter Beschuss amerikanischer Truppen. Die Splitter einer explodierenden Handgranate verletzten ihn am Unterschenkel, und so verbrachte er die nächsten Wochen in einem Kriegslazarett. Nach seiner Genesung schickte ihn die Wehrmacht an die Ostfront. Dort geriet er beim Versuch, einen Divisionsstab zu befreien, am 8. Mai 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Als Horst Brinkhoff im Dezember 1949 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, fand er – wie viele Rückkehrer – eine Anstellung im Bergbau.

Erste Schicht als Schlepper

Am 1. August 1950 trat Brinkhoff seine erste Schicht als „Schlepper“ auf der Zeche „König Ludwig 1/2“ in Recklinghausen an. „Da hieß es direkt: ‚Ran an die Arbeit!‘ Eine Einweisung gab es nicht“, erinnert sich der Bergmann fast 70 Jahre später. Als „Schlepper“ bestand seine Aufgabe darin, die Förderwagen für Kohle – im Bergbau spricht man von „Hunten“ – abzukoppeln und den Lokfahrer auf seinem Kohlezug zu begleiten, um bei Bedarf abzuspringen und die Weichen umzustellen.

Bei den Lokfahrten durch die Schächte mussten sich die Bergleute eigentlich in einem gesonderten Personenwagen aufhalten, viele von ihnen ignorierten diese Sicherheitsvorschrift jedoch und legten sich stattdessen einfach auf die Kohlewagen. Ein „Steiger“ (Aufsichtsperson) erwischte Brinkhoff bei dem Verstoß – das Vergehen kostete ihn einen Tagelohn und einen Urlaubstag. „Anfangs war diese Strafe für mich vollkommen unverständlich, später sollte sich das ändern“, erklärt Horst Brinkhoff rückblickend.

Einsicht nach Unfall

So kam es dann auch. Der Schlepper fuhr wieder einmal auf dem Kohlenzug mit, diesmal im Personenwagen. Plötzlich traf die Lok auf eine nicht vollständig umgelegte Weiche. Die Waggons entgleisten und rasten in die Wand des Bergwerks. „Ich lag in dem Personenwagen und konnte mich nicht befreien. Hätte ich auf dem Kohlewagen gelegen, wäre ich vermutlich gestorben.“ Der Bergmann blieb zum Glück unverletzt. Nach dem Vorfall suchte er sofort den Steiger auf und bedankte sich für die lehrreiche Rüge. „Der war so bewegt von meiner Einsicht, dass er mir sofort die Straße erließ.“

Gefahr: Grubengas

Horst Brinkhoff arbeitete sich auf der Zeche „König Ludwig 1/2“ Schritt für Schritt die Karriereleiter hoch. Er schloss 1954 erfolgreich seine „Hauerprüfung“ ab. Zur selben Zeit besuchte er erst die „Bergvorschule“, dann die „Bergschule“, um sich dort zum „Steiger“ ausbilden zu lassen. „Steiger“ nennt man im Bergbau die Aufsichtspersonen, die die Verantwortung für einen Teil des Bergwerks tragen.

Neben der Schule arbeitete der Bergmann weiterhin auf der Zeche und setzte sich dabei nicht unerheblichen Gefahren aus: „Einmal musste ich am 23. Juli, dem Geburtstag meiner Frau, wirklich ganz dringende Arbeiten durchführen. Bei Bohrarbeiten war ein Hohlraum angebohrt worden, aus dem hochgiftiges Grubengas austrat. Wir hatten mit mehreren Kollegen Schnellsperren gegen die Ausbreitung einer möglichen Methanexplosion zu errichten. Zum Glück lief alles glatt“.

„Zum Glück lief alles glatt“
Horst Brinkhoff über einen Einsatz mit hochgiftigem Grubengas

Horst Brinkhoff schloss seine Ausbildung ab und wurde im Dezember 1959 zum Revier- und Abteilungssteiger befördert. In den 60er-Jahren stand er – erst als „Wetteringenieur, dann als „Wetterfahrsteiger“ – zwischen zwei Fronten. Er hatte für die notwendige Belüftung der Schächte zu sorgen, damit die Bergleute unter angemessenen Bedingungen arbeiten konnten. Stieg die Temperatur in den Schächten über den Grenzwert von 28 Grad, musste er die Arbeitszeit der Bergleute auf 7 Stunden verkürzen. Dies missfiel jedoch dem Bergwerksdirektor, dem durch die Arbeitszeitverkürzung ein Gewinn entging. Er befahl Brinkhoff daher kurzum, die Temperatur im Bergwerk durch den Einsatz von Wasserdüsen um wenige Zehntelgrade zu senken. So lag die Temperatur unter Tage zwar knapp unter dem Grenzwert, die Luftfeuchtigkeit stieg jedoch auf fast 100 Prozent – ein unzumutbarer Zustand für die hart arbeitenden Bergleute, die nun wieder Überstunden leisteten. Horst Brinkhoff meldete das Vergehen beim Bergamt, der Einsatz der Düsen wurde verboten und die Arbeitszeit der Bergleute wieder verkürzt.

Engagiert für die IGBCE

Brinkhoff schied 1966 aus der aktiven Arbeit im Bergbau aus. Als Berginspektor beim Bergamt in Hamm setzte er sich aber weiterhin dafür ein, dass in den betreuten Zechen die Sicherheitsbestimmungen eingehalten wurden. Sein langjähriges Engagement in der Gewerkschaft IG Bergbau und Energie verhalf ihm 1969 zu einer Stelle als sozialpolitischer Beirat beim Landesoberbergamt Nordrhein-Westfalen. In dieser Position trug er weiterhin zur Verbesserung der Betriebsverhältnisse in den hiesigen Zechen bei.

Rund zehn Jahre später engagierte sich Horst Brinkhoff – mittlerweile Gewerkschaftssekretär bei der IGBE – für den Arbeitsschutz und den vorbeugenden Gesundheitsschutz in allen Bergbaubetrieben Deutschlands.

„Ich habe zwar in keiner Stelle so viel gearbeitet, aber nirgendwo bekam ich so viel Anerkennung von den Kumpels, denen ich helfen konnte.“
Horst Brinkhoff über seine Arbeit als Gewerkschafter

Für die Umsetzung dieser Ziele arbeitete er mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit zusammen und war als Sachverständiger beim Ausschuss für „Grubensicherheit“ im Bundestag vertreten. Als Gewerkschafter arbeitete er am „Bundesberggesetz“ mit, das eine neue Klima-Bergverordnung und wichtige Fluchtwegrichtlinien enthielt. Sein Resümee: „Als Gewerkschaft hatten wir unheimlich viel Kraft. Wir konnten Einiges bewegen. Ich habe zwar in keiner Stelle so viel gearbeitet, aber nirgendwo bekam ich so viel Anerkennung von den Kumpels, denen ich helfen konnte.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Verteilungskampf um Fördermittel
Die Bergkamener Ratspolitiker wollen die Kohleausstiegs-Millionen nicht teilen
Hellweger Anzeiger Milliarden vom Bund
Kohleausstieg: Der Verteilungskampf um die Fördermittel ist in vollem Gang
Hellweger Anzeiger Steigerlied
Steigerlied soll Weltkulturerbe werden: Selmer zeigen, wie gut sie das Lied singen können
Meistgelesen