Fünf Jahre nach dem Tod von Michael Hoffmann tut sich Unna weiterhin schwer damit, dem früheren SPD-Politiker ein Gedenken zu bereiten. Selbst der Vorschlag eines Hoffmann-Baumes stößt auf Vorbehalte.

Unna

, 03.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kaum jemand hat in sein politisches Ehrenamt für Unna so viel Zeit und Arbeit investiert wie der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Hoffmann, dessen Tod sich am 29. Oktober zum fünften Mal jährt. Initiativen für ein öffentlich sichtbares Gedenken laufen allerdings immer wieder ins Leere.

Vorschläge, den Lindenplatz im ZIB zu Ehren des auch kulturpolitisch aktiven Sozialdemokraten umzubenennen, hatte der Rat der Stadt mit der Begründung zurückgestellt, so eine Frage nicht in zu großer zeitlicher Nähe mit Hoffmanns Tod klären zu wollen. Inzwischen würden sich einige Wegbegleiter Hoffmanns mit weniger zufrieden geben. Was in der politischen Diskussion daraus gemacht wird, tut dem Gedenken an Michael Hoffmann aber nicht allzu gut.

„Wir für Unna“ will einen „Michael-Hoffmann-Baum“

Der Verein „Wir für Unna“ schlägt derzeit in einem Antrag vor, am Sitzrondell neben dem Alten Markt wieder einen Baum zu pflanzen, wie es ihn bis vor einigen Jahren einmal gab. Er könnte zum „Michael-Hoffmann-Baum“ werden, erklärt der Verein, der auch von Sozialdemokraten aus dem engeren Umfeld Hoffmanns mit gegründet worden ist. Doch kaum ist dieser Antrag in der Welt, kommen Vorbehalte auf.

Ein „Michael-Hoffmann-Baum“ wäre für die SPD eine Katastrophe

Gut fünf Jahre sind auch vergangen, seitdem im Sitzrondell am Alten Markt der Baum umgefallen ist. Von einer Neubepflanzung nahm die Stadt bislang Abstand. Ob sich ein „Michael-Hoffmann-Baum“ dort lange halten würde, ist auch eine biologische Frage. © Pieper

Die CDU-Fraktion reagiert damit, dass sie die Gründung eines Arbeitskreises vorschlägt. Der erneute Wunsch danach, seinem früheren Gegenüber im Rat ein Denkmal zu setzen, lässt CDU-Fraktionschef Rudolf Fröhlich die gesamte Gedenkthematik etwas weiter gefasst betrachten.

In einem Gremium sollte einmal grundsätzlich überlegt werden, welche Persönlichkeiten, die Unna ab 1950 geprägt haben, ein Denkmal verdient haben. Zudem solle das Gremium über geeignete Formen des Gedenkens beraten. Abgesehen davon weist Fröhlich daraufhin, dass ein neuer Baum an dieser Stelle vielleicht gar nicht mit der Neuplanung der Fußgängerzone vereinbar sei.

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Mit diesem Antrag tritt die Fraktion der Christdemokraten nun ihrerseits an den Staatrat heran. Als Verhinderungsantrag wolle er diese Idee aber nicht verstanden wissen, betont Fröhlich im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir haben nichts gegen einen Michael-Hoffmann-Baum und es ist auch nicht so, dass wir da etwas auf die lange Bank schieben würden. Wir würden es halt nur begrüßen, wenn auch mal andere Namen betrachtet würden“, so Fröhlich.

Hoffmanns Nachfolger hält Baum-Vorschlag für „katastrophal“

Hoffmanns aktueller Nachfolger in der SPD-Fraktion hat sehr wohl etwas gegen einen „Michael-Hoffmann-Baum“, nennt die Idee „katastrophal“ und lehnt sie daher ab: „Ich halte das für unwürdig“, sagt der heutige SPD-Fraktionsvorsitzende Bernd Dreisbusch.

„Ein Baum ist grundsätzlich nicht geeignet, einen Menschen zu ehren. So ein kleines Stämmchen, das da ganz allein in der Fußgängerzone steht und vielleicht nicht einmal richtig anwächst. Ich will keine Fotos davon sehen, dass diese Ecke dann am Wochenende mit Pizza-Kartons zugemüllt ist. Und ich muss auch nicht daran erinnern, was Hunde damit machen.“

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Dabei betont auch Dreisbusch, sich nicht grundsätzlich gegen ein Denkmal für Michael Hoffmann auszusprechen. „Es sollte dann aber auch schon etwas mehr sein als ein Baum. Vor allem aber finde ich das Verfahren nicht richtig, das hier läuft: Ich würde mit meinen Ideen erst einmal an die Familie herantreten und mir ein Okay abholen. Sonst wird die Person eher beschädigt.“

Ein „Michael-Hoffmann-Baum“ wäre für die SPD eine Katastrophe

Die Suche nach einem Denkmal für Willy Timm beschäftigte Unna über mehrere Jahre hinweg immer wieder. Statt eines Straße oder eines Platzes erhielt er dann einen Raum im Stadtarchiv. © Roman Grzelak

Wie sehr sich die Suche nach einer Form des Gedenkens in Unna in die Länge ziehen kann, hatte sich zuletzt etwa am Beispiel Willy Timms gezeigt. Vorschläge, den früheren Stadtarchivar, Heimatforscher und Autor etlicher Schriften zur Stadtgeschichte mit einer Namensnennung zu würdigen, hat es nach Timms Tod im Jahr 1999 mehrfach gegeben.

Sein Name wurde unter anderem für die Zufahrt zur Sparkassen-Parkpalette am Stadtgarten und für die Fläche, die dann zum Platz der Kulturen wurde, gehandelt. Doch Timm hatte nicht nur Freunde, und so gab es immer auch Gegenargumente. Am Ende benannte die Stadt den Leseraum des Stadtarchivs nach Willy Timm. Die Zahl derer, die die Plakette am Eingang je gesehen haben, dürfte überschaubar sein.

Warnendes Beispiel: Der Willy-Timm-Raum

Wer die Ablehnung Bernd Dreisbuschs gegen einen Michael-Hoffmann-Baum missbilligt, darf sich insofern trösten lassen, dass der heutige Fraktionsvorsitzende der SPD damit verhindert, das das Thema zu „billig“ erledigt wird.

Hoffmann habe etwas Größeres verdient, und weil die Benamung neuer Straßen, Plätze oder Häuser besser funktionert als die Umbenennung eines Platzes, der schon anders bekannt ist, müsse man vielleicht einfach etwas warten. So viel baut Unna ja nicht.

„Ich habe da auch gar keinen zeitlichen Druck“, betont Dreisbusch. „Und zwar, weil ich auch so immer wieder an Michael denke. Mit seinem Engagement und seiner Präsenz hat er sich unvergesslich gemacht. Er wird vermisst.“

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