Der Bebauungsplan für das Zabelgrundstück südlich der Fröndenberger Straße in Kessebüren hat Befürworter und Gegner. Groß war das Interesse deshalb an der Info-Veranstaltung am Mittwoch im Feuerwehrgerätehaus. © Marcel Drawe
Wohnbebauung in Kessebüren

Hitzige Diskussion um Baupläne: Zabel-Grundstück spaltet das Dorf

Vier Mehrfamilienhäuser für bis zu 20 Mietwohnungen sollen in Kessebüren entstehen. Jetzt hat die Stadt konkrete Pläne vorgestellt und das Dorf darüber diskutieren lassen. Die Meinungen sind geteilt.

Am Ende waren es „gelebte Demokratie“ und ein Entgegenkommen von Verwaltung und Planern, dass sich die Bürger in Kessebüren am Mittwoch mit den Bauplänen für ein Grundstück südlich der Fröndenberger Straße auseinandersetzen konnten. In diesem Punkt waren sich die rund 40 Kessebürener im Feuerwehrgerätehaus relativ einig. Darüber, was sie von den Bauplänen halten sollen, nicht.

Die Familie Zabel möchte in Kessebüren, wie berichtet, Mietwohnungen errichten. Aufgrund massiver Einwände aus der Bürgerschaft hatte die Politik einer zweiten öffentlichen Auslegung der Planunterlagen bisher noch nicht zugestimmt. Inzwischen sind die ursprünglichen Pläne modifiziert worden.

Kessebürens ehemaliger Ortsvorsteher Gerd Heckmann übernahm die Moderation der Versammlung. Er vertrat seinen Nachfolger Hans-Martin Berg, der bei einem Fahrradunfall verletzt wurde. Yvonne Krekeler, die seit einem Jahr den Bereich Stadtplanung leitet, ordnete das Bauvorhaben zunächst in das Handlungskonzept Wohnen der Stadt Unna ein. Nicht für Kessebüren speziell errechnet, aber für die gesamte Stadt Unna bestehe Bedarf an kleinteiligem Mietwohnraum. Diesen über Nachverdichtung zu realisieren, sei prinzipiell ein guter Weg.

Uneins über die Nachfrage nach Mietwohnungen

Und das war schon der erste Punkt, in dem Kritiker und Befürworter des Vorhabens uneins sind: Die Bürgerinitiative Kessebüren, die laut Vertretern vor Ort rund 40 Unterstützerinnen und Unterstützer hat, stellt diesen Bedarf infrage. Andere Anwohner aber machten deutlich, dass Mietwohnungen im Ort etwa auch eine Chance für ihre Kinder sind, nahe des Elternhauses die erste eigene Wohnung zu beziehen.

40 Bürgerinnen und Bürger konnten an der Versammlung in Kessebüren teilnehmen. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Verändert hat sich die Planung nun vor allem hinsichtlich der Gestalt der Gebäude, der Dachform, der geplanten Erschließung der Tiefgarage und deren Zufahrten sowie der Entwässerung über ein Regenrückhaltebecken. Die Planung erklärten der unterstützende Planer Uwe von Hofen und Architekt Michael Deterding.

Satteldach statt Zeltdach

Die neuen Häuser werden, wie bereits festgelegt, eine Höhe von 9,50 Meter nicht überschreiten und zweigeschossig ausgebaut. Eine zentrale Tiefgeragenzufahrt, die durch die Böschung zur Fröndenberger Straße gebaut werden sollte, ist Sicherheitsbedenken gewichen.

Die Hauptzufahrt befindet sich nun am unteren Ende des Grundstücks. Genutzt wird hier ein bereits bestehender Wirtschaftsweg. In die Tiefgarage fahren die Fahrzeuge erst auf Höhe des zweiten Hauses, sodass weniger Lärm für die Bewohner der direkt angrenzenden Bebauung entsteht. Auch damit haben die Planer auf Kritik aus der Bürgerschaft reagiert. Dass die Böschung unangetastet wird, war ebenfalls ein Wunsch der Kessebürener, auf den die Verwaltung nun reagiert. Ob die Tiefgarage genug Parkplätze bietet, stellten viele Bürger in Frage.

Inzwischen sind Satteldächer geplant

Beim Haustyp ist die Planung von Zeltdächern auf Satteldächer umgeschwenkt, die besser in das Dorf passen sollen. Obgleich Architekt Michael Deterding mehrfach darauf hinwies, dass es den von Kritikern viel zitierten „dörflichen Charakter“ in Kessebüren so gar nicht gebe. Viele der Häuser, die nach dem Krieg gebaut wurden, seien im Baustil sehr verschieden.

Aus der Luft ist deutlich erkennbar, wie schmal das Zabel-Grundstück zusammenläuft. Entlang des Hangs, parallel zur Straße sollen mehrere Mehrfamilienhäuser entstehen. Am unteren Ende des Grundstücks befindet sich das Haus von Rosita Steinbiß Mader. Die Anwohnerin fürchtet Niederschlagswasser und ein Abrutschen des Hands.
Aus der Luft ist deutlich erkennbar, wie schmal das Zabel-Grundstück zusammenläuft. Entlang des Hangs, parallel zur Straße sollen mehrere Mehrfamilienhäuser entstehen. Am unteren Ende des Grundstücks befindet sich das Haus von Rosita Steinbiß Mader. Die Anwohnerin fürchtet Niederschlagswasser und ein Abrutschen des Hangs. © Privat © Privat

Der Bau eines unterirdischen Regenrückhaltebeckens auf Privatgrund der Familie Zabel, das vor allem Oberflächenwasser vom Griffelmarkt aufnehmen soll, sei unabhängig vom Bauvorhaben bereits von der unteren Wasserbehörde geprüft und genehmigt worden. Das jüngste Starkregenereignis noch im Hinterkopf, wiesen einige Anwohner auf Unsicherheiten hin, die in einer zweiten Behördenbeteiligung geklärt werden könnten.

Starttermin für zweite Öffentlichkeitsbeteiligung steht noch nicht fest

Aus Sicht des Vorsitzenden des Heimatvereins, Jürgen Wolff, seien die modifizierten Pläne jetzt vertretbar. Anders sahen das Dieter Strate und Anwohnerin Rosita Steinbiß Mader von der Bürgerinitiative, die im Anschluss an die Versammlung von einer „Verschlimmbesserung“ sprechen.

Alle Bürgerinnen und Bürger erhalten bald die Möglichkeit, im Rahmen einer zweiten Öffentlichkeitsbeteiligung Stellung zu nehmen. Die Stellungnahmen fließen in die politische Entscheidung über das Bauvorhaben ein. Wann die Öffentliche Auslegung der Unterlagen startet, wird noch von der Politik entschieden – und anschließend bekanntgegeben.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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Dagmar Hornung

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