Im Jahr 1958 war es das Sahnehäubchen der Evangelischen Stadtkirche, aufgesetzt von einem Hubschrauber der Bundeswehr. Heute saniert Kunstschmied Leo G. Pira das Kreuz auf dem Kirchturm „vor Ort“.

Unna

, 31.07.2020, 15:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Um Werkstücke vom Turm der Evangelischen Stadtkirche in die gut ausgestatteten Betriebe der beauftragten Firmen zu bringen, ist in den vergangenen Monaten oft hoher Aufwand betrieben worden. Die Balustrade zwischen Mauerwerk und Turmhelm zum Beispiel war regelrecht zerlegt worden. Was nicht im Sturm Friederike vom Dach gefallen war, hob ein Kran herab, für dessen Last der Kirchplatz mit zusätzlichen Eisenplatten verstärkt worden war. Doch beim Kreuz an der Spitze des Kirchturmes hilft auch das nicht weiter.

„Es mag ja Kräne geben, die auf diese Höhe kommen. Aber die kann man hier gar nicht auffahren“, weist Leo G. Pira auf die Lage der Kirche im ältesten Teil der Stadt hin, wo die Wege eng und verwinkelt sind.

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Am Kreuz der Stadtkirche

Der Kunstschmied aus Alte Heide ist einer der wenigen Experten aus Unna selbst, die an der Sanierung der Stadtkirche beteiligt sind. Sein Auftrag ist die Überholung des Kreuzes an der Spitze des Turms.

Anders als die Steinmetzkollegen, die die Höllenhunde aufarbeiten, bekommt er sein Werkstück nicht vor die Füße gelegt. Für die Montage des Kreuzes 1958 war einst ein Hubschrauber der Bundeswehr genutzt worden, weiß er zu berichten. Heute muss er sich seinen Weg bahnen an die Spitze der Stadtkirche.

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Pira besetzt derzeit die höchste Baustelle der Stadt. Rund 90 Meter mag das Kreuz über dem Kirchplatz stehen, der seinerseits zu den höchstgelegenen Flächen der Innenstadt zählt. Bis kurz unters Kreuz gelangt Pira mit einem Aufzug. Danach geht es Treppe für Treppe von einer Ebene auf die nächste, bis die Spitze erreicht ist.

Der luftige Arbeitsplatz gibt einen herrlichen Blick über Unna

Höhenangst scheint Pira nicht zu kennen. Oder er hat sie einfach gut im Griff. „Ich habe einen wundervollen Ausblick von hier oben, in Gärten mit Kaninchenställen und erstaunlich viel Grün. Mitten in der Stadt!“ Respekt bekennt er allerdings vor den Gerüstbauern, die für die Handwerker vor Ort Pionierarbeit geleistet haben.

Etwa vier Meter hoch und drei Meter breit ragt das Kreuz aus der Turmspitze heraus. Bei der Montage 1958 war es von einem Hubschrauber der Bundeswehr aufs Dach gehoben worden.

Etwa vier Meter hoch und drei Meter breit ragt das Kreuz aus der Turmspitze heraus. Bei der Montage 1958 war es von einem Hubschrauber der Bundeswehr aufs Dach gehoben worden. © Sebastian Smulka

Begeistert ist Pira zudem von der Leistung der „Kollegen“, die das Kreuz einst gebaut haben. Wer sie waren, wann sie ihr Werk geleistet haben – genau weiß man es gar nicht.

Der spektakuläre Hubschraubereinsatz von 1958 ist zwar mit Fotos belegt. Aber ob das Kreuz damals neu war oder schon auf einer früheren Bauform der Stadtkirche stand, ist nicht belegt.

Unabhängig davon lobt Pira eine Arbeit, die handwerklich sehr solide und überdies noch liebevoll ausgeführt worden ist. Nachlässigkeiten an der Verarbeitung hätte man vom Boden aus gar nicht gesehen. Dennoch scheint es keine zu geben: Als Pira das Kreuz inspizierte, war es in erstaunlich gutem Zustand.

Ein Blick in den „Kaiserstiel“, der den stählernen Kern des Kreuzes mit der hölzernen Tragekonstruktion des Daches verbindet. Letztlich ist es ein aufgebohrter Baumstamm, den Pira nun neu mit einem Metallring verstärkt hat. Anderthalb Meter tief steckt das Kreuz mit seinem Dorn darin.

Ein Blick in den „Kaiserstiel“, der den stählernen Kern des Kreuzes mit der hölzernen Tragekonstruktion des Daches verbindet. Letztlich ist es ein aufgebohrter Baumstamm, den Pira nun neu mit einem Metallring verstärkt hat. Anderthalb Meter tief steckt das Kreuz mit seinem Dorn darin. © Sebastian Smulka

Korrosion beseitigen, neu versiegeln, die Halterung im „Kaiserstiel“ verstärken – es sind eher einfache Pflegemaßnahmen, mit denen der Kunstschmied aus Unna das Kreuz für die Zukunft wind- und wetterfest macht.

Arbeiten am Dach kommen gut voran

Aber auch unter ihm laufen die Arbeiten am Kirchturm bisher nach Plan. Von Weitem sichtbar, wird das Dach neu mit Kupferplatten eingedeckt. „Es sieht so aus, dass das Dach bis zu den Herbstferien fertig wird“, sagt Dietrich Schneider vom Evangelischen Kirchenkreis.

Das Dach wird anders aussehen als früher, das war im Vorfeld schon recht schnell deutlich geworden: Die grüne Färbung des alten Dachs war durch die Verwitterung des Kupfers entstanden. Die neuen Bleche sind braunrot. Sie werden allerdings doch nicht lange golden glänzen. Etwa nach einer Woche werde das Blech matt, sagt Schneider. Bis es sich irgendwann auch grün verfärbt, das wird aber wohl doch länger dauern.

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Sind die Arbeiten am Kreuz abgeschlossen, dann wird der Hahn wieder aufgesetzt. Das stattliche Tier ist in der Sparkassen-Hauptstelle an der Bahnhofstraße ausgestellt. Sobald das Thema Dach komplett abgeschlossen ist, wird das Baugerüst zurückgebaut bis zur Höhe der Brüstung.

Am Turmgemäuer erfüllen noch die Steinmetze ihren Auftrag. Bis voraussichtlich zum Jahresende bessern sie die Turmfassade überall dort aus, wo der Zahn der Zeit und vor allem das über viele Jahre eindringende Wasser dem Gemäuer zugesetzt haben.

Steinmetz Thomas Salinger zeigt einen nachgebauten Stein, der in die Turmfassade eingesetzt wird.

Steinmetz Thomas Salinger zeigt einen nachgebauten Stein, der in die Turmfassade eingesetzt wird. © Thomas Raulf

Wann die restaurierten beziehungsweise komplett neu hergestellten Fialen und Wasserspeier letztlich wieder an ihre alten Plätze am Kirchturm zurückkehren, sei noch nicht abzuschätzen, so Schneider.

Spenden

Die Bankverbindung für Turmretter

  • Evangelische Stadtkirche Unna, DE27 4435 0060 1000 4233 82 (Sparkasse) oder DE73 4416 0014 6459 8902 01 (Volksbank)
  • Verein zur Erhaltung der Stadtkirche, DE24 4435 0060 0000 0823 21 (Sparkasse) oder DE28 4416 0014 4202 3489 01 (Volksbank)

Vor wenigen Wochen erst hatte sich herausgestellt, dass die Verantwortlichen nicht nur technische Herausforderungen zu bewältigen haben, sondern auch unerwartet finanzielle. Es fehlt Geld für das Sanierungsprojekt, auch wegen Corona und ausgefallener Benefizveranstaltungen. Derzeit würden Gespräche mit den öffentlichen Geldgebern geführt, berichtet Kirchenkreis-Sprecher Schneider.

Und nach wie vor seien Spender kleiner und großer Summen willkommen, private ebenso wie Unternehmen. Wenn klarer ist, wie das Sanierungsbudget aufgebessert werden kann, soll entschieden werden, wann und wie die Arbeiten an dem historischen Gebäude abgeschlossen werden können.

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