Geschichtsunterricht mal anders: Holocaust-Überlebende besucht die Hellweg-Realschule in Massen

dzZeitzeugenbericht

Die Holocaust-Überlebende Halina Birenbaum besuchte am Dienstag die Hellweg-Realschule, um dort von ihren Erinnerungen an die Zeit in den Konzentrationslagern Majdanek und Auschwitz zu berichten.

von Sebastian Pähler

Massen

, 28.01.2020, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bewegend schilderte die Holocaust-Überlebende Halina Birenbaum am Dienstag in der Hellweg-Realschule ihre Erinnerungen an das Warschauer Ghetto, die Judenverfolgung und schließlich die Zeit in den Konzentrationslagern Majdanek und Auschwitz. Viele Zufälle haben ihr damals das Leben gerettet, berichtete sie. Dieses Geschenk nutzt die heute 90-Jährige, so vielen Menschen wie möglich als Zeitzeugin von den NS-Verbrechen und den Zuständen in den Vernichtungslagern zu berichten. Der zehnte Jahrgang der Massener Realschule lauschte aufmerksam dem erschütternden Bericht.

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Kindheit in Angst

„Ausrotten, das Wort habe ich gelernt“, erzählte Halina Birenbaum den Schülern der Hellweg-Realschule in ihrem Vortrag anlässlich des „Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. „Ausrotten“ – das Wort blieb der gebürtigen Polin in Erinnerung, denn das war es, was die Deutschen mit den Juden vorhatten, als Halina ein Kind in der zweiten Klasse der Grundschule war. „Hitler hatte beschlossen, dass wir alle umkommen sollen“, berichtete sie.

„Ausrotten, das Wort habe ich gelernt“
Halina Birenbaum, Auschwitz-Überlebende

Am 1. September 1939 endete Birenbaums Schulzeit mit der Bombardierung Warschaus. Danach wurden alle Juden im Ghetto zusammengepfercht, eine halbe Millionen Menschen auf engstem Raum, erinnerte sie sich. Nur wer sich in den Fabriken bemühte, oder – wie einer ihrer Brüder – Mediziner war, bekam das „Lebensrecht“ bescheinigt. Ein Leben als Sklave, erzählte sie, aber immerhin ein Leben.

Am Ende bedeutete aber alle Anstrengung nichts. Ihr Familie wurde deportiert. Angeblich zum Arbeiten im Osten, aber zu dem Zeitpunkt wusste schon jeder, Majdanek und Auschwitz bedeuten den Tod.

Birenbaums Eltern wurden ermordet

Nachdem ihr Vater bereits in Treblinka ermordet worden war, verlor sie ihre Mutter in Majdanek. Und das im wahrsten Sinne, denn Mutter und Tochter trafen dort zwar gemeinsam ein, doch während man sie in den Waschraum führte, brachte man ihre Mutter unbemerkt direkt in die Gaskammer. Ein Schicksal, das auch Halina mehr als einmal fast ereilt hätte. So war sie etwa in einen Nagel getreten, was zur einer Entzündung im Fuß führte. Nur der Tatsache, dass ihr Humpeln aufgrund eines verloren Absatzes nicht auffiel, verdankt sie ihr Leben. Denn Versehrtheit galt oftmals ein Todesurteil.

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Seit 1947 lebt Halina Birenbaum in Israel. Regelmäßig kommt sie aber nach Deutschland, um ihre Geschichte zu erzählen. Auch in Unna war sie, organisiert von der VHS, schon mehrere Male.

Schüler hören aufmerksam zu

Die Schüler, verfolgten die Schilderungen größtenteils aufmerksam, teils erschüttert und nutzten die Gelegenheit, Birenbaum Fragen zu stellen.

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